Deutschen Ameisenschutzwarte brachte 15 Nestern nach Sudershausen

Ameisen müssen im Papiersack umziehen

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Ameisen-Experrte: Hans-Martin Wittmann hier im Wald mit einer Schautafel vor einem Ameisenhaufen.

Nörten-Hardenberg. Vor zehn Jahren hat Hans-Martin Wittmann Ameisen aus Reinhausen umgesiedelt. Jetzt wohnen sie im Nörtener Wald. Sie mussten umziehen, weil sie am Waldrand am Allerberg in einem Wohngebiet störten.

Etwa 15 Nester mit den schützenswerten Tieren sind seither an ihrem neuen Standort in der Nähe von Sudershausen „gewachsen".

Der Vorsitzende der Kreisgruppe südliches Niedersachsen in der Deutschen Ameisenschutzwarte (DASW) hat die Genehmigung, Nester umzusiedeln, zum Beispiel, wenn sie Menschen in den Wohnungen stören. Um zu verhindern, dass sich die Tierchen bei der Umsiedlung mit ihrer Säure selbst umbringen, muss er sie in Papiersäcken transportieren.

Vorfahren waren Wespen 

Wittmann erklärt, welche guten Dinge Ameisen für ein Waldstück bringen. Als Jäger, Gärtner, Baumeister und Beute seien insbesondere die Hügel bauenden Waldameisenarten Bestandteil vieler Regulationsprozesse. An einem einzigen Sommertag sammle ein Ameisenvolk bis zu 100 000 tote Käfer oder Raupen, um seinen Eiweißbedarf zu decken.

Seit 50 Millionen Jahren leben Ameisen laut Wittmann auf der Erde. Sie hätten sich aus sozialen Wespen entwickelt.

Blattlaus-Züchter 

Den Jahresbedarf an tierischem Eiweiß eines Volkes mit rund einer Million Individuen beziffert Wittmann auf rund 30 Kilogramm. Darüber hinaus verbrauche ein Volk in einem Jahr etwa 200 Liter Honigtau, den zum Beispiel Blattläuse produzieren. Mit vielen Mitbewohnern biete ein Ameisennest Nahrung für andere Waldbewohner. Auch als „Züchter“ von Rinden- und Blattlauskolonien liefern Ameisen vielen Vögeln Futter. „Ameisenreiche Wälder fördern eine artenreiche Vogelwelt“, schließt Wittmann.

Soziale Lebewesen 

Das ist Waldameise: Sie sorgen in der Natur für Sauberkeit in ihrem Bereich.

Durch die Verbreitung von 184 einheimischen Waldpflanzenarten trügen sie aktiv zur Waldgestaltung bei. Ihr Sozialleben lobt ihr Fürsprecher besonders. „Ameisen haben die höchste Stufe des Soziallebens unter den Insekten.“ Ihre „Eusozialität“ zeigten sie an drei Phänomenen: Die erwachsenen Tiere kümmern sich um den Nachwuchs. In einem Nest leben mehrere Generationen. Und die Mitglieder einer Kolonie lassen sich in fortpflanzungsfähige Königinnen und nicht fortpflanzungsfähige Arbeiterinnen teilen.

Werbung für Ameisen 

Neben der Not- und Rettungsumsiedlung von bedrohten Völkern wie im Fall von Reinhausen gehöre die Umweltbildung von Jugendlichen und Erwachsenen zu den wichtigsten Aufgaben der Ameisenschutzwarte, sagt Wittmann und erinnert an die Ausstellung „Faszination Ameisen“. Seit Jahren werde sie in niedersächsischen Schulen gezeigt.

www.ameisenschutzwarte.de

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