Sechs Verhandlungstage angesetzt

Wahnvorstellungen: 19-Jähriger nach Messerattacke vor Gericht

Göttingen/Nörten-Hardenberg. Wegen versuchten Totschlags muss sich seit Dienstag ein 19-jähriger Mann aus Nörten-Hardenberg vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-Jährigen vor, am zweiten Weihnachtstag des vergangenen Jahres mit einem Jagdmesser auf den Lebensgefährten der Mutter seiner damaligen Freundin eingestochen zu haben. Das 29-jährige Opfer erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen und musste im Göttinger Uni-Klinikum notoperiert werden.

Laut einem vorläufigen psychiatrischen Gutachten litt der 19-Jährige zur Tatzeit an einem akuten paranoid-halluzinatorischen Syndrom und war daher schuldunfähig. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist er aufgrund seiner psychischen Erkrankung weiterhin für die Allgemeinheit gefährlich. Sie strebt seine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der 19-Jährige hatte gegen 23.30 Uhr die Wohnung aufgesucht, in der seine 17-jährige Freundin gemeinsam mit ihrer Mutter und deren 29-jährigem Partner lebte. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich die 17-Jährige einen Tag zuvor wegen einer auffälligen Wesensveränderung von ihm getrennt.

Der 19-Jährige habe sich das Jagdmesser gegriffen, das als Deko-Gegenstand in ihrem Zimmer gelegen habe, und anschließend im Flur unvermittelt auf den 29-Jährigen eingestochen. Dieser wurde unter anderem am Herzbeutel und an der Milz verletzt und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Der 19-Jährige war nach der Attacke mit einem Auto geflüchtet. Rund eineinhalb Stunden später nahm ihn die Polizei fest. Er ist seitdem in der Psychiatrie untergebracht.

Angst vor Vampir

Vor Gericht erklärte er, dass er in den Tagen vor der Tat Cannabis und Amphetamine konsumiert habe. Er habe sich bereits seit einiger Zeit verfolgt gefühlt. All seine Ängste habe er auf den Lebensgefährten der Mutter seiner Freundin projiziert. Er habe diesen für einen Vampir gehalten und gedacht, dass der 29-Jährige seine Gedanken lesen könne und ihn missbrauchen würde. Er habe Stimmen gehört, die ihn aufgefordert hätten, sich zu wehren.

Das Gericht hat für den Prozess sechs Verhandlungstage angesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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