Kommualpolitiker unbeeindruckt von Bürgerprotesten – Bebauung ab 2021

Bauausschuss in Nörten-Hardenberg einstimmig für Schaffung des Gewerbegebietes Area 3 Ost

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Wertvolles Biotop oder Agrarwüste? Über 17 Hektar Ackerland erstreckt sich das geplante Gewerbegebiet Area 3 Ost. 

Nörten-Hardenberg – Unbeeindruckt von Bürgerprotesten hat sich der Nörten-Hardenberger Bau-, Planungs- und Umweltausschuss am Montag einstimmig für das interkommunale Gewerbegebiet Area 3 Ost ausgesprochen.

Während der Sitzung ging es um Abwägungen zur Änderung des Flächennutzungsplans sowie zum Bebauungsplan.

„70 Bürger spannen mittlerweile beim Sonntagspaziergang über die Felder ihre Schirme auf, um das Areal symbolisch unter ihren Schutz zu nehmen“, erklärte ein Nörten-Hardenberger während der Einwohnerfragestunde. 750 Menschen hätten sich an einer Unterschriftenaktion gegen das Projekt beteiligt. „Lässt sie das kalt?“, fragte eine Bürgerin die Politiker. 

„Von den Unterzeichnern sind 164 Personen aus Nörten-Hardenberg“, erwiderte Bürgermeisterin Susanne Glombitza (parteilos). Bezogen auf die 8400 Einwohner der Gemeinde sei das „eine kleine Minderheit“. Der Rat müsse das Wohl der gesamten Gemeinde im Auge haben. Nörten-Hardenberg benötige Gewerbeflächen, damit sich Betriebe ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen könnten. Das sorge für den Zuzug von Bürgern und für höhere Steuereinnahmen. So sichere die Gemeinde langfristig den Erhalt ihrer Infrastruktur. Deshalb werde der Rat auch nicht dem einstimmigen Votum des Ortsrats Angerstein gegen das Projekt folgen. 

Für „nicht zeitgemäß“ stuften einige der gut 20 anwesenden Bürger diese Art der Zukunftssicherung ein. In Zeiten von Klimawandel und Artensterben dürften keine „wertvollen Biotope“ voller Feldlerchen, Libellen und Schmetterlinge zerstört werden. Bei der Fläche, so der Ausschussvorsitzende Heinz Brandt (SPD), handele es sich „um industriell bewirtschaftete Agrarwüsten“. Für die Feldlerche seien zwei Ausgleichsreviere vorgesehen. Nach Einschätzung der Bürger liegen diese zu weit entfernt und zudem zu dicht an einer stark befahrenen Bundesstraße. Die Fachbehörde des Landkreises halte die Flächen für geeignet, betonte dagegen Glombitza.

Die Bundesregierung wolle die Versiegelung von Boden stoppen, betonten Bürger. Nörten-Hardenberg dürfe nicht 17 Hektar „zubetonieren“. Die autobahnnah gelegene Fläche habe Eingang ins Südniedersachsenprogramm des Landes gefunden, gab Glombitza zu bedenken. Innerörtlich gebe es keine Flächen im Eigentum der Gemeinde, die sich entwickeln ließen. Der Flecken trage den Bürgerbedenken Rechnung, indem er unter anderem eine Begrünung von Dächern und Fassaden verlange.

Energisch verwahrte sich Glombitza gegen den Vorwurf, der Rat nicke das Projekt „schnell ab“. Seit einem Jahr werde intensiv beraten. Nach Darstellung der Verwaltung können 2021 die ersten Gebäude in der Area 3 Ost, die sich auch auf Bovender Gebiet erstreckt, entstehen. Die Gemeinde rechnet jedoch damit, dass sich die Vermarktung der Flächen „viele Jahre“ hinzieht.

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