Anspruch auf Betreuung verloren

Ungewollter Umzug: Für Colin (5) gibt es keinen Kita-Platz mehr

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Stehen vor verschlossenen Türen: Carina Wick mit Jamie, Pascal Wick und Colin vor dem evangelischen Kindergarten in Moringen. Dort war Colin bislang untergebracht.  

Moringen. Die Geschichte des fünfjährigen Colin ist für den Jungen und seine Eltern gleichermaßen traurig. Der Sohn der Familie Wick muss, bedingt durch einen ungewollten Umzug, seinen Kindergarten verlassen. Und das bereitet ihm wortwörtlich Bauchschmerzen.

Die Geschichte der jungen Familie Wick, dazu gehören auch Vater Pascal, Mutter Carina und der jüngste Nachwuchs Jamie, beginnt Ende 2015. Aus beruflichen Gründen ist die Familie nach Moringen gezogen. Colin hat im evangelischen Kindergarten einen Betreuungsplatz gefunden, der mit einer Ganztagsbetreuung ideal zu den Bedürfnissen von Familie Wick gepasst hat.

Colin gefiel der neue Kindergarten so gut, dass er große Entwicklungsschritte gemacht hat, wie seine Eltern erzählen. Früher war noch eine Frühförderung im Gespräch – jetzt war der Fünfjährige gleichauf mit seinen Freunden im Kindergarten.

Einen großen Einschnitt gab es in diesem Jahr. Die Familie musste zu August ihre Bleibe in der Weperstadt wegen Eigenbedarfsanmeldung räumen. „Wir suchen bis heute noch nach einer Wohnung in Moringen. Weil wir bislang nichts finden konnten, mussten wir nach Gladebeck umziehen“, berichtet Carina Wick.

Den Kindergartenplatz in Moringen konnten sie aber nicht behalten. Weder im evangelischen, noch im städtischen Kindergarten kann Colin unterkommen. „Leider konnte ich im Fall von Frau Wick keine zufriedenstellende Lösung finden, da wir hier in Moringen nur Kinder aus der eigenen Kommune aufnehmen können und an unsere Vergabekriterien gebunden sind, da wir kein Überangebot an Plätzen haben“, argumentiert Bürgermeisterin Heike Müller-Otte auf HNA-Anfrage. Für die junge Familie ist diese Argumentation unschlüssig, da sie aktuell noch aktiv auf Wohnungssuche sei. „Gladebeck ist nur eine vorübergehende Notlösung“, sagt Carina Wick.

Helfen kann auch der Kirchenkreis Leine-Solling nicht. Nach Rücksprache mit der Stadt Moringen, die für die Erfüllung des Rechtsanspruchs verantwortlich ist, könne aufgrund der aktuellen Vollauslastung und der darüber hinausgehenden Platznachfrage Colins Platz nicht erhalten werden, heißt es auf Anfrage der HNA.

Deshalb ist Colin, der bislang dachte, der Kindergarten mache noch Ferien, in Hardegsen untergekommen – ohne Ganztagsbetreuung. Das geht noch, da Carina Wick aktuell in Elternzeit ist, aber ab Mai wieder arbeiten muss. Ihre auf die Ganztagsbetreuung abgestimmten Arbeitszeiten stellt die Familie dann vor eine neue Herausforderung.

„Es hat mir das Herz zerrissen, als Colin seine Freunde durch Moringen laufen sehen hat, er aber nicht mehr dabei sein kann“, sagt der junge Vater. „Wo ist da das Wohl der Kinder geblieben?“, fragt sich Pascal Wick. Insbesondere die Argumentation der Stadt Moringen, dass weder auf „pädagogische Gründe noch auf bestehende Freundschaften“ Rücksicht genommen werden könne, trifft ihn – und Colin.

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