Brandserie: Hochbetrieb in den Feuerwehr-Technischen Zentralen

Einbeck: Feuerwehren sind im Dauerstress

 Sascha Böker, Mitarbeiter der Feuerwehr-Technischen Zentrale in Einbeck und stellvertretender Stadtbrandmeister, verlädt Schläuche
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Herr der Schläuche: Sascha Böker, Mitarbeiter der Feuerwehr-Technischen Zentrale in Einbeck und stellvertretender Stadtbrandmeister, sorgt für Nachschub.

„Retten, löschen, bergen, schützen“ – das sind die wichtigsten Aufgaben der Feuerwehr. Die Wehren im Raum Einbeck müssen derzeit jedoch ungewöhnlich viel Zeit für andere Tätigkeiten aufbringen: „Waschen, prüfen, trocknen“ ist zur Daueraufgabe in den Feuerwehrtechnischen Zentralen des Kreisfeuerwehrverbandes Northeim geworden.

Grund sind die vielen Brandstiftungen, die die Feuerwehren seit Anfang Juli regelmäßig in Atem halten. Doch nicht nur das Löschen, auch die Nachbereitung kostet viel Zeit und Kraft.

Nach jedem Einsatz müssen die Feuerwehrleute die Atemschutzgeräte wieder einsatzbereit machen, Schläuche reinigen, trocknen und auf eventuelle Schäden überprüfen und jede Menge Schutzanzüge waschen. Nicht nur die Feuerwehrleute, auch die Waschmaschinen sind ständig am Rotieren.

An diesem Mittwoch haben die Wehren besonders viel Schlauchmaterial gebraucht. Morgens um 9 Uhr brannte es an zwei Stellen gleichzeitig. In der Nähe von Stöckheim sowie zwischen den Ortschaften Ippensen und Greene standen zwei große Strohballenlager in Flammen.

Die Polizei geht auch hier von Brandstiftung aus. Wer immer die Feuer gelegt hat, hat es den Feuerwehrleuten schwer gemacht: Aufgrund der Örtlichkeiten mussten sie das Löschwasser über eine sehr lange Wegstrecke befördern. „Bei dem Brand bei Greene mussten wir mehr als 5000 Meter Schläuche legen“, erzählt Einbecks stellvertretender Stadtbrandmeister Sascha Böker.

Böker war selbst bei dem Einsatz dabei gewesen, am Tag darauf kümmert er sich mit weiteren Helfern in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Einbeck darum, dass alles Material schnellstmöglich wieder einsatzbereit ist.

Da diesmal die Feuerwehrzentralen in Bad Gandersheim und Northeim den Großteil der Schläuche übernommen haben, müssen die Einbecker ihre Trocknungsmaschine nicht wie sonst im Dauerbetrieb laufen lassen. „Einen Schlauch zu trocknen, dauert sieben bis zehn Minuten“, erklärt Böker.

Zu tun gibt es trotzdem mehr als genug. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lüthorst kommen vorbei, um ihr Schlauchmaterial aufzufüllen und ihr Spezialfahrzeug zu waschen.

Die Ortswehr des kleinen Dorfes am Solling hat vor kurzem als eine von bundesweit rund 300 Wehren ein sogenanntes Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz bekommen. Am Mittwoch wurde es eingesetzt, um die gewaltigen Berge von brennenden Strohballen zu löschen.

„Für die Feuerwehrleute ist dieser Dauerstress eine enorme Belastung“, sagt Einbecks Stadtbrandmeister Lars Lachstädter. „Seit Beginn der Brandserie hat man eigentlich keinen ruhigen Abend mehr, weil man immer unter Strom steht.“ Nicht nur die psychische Belastung sei hoch, meint auch Feuerwehr-Vize Sascha Böker:.„Ich krieg den Muskelkater aus den Beinen schon gar nicht mehr weg.“

Obwohl die freiwilligen Helfer nahe am Ende ihrer Kräfte seien, sei die Motivation weiterhin groß, sagt Böker. „Wir kriegen den, der gewinnt nicht“, heiße es immer wieder unter den Feuerwehrleuten. Stadtbrandmeister Lachstädter rätselt über das Motiv: „Warum macht er das? Was hat er gegen uns?“

Auch die Polizei hat bislang mehr Fragen als Antworten: Ist es immer derselbe Täter oder dieselbe Täterin? Stecken mehrere Menschen dahinter? All dies ist völlig unklar.

Sascha Böker kann den vielen Einsätzen aber auch etwas Positives abgewinnen: „Das hat uns ganz schön zusammengeschweißt.“ Dies sei nicht nur innerhalb der Feuerwehr zu beobachten, sondern auch im Zusammenspiel mit den anderen Hilfsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz oder den Johannitern.

Laut Kreisbrandmeister Marko de Klein habe sich ein neues THW-Gesetz, das der Bundestag erst vor wenigen Wochen verabschiedet habe, als sehr hilfreich erwiesen. Bislang habe man für THW-Einsätze Rechnungen schreiben und die Kostenübernahme abklären müssen, jetzt könnten die Helfer kostenfrei angefordert werden.

„Das hilft uns in der aktuellen Brandserie massiv.“ Das THW unterstütze die Wehren nicht nur mit schwerem Gerät wie Rad- und Teleskopladern, sondern auch beim Wassertransport und der Ausleuchtung der Einsatzstellen.

Die Einbecker Feuerwehrleute bekommen auch von anderen Stellen viel Anerkennung und Unterstützung. Geschäfts- und Privatleute hätten beispielsweise Getränke und Verpflegung gespendet, sagt Stadtbrandmeister Lachstädter.

Neulich kamen Eltern mit Kindern vorbei, um Großpackungen mit Müsliriegeln abzugeben - damit die Feuerwehrleute bei Kräften bleiben.

Von Heidi Niemann

Machen ihr Einsatzfahrzeug nach dem Löscheinsatz wieder startklar: Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Lüthorst.

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