11. April 1933: Erste Häftlinge trafen ein

Wie vor 80 Jahren das Leiden im KZ Moringen begann

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Ort des Grauens: Im Werkhaus in Moringen wurden vor 80 Jahren die ersten KZ-Häftlinge interniert. Das Konzentrationslager erstreckte sich hinter der ehemaligen SS-Kommandantur (vorne links) Richtung Mannenstraße (oben). Teile gehören heute zum Maßregelvollzugszentrum.

Moringen. Auf den Tag genau vor 80 Jahren begann eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Moringens: Denn am 11. April 1933 traf die erste größere Gruppe Häftlinge im neugegründeten Konzentrationslager ein. Es war eines der ersten in Deutschland.

Die Häftlinge stammten zum Teil aus der Region und wurden aus dem Gefängnis in Hannover sowie aus den Landkreisen Northeim und Uslar in das Konzentrationslager gebracht, berichtet Dr. Dietmar Sedlaczek von der KZ-Gedenkstätte in Moringen. Am nächsten Tag trafen Häftlinge aus den Gefängnissen in Hildesheim, Rinteln und Osterode ein. „Insgesamt waren in diesem frühen KZ ungefähr 1000 Personen inhaftiert, in der Regel Männer.“

Haft auch für SPD-Mitglieder

Ihre Haftdauer war sehr unterschiedlich: Bei einigen umfasste sie wenige Tage, andere waren bis zu sieben Monate interniert. Unter den Häftlingen waren vor allem Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten wie August Helmker, der seit 1902 Mitglied im SPD-Ortsverband Hilwartshausen und dortiger Bürgermeister war.

Der Kommunist Otto Kreikemeier aus Eschershausen, an den ein Stolperstein in Uslar erinnert, war ebenso unter den Moringer Häftlingen wie Richard Borowski aus Göttingen. „Wenige Tage nach dem Verbot der SPD brachte die Polizei den Parteisekretär des Unterbezirks Göttingen für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Moringen“, erklärt Sedlaczek. Nach dem Krieg wurde Borowski niedersächsischer Innenminister (1948-55).

Im November 1933 geschlossen

Das Männer-KZ wurde bereits im November 1933 wieder geschlossen, die verbliebenen Häftlinge wurden in andere Lager verlegt oder in Polizeiaufsicht entlassen. Doch das war nicht das Ende der Konzentrationslager in Moringen: Von Oktober 1933 bis 1938 diente das ehemalige Landeswerkhaus als KZ für Frauen, von 1940 bis 1945 waren dort Jugendliche inhaftiert.

In der Öffentlichkeit der Weperstadt wurde die Einrichtung des KZs zunächst begrüßt. Die Moringer Zeitung schrieb: „Wie sehr auch an sich die Notwendigkeit der Inhaftierung dieser irregeleiteten Volksgenossen zu bedauern ist, so stellt doch ihre Überführung in das hiesige Werkhaus für unsere Stadt einen außerordentlichen wirtschaftlichen Gewinn dar wie wir gehört haben.“ Umfangreiche Aufträge seien an heimische Firmen vergeben worden. (fst)

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