Gutachten empfiehlt Abzug aus Northeim und Neubau

Zentrale der Kreisabfallwirtschaft Northeim bald nach Moringen?

Der mögliche neue Standort in Moringen: Auf dem Bereich unterhalb der Baustoffhandlung Bierkamp im Baugebiet Fühlingsberg (vorn im Bild) könnte die neue Zentrale der Kreisabfallwirtschaft entstehen.
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Das Gewerbegebiet Fühlingsberg in Moringen: Möglicher neuer Standort für die Zentrale der Kreisabfallwirtschaft Northeim. Auf dem Bereich unterhalb der Baustoffhandlung Bierkamp im Baugebiet Fühlingsberg (vorn im Bild) könnte die neue Zentrale entstehen.

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Stadt Moringen Sitz der neuen Zentrale der Kreisabfallwirtschaft Northeim (KAW) mit dem Kreisgaragenhof werden könnte.

Northeim - Das wurde jetzt bei der Vorstellung eines Standortgutachtens im Abfallwirtschaftsausschuss deutlich. Eine Vorentscheidung über den Neubau in einer Größenordnung von rund 8,5 Millionen Euro soll dann in der nächsten Sitzung dieses Gremiums am 10. November fallen, wenn sich die Fraktionen des Kreistags beraten haben.

Für Moringen wäre es ein Riesengewinn, denn mit der KAW sind 100 Arbeitsplätze verbunden, für die Stadt Northeim ein Verlust, wenn der Betriebshof abwandert.

Dass der vor 53 Jahren gebaute Betriebshof in Northeim in die Jahre gekommen, sanierungsbedürftig und die Garagen für die immer größer gewordenen Müllautos inzwischen zu klein sind, bestreitet niemand. Doch den richtigen Standort zu finden ist nicht einfach, weil mit ihm bestimmte Voraussetzungen verbunden sind.

Das Grundstück für den Neubau muss mindestens 10 000 Quadratmeter groß sein, am besten quadratisch und kein lang gestrecktes Rechteck sein, Erweiterungsmöglichkeiten bieten, und es muss möglichst zentral im Landkreis liegen. Wünschenswert für eine rasche Umsetzung sind zudem ein vorhandener Flächennutzungs- und Bebauungsplan, um Kosten und Zeitaufwand beim Neubau zu begrenzen.

Diplom-Ingenieur Markus Gieske, Gutachter des Ahlener Instituts für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management, hat im Auftrag des Landkreises sechs Standorte untersucht und die Ergebnisse im Ausschuss vorgestellt.

Gewinner mit der „Schulnote“ 1,7 ist das Baugebiet Frühlingsberg an der Bundesstraße 241 in Moringen. Es liegt neben dem bestehenden Baustoff-Fachhandel Bierkamp, der zur in Höxter ansässigen VR-Bank in Südniedersachsen gehört. Auf Platz zwei landete das Grundstück gegenüber der Kreisabfall-Deponie in der Moringer Ortschaft Blankenhagen mit einer 2,0. Knapp dahinter rangiert Hardegsen-Nordost (2,1), ein Areal neben dem Sägewerk Holz-Müller.

Kritik aus der Belegschaft

Starke Bedenken gegen einen Abzug des Betriebshofs aus Northeim kommen aus der Belegschaft. Der Vorsitzende des Abfallwirtschaftsausschusses, Werner Thiele (CDU), berichtete, dass die Erreichbarkeit von Moringen, der Wegfall der Laufkundschaft, die langsamere Versorgung mit Ersatzteilen und die Schließung der Deponie in Blankenhagen 2043 als Hinderungsgründe genannt worden seien. Personalratsvertreterin Petra Schmalle: „Nicht alle sind begeistert.“ 

Weitere Standorte betrachtet

Auf den weiteren Rängen nach den ersten drei Podestplätzen im jetzt vorgestellten Gutachten zum neuen Standort der Kreisabfallwirtschafts-Zentrale landete Hardegsen Südost im Bereich der Kreuzung der Bundesstraßen 241 und 446 (Schulnote: 2,4) und Lütgenrode im Bereich von „beckers bester“ (2,7). Abgeschlagen auf dem sechsten und letzten Rang platzierte sich Northeim mit einem Grundstück hinter dem Auto-Badeland (3,2).

Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD), der als Zuschauer die Präsentation des Gutachters verfolgte, war enttäuscht. Ausschussmitglied Ludwig Binnewies (SPD, Höckelheim) hinterfragte denn auch, ebenso wie Johannes Antpöhler (Grüne, Heckenbeck), die Gewichtung von 50 Prozent bei der Beurteilung des Wegfalls beziehungsweise der Reduzierung der letzten, leeren Rückfahrt von der Deponie zum gegenwärtigen Betriebshof in Northeim.

Gutachter Markus Gieske hat die Jahresersparnis der Leerfahrten im Falle eines neuen Standorts direkt an der Deponie in Blankenhagen mit rund 226 000 Euro beziffert. Für den Standort Kernstadt Moringen immerhin noch mit 207 000 Euro.

Northeim am teuersten

Mit einigen anderen Parametern verrechnet – wie beispielsweise Abschreibungen – sei die Kernstadt Moringen schließlich mit 60 000 Euro Kosten jährlich am wirtschaftlichsten, gefolgt von Blankenhagen mit 85 000 Euro. Northeim, wo auch ein Neubau denkbar wäre, wäre mit 243 000 Euro am teuersten.

Der Ausschuss war sich einig, dass der Gutachter noch einmal seine Berechnungen überprüfen solle. Die Ergebnisse würden dem Protokoll beigefügt, sagte Ausschussvorsitzender Werner Thiele (CDU, Wolbrechtshausen).

Ausschussmitglied Claus Stumpe (SPD, Großenrode), zugleich Bauamtsleiter der Stadt Moringen, begrüßte das Ergebnis des Gutachtens. „Wir werden jegliche Hilfestellung geben.“ Zur Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr sagte er, Moringen werde schließlich von fünf Buslinien angefahren, zudem habe die Stadt den Antrag bei der Bahn gestellt, in Moringen einen Haltepunkt an der Linie von Northeim nach Bodenfelde einzurichten.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel brachte die Einrichtung eines Shuttles für Mitarbeiter der Kreisabfallwirtschaft ins Gespräch, um von Northeim nach Moringen zu gelangen.

(von Hans-Peter Niesen)

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