Hochwasser im Landkreis Northeim

Serie Hochwasserschutz (5): Regenwasserrückhaltung und Überprüfungen in Moringen auf der Agenda

Die Moore kann bei Starkregen zu einem reißenden Gewässer werden und auch über die Ufer treten. Es handelt sich hierbei um ein Archivfoto, die gezeigte Brücke existiert nicht mehr.
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Die Moore kann bei Starkregen zu einem reißenden Gewässer werden und auch über die Ufer treten. Es handelt sich hierbei um ein Archivfoto, die gezeigte Brücke existiert nicht mehr.

Moringen hat in der Vergangenheit mehrfach Hochwasser erlebt, zuletzt 1998 und 2003. Hierbei floss das Wasser auch in mehreren Zentimetern Höhe über die Straßen ab, erinnert sich Bürgermeisterin Heike Müller-Otte.

Moringen – Die Verwaltung versuche sich so gut als möglich auf Starkregenereignisse vorzubereiten. So werden mindestens zweimal jährlich die Straßenabläufe geleert und gereinigt. Bedauerlicherweise würden die Straßenabläufe jedoch häufig auch als Auffangbehälter von Straßenkehricht genutzt, sodass die eingehängten Eimer voll seien und das Wasser nur noch bedingt abfließen ließen, kritisiert Müller-Otte.

Für Baugebiete werden Regenwasserrückhalteanlagen vorgeschrieben, die teilweise als Rückstaubecken oder unterirdische Rückstaukanäle hergestellt werden. Die Rückhalteanlagen sollen die Starkregenmengen von den versiegelten Flächen aufnehmen, um sie anschließend gedrosselt wieder in den Vorfluter abzugeben.

Ebenso üblich ist laut Müller-Otte inzwischen die dezentrale Regenwasserrückhaltung auf den einzelnen Baugrundstücken. Im Bebauungsplan sind dann für die privaten Grundstücke Zisternen oder Teichanlagen vorgeschrieben.

Hochwasserschutz in Moringen: Uferbereiche werden seitens der Anlieger für die Ablagerung von Strauch- und Rasenschnitt genutzt

Als weitere Vorsichtsmaßnahme hat die Stadt Moringen eine regelmäßige Reinigung der in den Gräben vor Verrohrungen eingebauten Schutzgitter in den Routinedienst des Bauhofpersonals aufgenommen. Dabei gehe es um die Beseitigung von eventuellen Anschwemmungen, die die Gitter verstopfen könnten. In der feuchten Jahreszeit erfolge diese Kontrolle auch an den Wochenenden.

Schlussendlich würden die Bachläufe in und um Moringen, die im Zuständigkeitsbereich der Stadt stehen alle zwei Jahre von den Büschen und Bäumen freigeschnitten, um auch so wieder für einen freien Abfluss zu sorgen.

Es falle jedoch auch hier auf, dass oftmals die Uferbereiche seitens der Anlieger für die Ablagerung von Strauch- und Rasenschnitt genutzt würden, was beim Hineinrutschen in das Bachbett zu Verstopfungen und Rückstau führen könne, so Müller-Otte.

Hochwasserschutz in Moringen: Kein technisches System ist in der Lage, einem Ereignis, wie es kürzlich im westlichen Deutschland geschehen ist, standzuhalten

Im Rahmen von Gewässerschauen würden die größeren Bäche in Moringen und Umgebung (Moore, Bölle und Dieße) von den Unterhaltungsverbänden ebenfalls regelmäßig begangen. Für die Unterhaltung der Bachläufe durch die Verbände zahle die Stadt Moringen laut Bürgermeisterin jährlich „einen nicht unerheblichen fünfstelligen Betrag“.

Bei allen erdenklichen und möglichen Vorbereitungen sei jedoch zu sagen, dass kein technisches System in der Lage sei, einem Ereignis, wie es kürzlich im westlichen Deutschland geschehen ist, standhalten zu können.

200 Liter pro Quadratmeter wie sie dort zum Teil in kurzer Zeit vom Himmel geregnet sind, entspräche, so Müller-Otte, circa einem Viertel der durchschnittlichen Jahresregenmenge in Moringen. Diese wird vom Deutschem Wetterdienst mit 769 Liter pro Quadratmeter angegeben. Die Serie Hochwasser wird bis kommenden Samstag (21.08.21) um jeweils 9 Uhr fortgesetzt. (Rosemarie Gerhardy)

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