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Neue Schauburg feiert Jubiläum

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Von: Fabian Diekmann

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Kinobetreiber Torben Scheller vor der denkmalgeschützten Außenfassade der Neuen Schauburg.
Kinobetreiber Torben Scheller vor der denkmalgeschützten Außenfassade der Neuen Schauburg. © Fabian Diekmann

Am 27. Januar 1923 öffnete die Neue Schauburg in Northeim als Northeimer Lichtspiele ihre Tore. Der Name änderte sich, der Charme blieb. Jetzt feiert das Traditionskino 100-jähriges Jubiläum.

Northeim – Wenn Schauburg-Betreiber Torben Scheller an ein prägendes Ereignis in seinem Leben denkt, sind es die Sommerferien als er zehn oder elf Jahre alt war: Er ist auf dem Land groß geworden und hatte kaum Verbindung zum Kino. An einem verregneten Nachmittag ging er mit einem Freund und dessen Mutter dorthin und war sofort von der Atmosphäre im Saal fasziniert, wie er sagt.

Als es dann um die Berufswahl ging, war ihm schnell klar, dass er mit Kino sein Geld verdienen wollte. Über einen Posten beim Kinobüro Niedersachsen, in dem er Konzepte entwickelte, die kleinen Kinos bei der Behauptung gegen neu aufgekommene Multiplexe helfen sollten, wurde er schließlich Besitzer mehrerer Kinos.

Die Northeimer Schauburg übernahm er im Jahr 1997. Scheller erinnert sich noch gut an die erste Führung durch das traditionsreiche Kino: „In der Wohnung der früheren Betreiber über dem Kino kam es mir vor wie im Museum. Die waren schon etwas länger verstorben, aber der Morgenmantel der Betreiberin hing noch dort, als ob sie jeden Moment zurückkommt.“

Die Northeimer Lichtspiele im Jahr 1924.
Die Northeimer Lichtspiele im Jahr 1924. © Neue Schauburg/NH

Die Geschichte der Schauburg begann im Jahr 1923. Damals gab es in dem Gebäude die Gaststätte „Zur Altdeutschen“. Der Besitzer, Fritz Krüger, eröffnete in seinem Saal die Northeimer Lichtspiele, ein Stummfilmkino mit 165 Plätzen. Nachdem diese zuerst noch mit Klavier begleitet wurden, zeigte das Lichtspielhaus ab 1930 auch Tonfilme.

Im Jahr 1936 wurde aus dem Kinosaal die Schauburg. Nun mit Platz für 500 Filmliebhaber, kamen über die Jahre Neuerungen wie eine Breitwand oder das Kassenhaus hinzu, das bis heute im Foyer des Kinos zu finden ist.

Das traditionelle Kassenhaus mit Trumpf-Raute in der Neuen Schauburg.
Das traditionelle Kassenhaus mit Trumpf-Raute in der Neuen Schauburg. © Fabian Diekmann

Filmpremieren wie für den in der Northeimer Umgebung gedrehten „Tausend rote Rosen blühn“ lockten laut Scheller Filmstars wie Zarah Leander oder Charlie Chaplin jr. nach Northeim. Doch die Kinokrise ab den 1970er-Jahren, die die zwei anderen Northeimer Kinos Capitol und Central nicht überlebten, war auch für die Schauburg schwierig.

Kurz vor der Jahrtausendwende übernahm Torben Scheller schließlich das Kino. Er denkt schmunzelnd an die Vorstellung der „Rocky Horror Picture Show“ zurück, nach der sich die Zuschauer vor der Renovierung der Schauburg Teile des Mobiliars mitnehmen konnten. „Ich habe mir auch einen Stuhl gesichert. Der steht bei mir zu Hause und den gebe ich auch nicht her“, erzählt Scheller mit einem Lachen.

Der große Saal der Schauburg wie er von 1952 bis 1997 aussah.
Der große Saal der Schauburg wie er von 1952 bis 1997 aussah. © Neue Schauburg/NH

Wenn er über die größte Änderung in der Kinolandschaft seit seiner Übernahme der Schauburg nachdenkt, benennt Scheller die Digitalisierung. Nach der Wiedereröffnung einige Monate später mit französischen Luxussesseln im großen Kinosaal, beaufsichtigte der Kinobetreiber den Übergang vom 35mm-Film hin zur 3-D-fähigen digitalen Projektion.

Trotz aller Neuerungen sagt er stolz, dass die Schauburg auch weiterhin einen Projektor besitzt, mit dem alte Filmrollen abgespielt werden können. Bis vor einigen Jahren war das die Praxis bei der alljährlichen Vorführung der „Feuerzangenbowle“. Dann sei es jedoch dazu gekommen, dass beim Tauschen der Filmrollen eine vergessen wurde, sodass der Film kürzer war. Scheller denkt zwar lachend daran zurück, seitdem finde aber auch diese Vorstellung mit digitaler Projektion statt.

Als kleines Kino habe es die Schauburg schwer gegen Multiplexe wie zum Beispiel das in Göttingen. Es helfe Scheller, mehrere Kinos zu betreiben, da er in einem Kino etwas ausprobieren und das bei Erfolg in seinen anderen Kinos versuchen kann. Es komme immer auch auf die Gegend an. „In Northeim laufen Familienblockbuster schon seit Jahrzehnten besser als Science-Fiction-Filme“, resümiert er.

Der große Saal der Schauburg  wie er heute aussieht.
Der große Saal der Schauburg wie er heute aussieht. © Neue Schauburg/NH

Die größte Herausforderung für das Medium Kino sieht Scheller nicht im Streaming. Das sei eher eine Gefahr für das lineare Fernsehen. Das Kino als Erlebnis mit vielen anderen Leuten sei auch weiterhin unersetzlich. Während man bei Filmen im Fernsehen schmunzelt, könne ein Film auf der großen Leinwand umgeben von amüsierten Kinobesuchern den Humor noch einmal ganz anders hervorheben. Streaminganbieter verpassen laut Scheller oft Gelegenheiten, wenn sie große Eigenproduktionen nur in wenigen Kinos zeigen.

Diese waren in den letzten Jahren äußerst erfolgreich bei den Oscars und Oscar-Filme hätten nach der Preisverleihung regelmäßig noch einmal mehr Besucher ins Kino gelockt, so Scheller.

Da mache es die Inflation Kinobetreibern mit stark angestiegenen Preisen schwerer. Obwohl sich das Kinogeschäft seit Beginn der Pandemie wieder etwas erholt habe, sei das Ausgehverhalten der Besucher anders. Die Planung sei schwieriger, da Besucher sich kurzfristiger für das Kino entscheiden. Etwa ein Viertel der Besucher hat man vermutlich verloren, befürchtet Scheller. Der Kinoliebhaber kümmert sich weiterhin persönlich um die Spielpläne, besucht Vorpremieren und versucht, alle Neustarts im Blick zu behalten. „Ich habe den inneren Antrieb, dieses Kulturgut am Leben zu erhalten“, sagt Scheller überzeugt.

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