Dort, wo heute eine Kirche steht

Archäologen finden Knochen und eine Krypta in Nörten-Hardenberg

Gewöhnungsbedürftig: Auf der Nordseite der katholische Kirche sind die Archäologen auf diese Grube mit menschlichen Überresten gestoßen. Sie sollen in absehbarer Zeit auf die Friedhof bestattet werden. Fotos:  Oschmann

Nörten-Hardenberg. Am heutigen Platz der Kirche St. Martin in Nörten-Hardenberg haben im Lauf der Jahrhunderte wahrscheinlich fünf Gotteshäuser gestanden. Was für Laien schon ein wenig makaber aussieht, ist für die Archäologen mehr oder minder Alltag.

Auf der Nordseite der Kirche St. Martin in Nörten-Hardenberg haben sie aktuell eine Art Massengrab freigelegt. Die Experten sprechen eher schlicht von einer Grube.

Nur wenige Zentimeter unter der Grasnarbe sind sie auf menschliche Knochen gestoßen, mindestens acht Schädelfragmente sind zu erkennen – und das ist nur die Oberfläche. „Wahrscheinlich handelt es sich hier um die Zusammenlegung menschlicher Überreste, die möglicherweise bei früheren Grabungen oder Baumaßnahmen rund um das Gotteshaus gefunden wurden“, erläutert Frank Wedekind von der Göttinger Grabungsfirma Streichhardt und Wedekind.

Dokumentation: Silvana Streichhardt (auf der Leiter) und Frank Wedekind halten hier den freigelegten alten Sandsteinfußboden des katholische Gotteshauses mit der Kamera fest.

Auch bei den Ausgrabungen im Zuge der Neugestaltung des Nörtener Stiftsplatzes wurden in diesem Jahr bereits vereinzelt menschliche Knochen gefunden. In früheren Jahren war es üblich, dass Tote in unmittelbarer Nähe der Kirche bestattet wurden. Die Überreste wurden geborgen und sollen in absehbarer Zeit auf dem katholischen Friedhof des Fleckens beigesetzt werden, hatte Pfarrer Andreas Körner angekündigt. Auch mit den neusten Funden soll so verfahren werden.

Die Grabungen rund um das Gotteshaus, die unmittelbar vor dem Abschluss stehen, haben viele neue Erkenntnisse über die Nörtener Kirchengeschichte gebracht. „Wir können davon ausgeben, dass an diesem Platz ab etwa 800 nach Christus insgesamt fünf Kirchen gestanden haben, wobei nur eine nicht belegbar ist“, sagt Wedekind, „weil die Fundamente einer vermuteten Holzkirche wahrscheinlich tiefer liegen.“

Von den übrigen gibt es eine ganze Reihe von Dokumenten wie Grundmauern, Reste von Seitenschiffen, jetzt freigelegte Teile des Fußbodens und eines Turms. Belegt sind auch Zerstörungen, Wiederaufbauten, Neubauten und der große Brand anno 1626, bei dem kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Die heutige Kirche St. Martin stammt aus dem Jahr 1894.

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Freigelegt haben die Ärchäologen jetzt auch eine Besonderheit. „Wir haben eine Krypta unter dem ehemaligen Altarraum der Kirche von 1293 vermutet und diese auch tatsächlich gefunden“, berichtet Frank Wedekind. Einige Teile davon wurden freigelegt.

Diese und andere Funde rund um die Kirche St. Martin können sich die Nörtener am heutigen Dienstag ansehen. Ab 17 Uhr sind sie eingeladen. Die die Experten informieren über die Grabungsstätten und die neuen Erkenntnisse der kirchlichen Historie. Schon in wenigen Tagen wird nichts mehr an die Grabungsstätten erinnern, denn die werden verfüllt.

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