Heike Müller-Otte im Interview

Moringens Bürgermeisterin zieht nach 100 Tagen Bilanz

Hat sich gut an das Bürgermeister-Leben gewöhnt: Heike Müller-Otte an ihrem Schreibtisch im Rathaus. Foto: Schwekendiek

Moringen. Mit einem Haushalt, der keine neuen Schulden aufweist, hat Heike Müller-Otte die erste große Aufgabe ihrer Amtszeit als Moringer Bürgermeisterin gemeistert.

Doch nicht nur das hatte sich die 47-Jährige für die ersten 100 Tage vorgenommen. Im Interview zieht sie Bilanz.

Frau Müller-Otte, ist das Bürgermeister-Leben so, wie Sie es sich vorgestellt haben? 

Heike Müller-Otte: Mir war von vornherein klar, dass der Anfang sehr anstrengend wird. Aber es war gut, sich keine zu genauen Vorstellungen zu machen, weil dann doch alles anders kommt. (Lacht.) Die ersten Wochen kamen mir wie ein Dauerlauf vor, da für mich die meisten Aufgabenfelder neu waren und ich mich erst einfinden musste. An Sitzungstagen habe ich zum Teil von 8.15 bis 22.30 Uhr gearbeitet. Erst als sich abzeichnete, dass es beim Haushalt eine Einigung geben wird, wurde es etwas ruhiger.

Haben Sie neben der Arbeit noch Zeit für Ihre Kinder und Ihren Mann? 

Müller-Otte: Die Familie musste ziemlich zurückstecken. Inzwischen haben sich die Arbeitszeiten aber etwas reduziert und ich hoffe, dass sie sich auf ein normales Maß einpendeln. Zu Hause haben sich alle darauf eingestellt, dass ich nicht mehr so präsent bin und wir finden andere Möglichkeiten, zum Beispiel in der Mittagspause gemeinsam etwas zu unternehmen.

Auf Ihrer Internetseite steht ein Neun-Punkte-Plan mit Zielen für die ersten 100 Tage. Was haben Sie schon erreicht? 

Müller-Otte: Zu fast allen Punkten hat es bereits erste Gespräche geben, zum Beispiel zur Idee, ein Jugendparlament in Zusammenarbeit mit der KGS einzurichten und eine Umweltwoche zu organisieren. Auch die neue Bürgersprechstunde donnerstags von 16 bis 18 Uhr haben schon einige Menschen genutzt. Die Mitarbeiter der Verwaltung und anderer städtischer Einrichtungen kenne ich inzwischen ebenfalls und auch der Sitzungsplan für das Jahr 2015 steht. Das Infoblättchen für Moringen benötigt dagegen noch etwas Vorarbeit.

Und wie steht es um den runden Tisch für Unternehmer und die Arbeitsgruppe Energiemanagement? 

Müller-Otte: Diese Themen stehen noch aus. Ich habe allerdings schon etliche Unternehmen besucht und plane für Anfang April eine Informationsveranstaltung zu Fördermöglichkeiten. In Anbetracht der aktuellen Flüchtlingssituation ist zunächst die Einrichtung eines runden Tisches für Migration und Integration geplant. Derzeit werden 14 Flüchtlinge in der Stadt ausschließlich von Ehrenamtlichen betreut, die wir gerne unterstützen wollen.

Gab es in stressigen Zeiten einen Moment, in dem Sie es bereut haben, als Bürgermeisterin angetreten zu sein?

Müller-Otte: Nein, daran habe ich keinen einzigen Moment gedacht.

Welches war der schönste Moment Ihrer Amtszeit? 

Müller-Otte: Die Vereidigung im Stadtrat war ein beeindruckender Moment, unter anderem weil so viele Gäste dabei waren. Bei der Weihnachtsfeier im Rathaus habe ich dann gemerkt, dass ich wirklich angekommen bin und mich sehr gut aufgenommen fühle. Außerdem finde ich es schön, wenn man in der Stadt unterwegs ist und mit Bürgern ins Gespräch kommt.

Sie wohnen in Wolbrechtshausen und damit außerhalb des Stadtgebiets. Spielt das eine Rolle bei Ihrer Arbeit? 

Müller-Otte: Der Blick von außen war für mich bisher eher von Vorteil. Da ich alte Uneinigkeiten, Vorurteile oder Ressentiments nicht kenne, konnte ich allen Menschen sehr offen begegnen.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus? 

Müller-Otte: Mir macht die Arbeit viel Spaß, auch wenn mir schnell klar wurde, dass der 100-Tage-Plan nicht vollständig zu schaffen ist. Überall, wo ich hingekommen bin, wurde ich sehr offen empfangen. Sogar bei der Brauergilde durfte ich als erste und bisher einzige Frau zu Gast sein.

Etwa 1725 Tage stehen in Ihrer Amtszeit noch bevor. Wo setzen Sie die Schwerpunkte? 

Müller-Otte: Mir ist wichtig, dass sich die Bürger an der Entwicklung ihrer Stadt beteiligen können und Entscheidungsprozesse nachvollziehbar sind. Mit zwei Einwohnerfragestunden bei den Sitzungen haben wir den ersten Schritt hin zu mehr Transparenz gemacht. Daran gilt es weiterzuarbeiten. (jus)

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