Schwerverbrecher noch immer flüchtig

Maßregelvollzugszentrum: Erste Konsequenzen nach Ausbruch des Insassen

Hannover/Moringen. Die Behörden haben erste Konsequenzen aus der Flucht eines 30-Jährigen aus dem Maßregelvollzugszentrum in Moringen gezogen. Nun mache Stacheldraht das Betreten des Flachdaches unmöglich, sagte Sozial-Staatssekretär Jörg Röhmann am Donnerstag im Landtagsausschuss für Soziales.

Zudem müsse bei jedem Wachwechsel geprüft werden, ob alle Insassen da seien. Die Türen zu den Innenhöfen müssten nun bei Dunkelheit verschlossen bleiben.

Die Art und Weise der Flucht des drogenabhängigen Tschetschenen hat die Experten überrascht. „Er hat uns mit seiner waghalsigen und einmaligen Flucht gezeigt, dass es doch Sicherheitslücken in Moringen gibt“, sagte der Staatssekretär.

Sie habe die Vorstellungskraft der Experten überstiegen. Das Landeskriminalamt habe regelmäßig das Maßregelvollzugszentrum begutachtet, aber keine Sicherheitslücken entdeckt. Röhmann sprach das Personal in Moringen von jeglicher Schuld frei.

Der Beamte wies darauf hin, dass immer häufiger Straftäter in solche Einrichtungen eingewiesen werden. Es gebe starken Druck, die Zahl der Plätze zu erhöhen. Beim Maßregelvollzug handle es sich im Grunde um eine Krankenstation, die ähnlich funktionieren müsse wie eine Justizvollzugsanstalt. Rot-Grün habe 50 neue Stellen geschaffen, 62 weitere seien geplant.

Der Tschetschene hatte sich nach Röhmanns Darstellung therapieunwillig gezeigt. Dem Mann drohte die Ausweisung und er habe familiäre Sorgen. Die Polizei geht davon aus, dass diese Gemengelage die Triebfeder für die Flucht war. Sie hoffte, ihn in seinem Umfeld zu stellen und riet zunächst von einer öffentlichen Fahndung ab. Auf Drängen des Sozialministeriums habe es ein Umdenken gegeben.

Von dem Schwerverbrecher, der mit Hilfe eines zusammengebundenen Bettlaken und einem Wurfanker über das Dach dem gesicherten Gebäude geflohen ist, fehlte auch am Donnerstag jede Spur. (lni)

Rubriklistenbild: © dpa

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