Gemeinderat gibt grünes Licht

Area 3-Ost: Erschließung des Gewerbegebiets bei Nörten läuft trotz Protests weiter

Flatterband und Bauzäune, Acker
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Flatterband und Bauzäune: Auf den Feldern zwischen Angerstein und Bovenden findet aktuell eine Vergrämungsaktion gegen die Feldlerche statt.

Grünes Licht für den Abschluss eines Erschließungsvertrags mit dem Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Bovenden/Nörten-Hardenberg hat der Nörten-Hardenberger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung gegeben.

Nörten-Hardenberg/Bovenden - Sobald der Vertrag in Kraft getreten ist, kann der Projektträger, die Niedersächsische Landgesellschaft, mit der Erschließung des neuen Gewerbegebiets Area 3-Ost beginnen, teilte Nörtens Bürgermeisterin Susanne Glombitza mit.

Gebaut wird im Zuge der vier Millionen Euro teuren Erschließung auch ein Regenrückhaltebecken. Die NLG kümmert sich zudem um die Bepflanzung des zehn Meter breiten Randstreifens. Die Ausschreibungen erfolgen noch in diesem Jahr.

Damit brütende Vögel den Beginn von Baumaßnahmen nicht behindern, läuft derzeit in einigen Bereichen des Areals eine sogenannte Vergrämungsaktion (HNA berichtete). Bauzäune und Flatterband sollen die auf der Fläche lebenden Bodenbrüter wie Feldlerche und Rebhuhn vom Nestbau abhalten.

Die Bänder wurden bereits einmal zerschnitten und zu Schleifen gebunden, berichtete Bürgermeisterin Glombitza dem Gemeinderat. Es wurde Anzeige erstattet.

Eine Bürgerinitiative (BI) kämpft gegen das Gewerbegebiet. Sie will den Lebensraum der Bodenbrüter erhalten. Ein Vogelgutachten der Umweltplanung Lichtenborn erfasste vor fünf Jahren auf der Fläche vier Brutpaare der Feldlerche.

„Das ist ein vergleichsweise hoher Wert“, sagt dazu BI-Sprecher Dr. Holger Kreft, der sich als Professor an der Universität Göttingen unter anderem mit Fragen der Biodiversität befasst. „Im Landschaftsgebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Gewerbegebiet gibt es extensiv bewirtschaftete Flächen mit Hecken, blütenreichem Grünland und Blühstreifen“, berichtet Kreft.

Sie würden durch die Vergrämung und die spätere Bebauung in Mitleidenschaft gezogen. Er erwarte „einen erheblichen, negativen Einfluss auf die gesamte Feldlerchenpopulation im Gebiet zwischen Rauschenwasser, Grebenberg und Bielstein“, so der Professor.

Das gelte auch für die Bestände an Rebhühnern sowie an Rotmilanen, die dort laut Kreft ihr Jagdrevier haben. Alle drei Arten stehen auf der Roten Liste.

Der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen habe unter anderem deswegen beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg ein Normenkontrollverfahren angestrengt. Das Ergebnis steht noch aus.  (zmc)

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