Neuauflage von „Mein Kampf“ in der Region vergriffen

Erstauflage bereits vergriffen: Die Anfang Januar erschienene kommentierte Version von Hitlers „Mein Kampf“ ist derzeit in der Region nicht erhältlich. Foto: dpa

Northeim/Uslar. Die im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte erstellte kommentierte Neuauflage von Hitlers „Mein Kampf“ ist derzeit nicht in den Buchhandlungen der Region erhältlich.

Grund dafür ist, dass es für die lediglich 4000 Exemplare der Erstauflage schon vor dem Erscheinen etwa 15.000 Vorbestellungen gegeben hat.

„Wir hatten ungefähr zehn Vorbestellungen“, sagt Julia Brodel von der Buchhandlung Papierus in Northeim. Doch bislang sei noch kein einziges Exemplar geliefert worden. Sie geht davon aus, dass sich die interessierten Kunden weiterhin gedulden müssen.

Nach Auskunft von Inhaber Tobias Janus gab es in der Northeimer Buchhandlung Grimpe bislang keine konkreten Anfragen für das 59 Euro teure Buch. Er plant auch nicht, es auf Lager zu legen, wenn die nächste Auflage erhältlich ist. „Aber selbstverständlich werden wir das Buch auf Nachfrage für interessierte Kunden bestellen.“

Die Nachfrage in der Uslarer Buchhandlung ist ebenfalls verhalten. Hier seien bisher lediglich zwei Vorbestellungen eingegangen, hieß es auf HNA-Anfrage.

Möglicherweise wird die kommentierte Neuauflage künftig auch im Geschichtsunterricht an den Schulen eingesetzt. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte sich im Dezember dafür ausgesprochen, weil damit eine wissenschaftlich fundierte Einordnung zur Verfügung stehe und die Aussagen Hitlers nicht unwidersprochen blieben.

Dass das Buch kurzfristig am Northeimer Gymnasium Corvinianum im Unterricht Verwendung finden wird, kann sich Schulleiter Christoph Dönges nicht vorstellen, weil die Lehrpläne für die Abiturprüfungen bis 2018 bereits feststünden. Letztendlich werde aber die Fachkonferenz darüber entscheiden, ob das Buch eingesetzt wird.

Am Gymnasium Uslar wird nach Auskunft von Schulleiter Dr. Hermann Weinreis hingegen schon geplant, die kommentierte Version von „Mein Kampf“ im Unterricht zu verwenden. Zu bestimmten Unterrichtszwecken seien die darin enthaltenen Texte aus dem Original schon verwendet worden, um zu verdeutlichen, „wie schlimm dieses Gedankengut war“.

Hintergrund: Urheberrechte erloschen

Der erste Band der politisch-ideologischen Programmschrift erschien am 18. Juli 1925, der zweite Band am 11. Dezember 1926. Vor allem der erste Band wurde bis 1932 in der Weimarer Republik zu einem viel diskutierten Bestseller. Später wurden beide Bände in einem zusammengefasst. Der Neudruck des Buches war vor dem 1. Januar 2016 in Deutschland unzulässig, da das Land Bayern als Inhaber des Urheberrechts jeglichen Nachdruck untersagt hatte. Nach Erlöschen der Urheberrechte erschien die kommentierte Fassung am 8. Januar 2016 als zweibändiges Werk mit einer Erstauflage von 4000 Stück und war sofort vergriffen.

Von Niko Mönkemeyer und Frank Schneider

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