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Erstes Treffen für Helfer und Geflüchtete an der Moringer Liebfrauenkirche

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Von: Hans-Peter Niesen

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Begrüßung vor der Kirche: Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte und Pastor Jan Höffker heißen die Gäste vor der Liebfrauenkirche in Moringen willkommen.
Begrüßung vor der Kirche: Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte und Pastor Jan Höffker heißen die Gäste vor der Liebfrauenkirche in Moringen willkommen. © Niesen, Hans-Peter

Mit einer Vielzahl von kleinen und größeren Projekten ist in der Stadt Moringen eine Welle der Hilfsbereitschaft für die zurzeit rund 100 Flüchtlinge aus der Ukraine angerollt. Die Geflüchteten, überwiegend Frauen und Kinder, kommen meist aus Kiew und Charkiw.

Moringen – Über private Netzwerke haben sie rund um die Weper Zuflucht vor dem russischen Angriffskrieg in ihrer Heimat gefunden.

Jetzt gab es das erste Montagscafé wegen des schönen Wetters nicht in, sondern vor der Liebfrauenkirche. Rund 50 Deutsche, Ukrainer und Syrer trafen dort zusammen. Die Menschen aus Syrien kamen 2015/2016 auf der Flucht vor dem Krieg nach Moringen und wollen jetzt ihrerseits Hilfe leisten.

Migrationsberater Maximilian Schälicker-Dusanek vom Northeimer Café Dialog beantwortete Fragen, wie die Geflüchteten ihr Ankommen am besten gestalten können.

Sehr dringend wird Wohnraum benötigt. Der Bedarf reicht von kleinen Wohnungen bis zu Häusern. Nach den Worten der in Moringen aufgewachsenen Nadine Bierwirth, die mit ihrem ukrainischen Mann Fedor auch dort wohnt und eine der Anlaufstellen ist, leben einige der Geflüchteten in sehr beengten Verhältnissen.

Nadine Bierwirth Helferin in Moringen
Nadine Bierwirth Helferin in Moringen © Niesen, Hans-Peter

So habe eine baptistische Familie mit neun Kinder eine andere Familie aufgenommen, die elf Kinder mitgebracht hat. „Für diese Familie wäre ein Haus das Richtige“, sagt Nadine Bierwirth.

Nicht ganz so krass ist das Beispiel einer anderen, sechs Mitglieder zählenden Familie: Sie hat erst einmal in einer Zwei-Zimmer-Wohnung eine Bleibe gefunden. „Ganz viele leben bei Familien ohne eine abgeschlossene Wohnung – nichts auf Dauer“, so Bierwirth weiter.

Zweite große Baustelle ist die Versorgung mit Bargeld. Die ukrainische Währung Griwna wird derzeit nicht getauscht. Kreditkarten wie Master- und Visacard funktionieren nur, wenn die ausgebende Bank in der Ukraine noch erreichbar ist, sagte Gernot Bollerhei, Pressesprecher der Kreis-Sparkasse Northeim.

Bis die Ersthilfe vom Staat nach der Registrierung läuft, vergehen zurzeit etwa zwei Wochen. Wenn die Zahl der Geflüchteten wächst, könnte sich dieser Zeitraum auch noch vergrößern. Das heißt, in diesem Zeitraum verfügen viele Menschen über kein Bargeld.

Außerdem brauchen die Menschen ohnehin künftig ein Bankkonto. Derzeit sind bei der Kreis-Sparkasse Northeim allerdings erst etwa 40 Konten eröffnet worden, sagte KSN-Sprecher Bollerhei auf Anfrage. Pastor Jan Höffker, der zusammen mit Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte die Gäste beim Montagscafé begrüßt hatte, richtet zurzeit beim Kirchenkreisamt ein extra Spendenkonto „Flüchtlingskonto Ukraine“ ein.

Außerdem soll ein Regelwerk erstellt werden, nach welchen Kriterien die hoffentlich vielen Spenden verteilt werden. Dabei geht es um Ersthilfe und Unterstützung im Alltag.

Laut Bürgermeisterin Müller-Otto gebe es auch weiteren Handlungsbedarf bei der Schul- und Kitaversorgung der Kinder, bei dem Angebot von Deutschkursen und auch bei der Eröffnung eines Ladens, in dem sich die Menschen, die oft mit nicht viel in der Hand hier angekommen sind, mit gespendeter Kleidung und anderen Dingen versorgen können.

Die Räume für einen solchen Laden hat bereits Adolf Barnkothe zur Verfügung gestellt, der in Moringen eine alteingesessene Tischlerei betreibt.

Der Laden befindet sich an der Neuen Straße gleich neben dem früheren Schreibwarengeschäft Paeslack. Das Geschäft wird zurzeit hergerichtet und soll voraussichtlich Anfang kommender Woche eröffnen. „Wir können auf bereits vorhandene Strukturen zurückgreifen“, freute sich die Vorsitzende der Moringer Kolpingfamilie, Sylvia Timpe, angesichts der Welle der Hilfsbereitschaft in Moringen. (Hans-Peter Niesen)

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