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Nahwärmenetz für die Altstadt: Untersuchungsergebnisse zum Energetischen Quartierskonzept

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Untersuchungsergebnis: Zur Wärmeversorgung der Moringer Altstadt könnte ein Nahwärmenetz ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sein. ARchi
Untersuchungsergebnis: Zur Wärmeversorgung der Moringer Altstadt könnte ein Nahwärmenetz ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sein. Archivfoto © Axel Göedecke

Die Untersuchungen zum Integrierten Energetischen Quartierskonzept (IEQK) zeigen wenig erfreuliche Ergebnisse für die Stadt Moringen. Ein Nähwärmenetz könnte die Lösung sein.

Moringen – Die Ergebnisse der Untersuchungen zum Integrierten Energetischen Quartierskonzept (IEQK) hat Volker Broekmans, Leiter Zukunft Quartier/Klima/Energie, des mit der Erarbeitung beauftragten Büros DKS im städtischen Bauausschuss vorgestellt. Die Bilanz des Ist-Zustandes im untersuchten Gebiet von Stadtkern und Oberdorf fiel ernüchternd aus.

„Aus energetischer Sicht müsste man nicht nur in Moringen, sondern auch in anderen Orten, alle vor 2015 gebauten Häuser abreißen“, spitzte es Broekmans zu. Selbst ein noch so gut sanierter Altbau würde energetisch nie an einen Neubau herankommen. Allein rund 27 000 MWh (Megawattstunden) würden pro Jahr für Wärme im Quartier verbraucht. Davon würden rund 74 Prozent mit Erdgas erzeugt. Der Bedarf für Strom liegt bei circa 4200 MWh. Die CO2-Emission pro Kopf betrage rund vier Tonnen, insgesamt seien es im Durchschnitt rund 8900 Tonnen pro Jahr.

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung, der vorschreibe, dass alle Gebäude in Deutschland dann nahezu klimaneutral sein sollen – das heißt, dass deren Energie nur noch aus erneuerbaren Energien bezogen werden soll – aber auch die rapide ansteigenden Energiekosten zeigten einen akuten Handlungsbedarf auf. Broekmans geht davon aus, dass eine Familie im Einfamilienhaus, die im Januar 2022 noch rund 3400 Euro im Jahr für Heizkosten ausgegeben habe, im Januar 2023 für die gleiche Leistung rund 14 000 bis 18 000 Euro bezahlen muss.

Doch der zertifizierte Energieauditor hat in seinem 187-seitigem Konzept, das auf der Homepage der Stadt nachzulesen ist, auch Lösungsvorschläge parat. Ein Abreißen der Häuser sieht das natürlich nicht vor, sondern es weist verschiedenen Möglichkeiten und Förderungen weiterer energetischer Sanierungen von Gebäuden auf.

Großes Interesse bei den Bürgern

Ein wesentlicher Vorschlag ist, ein Nahwärmenetz im Altstadtbereich aufzubauen. Hier hätten sich rund 80 Prozent der Befragten im betroffenen Gebiet bereit erklärt, sich einem solchen Netz, sollte es denn kommen, anzuschließen. Das sei schon mal eine gute Ausgangsbasis, so Broekmans, denn die Anzahl der Wärmeabnehmer beziehungsweise der angeschlossenen Gebäude, die zugleich die Höhe des Wärmeabsatzes bedingt, sei wie auch die Wärmedichte im Altstadtgebiet maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit des Netzbetriebes.

Ein Investment von acht bis zehn Millionen Euro in den Nahwärmenetzausbau sei erforderlich. Doch auch hier gebe es entsprechende Fördergelder des Bundes.

Ein erstes Gespräch mit den Stadtwerken Leine-Solling habe auch schon stattgefunden. Diese könnten sich wohl vorstellen, in diesem für sie neuen Geschäftsfeld mitzuwirken, so Broekmans.

Als sehr optimistische Zeitschiene gibt er etwas provokant an, dass sich Moringen bis Ende 2023 final entscheiden könnte, was, wo und wer das Nahwärmenetz betreibt. Dann könne 2024 der Bau beginnen und 2025 die ersten Anwohner ans Nahwärmenetz gehen. Die Nahwärme mache aber nicht im ganzen Quartier wirtschaftlich Sinn, hier müssten auch andere Möglichkeiten wie Energiegewinnung aus Biomasse und Solar hinzugezogen werden.

Im Quartier untersucht wurde von der DSK seit September 2021 eine Fläche von 104 Hektar mit 599 Hauptgebäuden, davon sind 557 Wohngebäude. Neben Vorschlägen zur klimaneutralen Wärmeerzeugung sind im Konzept auch die Handlungsbereiche Mobilität, Klimaanpassung und Siedlungsstruktur analysiert worden. Die DSK wurde laut Müller-Otte auch schon vom Verwaltungsausschuss mit dem Sanierungsmanagement, beauftragt, um Bürger und Stadt zu beraten. Jetzt gelte es, zu entscheiden, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen.

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