KGS Moringen als "Schule ohne Rassismus" zertifiziert

Gespräch mit Schülern an der KGS Moringen: Willi Portz vom Adolf-Bender-Zentrum, NS-Zeitzeuge Helmut Becker und Arne Droldner von der KZ-Gedenkstätte, der das Gespräch moderierte. Foto: Schwekendiek

Moringen/ Nörten-Hardenberg. Die Kooperative Gesamtschule Moringen wurde am Dienstag als "Schule ohne Rassismus" ausgezeichnet. Außerdem unterhielten sich 300 Schüler mit einem NS-Zeitzeugen.

Die KGS ist die 200. Schule in Niedersachsen, die als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ (SOR-SMC) zertifiziert wurde. Grundlage war eine Projektwoche mit vielen Aktionen, über die Lehrerin Eleonore Köhl und die Schülerinnen Julia Korengel und Sarah Kollstedt bei einer Feierstunde in der Aula am Standort Nörten berichteten. Diese habe im Schulalltag bereits Wirkung gezeigt.

Dr. Peter Kaufmann von der SOR-SMC-Landeskoordinationsstelle überreichte die Urkunden und das Schild, das an der Schule angebracht wird. Alle Festredner betonten, dass es weitere Projekte geben muss, damit sich Toleranz im Alltag durchsetzt.

Neuer Projektpartner der KGS ist das Grenzdurchgangslager Friedland. Als Christa Diebig von den tragischen Erlebnissen syrischer Flüchtlinge und ihrem Bestreben berichtete, möglichst schnell Deutsch zu lernen und Fuß zu fassen, lauschten die Schüler gebannt.

Umrahmt wurde die Feierstunde von Musik der Bigband und der Schulband.

Fast zeitgleich zum Festakt am Schulstandort in Nörten, der bewusst auf den Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz gelegt wurde, hatten 300 Schüler am Standort in Moringen Gelegenheit, mit einem NS-Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen.

Etwa 4500 Männer, Frauen und Jugendliche waren zwischen 1933 und 1945 im Konzentrationslager in Moringen inhaftiert. Heute, 70 Jahre nach Kriegsende, gibt es noch etwa ein Dutzend Überlebende.

Einer von ihnen ist Helmut Becker, 88 Jahre, geboren in Idar-Oberstein. Einst ein aussichtsreicher Leistungssportler, wurde er 1943 im Jugend-KZ Moringen inhaftiert. Nach einer gewonnenen Skimeisterschaft hatte er einen Trainerjob angenommen und sich deshalb sechs Wochen unerlaubt vom Arbeitsplatz entfernt.

Über seine Erlebnisse in Gefangenschaft hat Becker mit den Schülern gesprochen. Zur Einstimmung auf das Gespräch sahen diese zunächst einen 45-minütigen Film, den das Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel (Saarland) gemeinsam mit der KZ-Gedenkstätte Moringen über Helmut Becker gedreht hat.

„Bis in die 1970er-Jahre konnte man kaum über das Erlebte sprechen“, erinnerte sich Becker. „Da haben die Leute gesagt, der spinnt doch.“ Verdrängen statt Erinnern. Das habe sich heute zum Glück gewandelt.

Viele Zeitzeugen gibt es inzwischen nicht mehr. Gerade deshalb ist es für Becker trotz seines hohen Alters eine Art Lebensaufgabe, durch die Republik zu reisen und Schülern von der NS-Zeit zu erzählen. „Die jungen Menschen heute sind sehr interessiert“, erkennt er an.

Tatsächlich wurden wohl kaum alle Fragen der Schüler beantwortet. Wie haben die Menschen hier in Moringen auf die Häftlinge reagiert? Wie lange hat es gedauert, bis Sie darüber reden konnten? All das in einer Schulstunde unterzubringen, war kaum möglich. Dennoch hat Becker sein Ziel erreicht: „Die Menschen sollen wissen, was die Nazis gemacht haben. Das darf nicht vergessen werden.“

Von Julia Schwekendiek und Anne-Lise Eriksen

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