Moringer schildert seine Eindrücke

Tränen und eine Trabi-Flut: Erinnerungen an die Grenzöffnung

Alfred Scholz

Moringen. Seine Erinnerungen sind so frisch, als wäre es gestern gewesen: Alfred Scholz hat die Öffnung der innerdeutschen Grenze vor 25 Jahren zwischen Walkenried und Zorge miterlebt. „Dort spielten sich Taschentuch-Szenen ab“, schildert er seine Eindrücke.

Scholz, der aus Schlesien stammt und nach der Vertreibung in Moringen ein neues Zuhause gefunden hat, war beruflich als Bewährungshelfer oft im Harz unterwegs. „Dort kannte ich mich gut aus, habe mich deswegen am 11. November in mein Auto gesetzt und bin nach Zorge gefahren.“

Dort sah er schon von weitem die von den Trabi-Auspuffgasen aufsteigende Dunstglocke. Die kleinen Kultautos der ehemaligen DDR kamen in Massen durch einen kleinen Durchlass im Grenzzaun und wurden auf der Westseite von vielen Schaulustigen freudig begrüßt. „Damals standen vielen die Freudentränen in den Augen. Es waren einfach sehr bewegende und unvergessliche Momente“, erinnert sich der 75-Jährige.

Er weiß noch genau, wie schwer es die Trabis hatten, den Grenzdurchlass zu erreichen, denn hinter dem Zaun war ja nur unbefestigtes Gelände. Viele seien in dem lockeren Boden stecken geblieben und mussten angeschoben werden.

Auch an einige Gespräche zwischen Männern des Bundesgrenzschutzes und den Volkspolizisten erinnert sich Scholz. Das ging zunächst immer hin und her, bis es den Vopos zuviel wurde. „Macht doch, was ihr wollt“, hat schließlich einer gesagt.

Aber das alles war nebensächlich. „Im Vordergrund stand die riesige Freude der Menschen diesseits und jenseits des Zauns über die geöffnete Grenze.“

Alfred Scholz war später für ein Jahr beruflich in Halle tätig, leistete dort Aufbauhilfe. (ajo)

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