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Moringer Affen ziehen an die Müritz

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Von: Niko Mönkemeyer

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Zwei Kapuzineraffen in einem Gehege
Noch sind sie in Moringen zu Hause: Kapuzineraffe Kito (links) und sein Bruder Pedro werden demnächst zusammen mit acht weiteren Artgenossen im Tierpark Müritz leben. © Mönkemeyer, Niko

Almut und Joachim Heise verabschieden sich von ihren Kapuzineraffen.

Moringen – Vor elf Jahren erblickte der Kapuzineraffe Kito in Moringen das Licht der Welt. Dabei erging es ihm ebenso wie vielen seiner Artgenossen in freier Wildbahn, denn als Erstlingsgeburt wurde er von seiner Mutter nicht angenommen.

Damals mussten Almut und Joachim Heise, die seit nunmehr 50 Jahren in ihrem kleinen Privatzoo an der Saarstraße in Moringen unter anderem Kapuzineraffen gehalten und gezüchtet haben, als Zieheltern einspringen. An der Namensfindung für den kleinen Affen haben sich damals auch viele HNA-Leser beteiligt.

Inzwischen ist Kito ein erwachsener Affenmann, und für ihn und seine neun Artgenossen, mit denen er sich aktuell das Gehege im Garten von Ehepaar Heise teilt, stehen große Veränderungen bevor.

„Die Entscheidung, unsere Affen abzugeben, ist uns nicht leicht gefallen, aber wir werden ja nicht jünger, und die Haltung und Pflege von exotischen Tieren ist ein Fulltime-Job, der mit zunehmendem Alter einfach nicht mehr zu leisten ist“, sagt Joachim Heise.

Almut und Joacheim Heise stehen an einem Gehege und füttern einen Affen
Seit 50 Jahren halten und züchten Almut und Joachim Heise in ihrem Garten südamerikanische Haubenkapuziner. © Mönkemeyer, Niko

Bereits vor vier Jahren haben er und seine Frau damit begonnen, eine Bleibe für ihre „Kinder“ zu suchen, denn als solche empfinden Heises ihre Affen – insbesondere natürlich Kito, zu dem die beiden nach wie vor eine besonders enge Beziehung haben. Schließlich ist er nicht im Affengehege, sondern in ihrer Wohnung groß geworden, und die Tatsache, dass es dann gelang, ihn später in die Gruppe zu integrieren, zeigt, mit wie viel Sachverstand die beiden „Affeneltern“ ihre Tiere gepflegt haben.

Das sei am Anfang noch ganz anders gewesen, blickt Heise zurück. Als er sich vor 50 Jahren den ersten Affen gekauft habe, sei er mit völlig falschen Vorstellungen an die Sache herangegangen und habe viel Lehrgeld bezahlt. Mit dem Wissen von heute würde er das nicht noch einmal tun, und er rät allen, die sich mit dem Gedanken tragen, davon ab.

„Affen können nur in größeren Gruppen und in entsprechend großen Gehegen artgerecht gehalten werden“, betont Heise. Und das sei auch der Grund dafür, dass die Suche nach geeigneten Abnehmern für die Gruppe von zehn Kapuzineraffen so lange gedauert habe.

Affenbaby kuschelt mit einem Stoffaffen
Vor elf Jahren: Kito wurde mit der Hand aufgezogen und hatte zunächst einen Stoffaffen als Gefährten. © Mönkemeyer, Niko

Im Sommer des vergangenen Jahres habe es dann zunächst so ausgesehen, als bekämen die Tiere in der Wildtierhilfe in Soltau eine neue Bleibe. Letztlich scheiterte das aber an den hohen Auflagen für die Haltung von Affen und den damit verbundenen Kosten. Schließlich verschaffte ihnen aber der Direktor des Braunschweiger Zoos, der selbst keinen Platz für die Moringer Affen hatte, einen Kontakt zu Dirk Longino, der den Tiererlebnispark Müritz in der Nähe von Waren in Mecklenburg-Vorpommern betreibt. Und der hatte tatsächlich noch ein geeignetes Gehege frei.

„Wir haben uns das vor Ort angeschaut und waren total begeistert“, sagt Almut Heise und fügt hinzu, dass sich aus diesem ersten Kontakt inzwischen eine echte Freundschaft entwickelt habe.

Sobald es wärmer wird, werden Heises Affen umziehen und dann auf dem Gelände einer ehemaligen LPG zu Hause sein, wo früher Schweine und Kühe gehalten wurden. „Die Stallungen und anderen Einrichtungen wurden dort zu großzügigen Gehegen umgebaut, und unsere Affen werden dort doppelt so viel Platz haben wie bei uns“, freut sich Joachim Heise.

Dem Tag der Abreise ihrer Tiere sehen die beiden mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie gehen davon aus, dass es ein Weilchen dauern wird, bis sich sich an den Anblick des leeren Geheges gewöhnt haben, wenn sie ihren Garten betreten.

„Zum einen ist uns ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, dass wir unsere Tiere in gute Hände abgeben können“, so Almut Heise. „Auf der anderen Seite wird es aber auch eine große Umstellung für uns sein, denn die Affen haben schließlich 50 Jahre lang unseren Alltag bestimmt.“ (Niko Mönkemeyer)

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