Prozess um Einbecker Brandserie

Mutter bestätigte: Der mutmaßliche Täter steckte in einer Lebenskrise

Justitia-Figur vor strahlend blauem Himmel
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(Symbolbild)

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Serienbrandstifter von Einbeck hat am Mittwoch die Mutter des Angeklagten vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt.

Einbeck / Göttingen – Die Schilderungen der 51-Jährigen deckten sich in vielen Punkten mit den Angaben, die der 24-jährige Sohn gemacht hatte. Demnach steckte ihr Sohn im vergangenen Jahr in einer tiefen Krise, aus der er offenbar nicht mehr herausfand.

Früher habe er sich, wenn es Stress- und Konfliktsituationen gab, beim Radfahren seinen Frust abreagiert, sagte die Mutter. Sie stelle sich die Frage, warum er sich im vergangenen Jahr offenbar ein anderes Ventil gesucht habe: „Ich hatte angenommen wegen meinem Ex-Mann, aber ich weiß es nicht.“

Der Angeklagte hatte am ersten Prozesstag geschildert, wie sehr er unter dem familiären Konflikt nach der Trennung seiner Eltern 2013 gelitten habe. Die Mutter war damals aus dem gemeinsam bewohnten Haus in Salzderhelden ausgezogen. Sie habe die Kinder bei ihrem Mann gelassen, weil diese noch in der Ausbildung waren, sagte sie.

Ihr Mann habe dann jedoch angefangen, „scharf zu schießen“, und jeglichen Kontakt zu den Kindern unterbunden. Er habe ihre Telefonnummer gesperrt: Die Postkarten, die sie ihrem Sohn geschickt habe, seien nie angekommen. Ihr Sohn sei bestrebt gewesen, seinem Vater zu gefallen, der sich stark in der Feuerwehr engagiere.

Vier Jahre nach der Trennung sei ihr Sohn von zu Hause abgehauen und bei ihr aufgetaucht. Er habe Schulden gehabt. Gemeinsam mit ihrem neuen Partner habe sie ihm Geld vorgestreckt, damit er diese begleichen konnte. Der 24-Jährige habe innerhalb eines Jahres alles abgearbeitet und zurückgezahlt. Ihr Ex-Mann habe auf den Wegzug seines Sohnes mit einem Hausverbot für ihn reagiert.

Anfang 2020 sei ihr Sohn dann am Boden zerstört gewesen, weil seine damalige Freundin ihn verlassen hatte. „Er hat geweint wie ein Schlosshund.“

Im Juli habe sich dann sein Vermieter bei ihnen gemeldet und mitgeteilt, dass ihr Sohn seit drei Monaten keine Miete mehr gezahlt habe. Als sie den 24-Jährigen daraufhin zur Rede stellte und fragte, wie lange er das so weitergemacht hätte, habe er gesagt: „Bis es gar nicht mehr ging, und dann hätte ich mir das Leben genommen.“ Später sei er noch einmal mit einem neuen Auto kurz an ihrem Geburtstag aufgetaucht. Sie habe ihn kaum erkannt, sagte die Mutter. „Sein Blick war wie versteinert.“  (pid)

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