Vollsperrung der Bundesstraße 446

Baustelle bedroht Existenzen im Rodetal bei Nörten-Hardenberg

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Sehen in der Baustelle eine Existenz-Gefährdung: Die Geschwister Jörg Rüsseler und Kerstin Lechte vom Hotel/Restaurant Rodetal.

Die mit den Bauarbeiten verbundene Vollsperrung der B446 aus Richtung Nörten bringt die Anlieger des Rodetals mächtig auf die Palme.

Noch mindestens bis Ende November sollen die seit zwei Wochen laufenden Bauarbeiten im Rodetal zwischen Nörten-Hardenberg und Reyershausen andauern. Dort wird die Fahrbahn der Bundesstraße 446 erneuert (HNA berichtete).

In einem Brief an die Northeimer Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hat Gastronom Jörg Rüsseler, der das Hotel-Restaurant Rodetal betreibt, seinem Ärger Luft gemacht. Denn er sieht durch die wochenlange Baumaßnahme nicht nur die Existenz seines Unternehmens bedroht.

Ihn ärgert auch, dass es keine freie Zufahrt für Anwohner und Kunden, aber auch für Feuerwehr und Rettungsdienst gibt, dass die Müllabfuhr die Grundstücke nicht anfahren kann, aber auch, dass die Umleitungsempfehlungen gar nicht benutzt werden können.

So hätten zum Beispiel Baumfällarbeiten im Rodetal dazu geführt, dass die Umleitung quasi komplett dicht ist, so Rüsseler. Wer dort trotzdem fahren möchte, müsse halt das Warnschild „Durchfahrt auf eigene Gefahr“ ignorieren.

Aufgrund der Vollsperrung durch die Bauarbeiten hätten Kunden bereits zwei größere Feiern in seinem Haus abgesagt, so der Gastronom weiter. Nach zwei Wochen Betriebsferien habe sein Betrieb in dieser Woche wieder geöffnet. Rüsseler: „Wir haben keine Aussicht auf ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft. Wir öffnen trotzdem, um laufende Kosten zu decken und um unsere Mitarbeiter zu halten.“ Hinzu komme für ihn die Ungewissheit, was noch an Absagen für den Restaurant- und Hotelbetrieb auf ihn zukomme: „Dies ist eine Baumaßnahme, die an die Existenz gehen kann.“

Auch Rüsselers Nachbar vom Naturhof Rodetal, Björn Allemann, rechnet aufgrund der Baustelle bis Ende November mit Umsatzeinbußen von mehreren tausend Euro. Schon wenige Tage nach Beginn der Bauarbeiten sei sein Umsatz um 70 Prozent gesunken.

Und er rechne mit einem weiteren Rückgang. Allemann handelt unter anderem mit frischen, rohen Eiern, die nach 21 Tagen entsorgt werden müssten. Schon in der ersten Woche der Baumaßnahme sei ein Überschuss von 1200 Eiern entstanden.

Allemann erwartet in der ersten Dezember-Woche zudem einen Transporter, der Schweine auf seinem Betrieb abholen soll. „Wenn der Transporter nicht auf unseren Hof gelangt, wird das gesamte Weihnachtsgeschäft mit Fleisch unmöglich, hier erwarten wir einen Schaden von mindestens 5000 bis 6000 Euro.“ Hinzu komme nach seinen Worten zusätzlich der Schaden durch den Verlust von Kunden sowie das Ausbleiben von Bestellungen von Schweinefleisch und Enten. Allemann kündigte an, den angestrebten Schadenersatz notfalls vor Gericht von der Bauherrin, der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Bad Gandersheim, einzuklagen.

Björn Allemannn vom Naturhof Rodetal kritisierte in seinem Schreiben an die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auch, dass bei der Baumaßnahme im Rodetal in der ersten Woche eine Ampelregelung in der Baustelle möglich gewesen wäre, weil die Bauarbeiten nicht die gesamte Straßenbreite in Anspruch genommen hätten. Das sei bei früheren Arbeiten in dem Bereich auch möglich gewesen.

 Dazu betonte die Landesbehörde in einem Antwortschreiben, dass mit Einführung der technischen Arbeitsschutzregel, in der die Anforderungen an Straßenbaustellen beschrieben seien, 2018 unter anderem die Arbeitsschutzbestimmungen dahingehend verändert wurden, dass die Sicherheitsbereiche und -abstände zum fließenden Verkehr größer sein müssen als bisher. Das bedeute, dass die früher übliche Verkehrsregelung mit halbseitiger Sperrung und einer Ampelanlage nur noch ab einer Straßenbreite von etwa 8,50 Meter möglich sei. Die Bundesstraße 446 im Rodetal habe aber durchschnittlich nur eine Breite von 6,80 Meter. 

Somit dürften die aktuellen Bauarbeiten in den jeweiligen Bauabschnitten nur unter Vollsperrung der kompletten Fahrbahn vorgenommen werden. 

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