Ein Atombunker am Kreisel in Nörten-Hardenberg

Ein Relikt des Kalten Krieges steckt in der Erde

Im Garten neben dem alten Postamt befindet sich noch immer ein Atombunker in der Erde: Kirstin Ische hat jetzt Bilder vom Einbau an Andreas Tennstedt übergeben.
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Im Garten neben dem alten Postamt befindet sich noch immer ein Atombunker in der Erde: Kirstin Ische hat jetzt Bilder vom Einbau an Andreas Tennstedt übergeben.

Nörten-Hardenberg – Ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges steckt in Nörten-Hardenberg in der Erde. Unter einer Metallplatte im Garten des früheren Postamts an der Göttinger Straße befindet sich der Zugang zu einem Bunker.

Mehrere Personen können dort Zuflucht finden. Ein Vorhängeschloss an der Luke versperrt den Zugang zum Einstiegsschacht.

Einbau des Bunkers 1973/74 im Garten des damaligen Postamts an der Göttinger Straße.

„Über eine Leiter geht es hinunter“, erzählt Egbert Grundke, der Sohn des ehemaligen, 1985 pensionierten Leiters der Postamtsstelle. Ernst Grundke lebte damals mit seiner Schwester, Kirstin Ische, und den Eltern in der Wohnung über dem Postamt. „Am Ende des Schachts befand sich der gesicherte Eingang zum Bunker“, erzählt Grundke. Es habe immer muffig gerochen dort.

An den Wänden waren in zwei Etagen Feldbetten angebracht. Eine Kurbel mit mechanischem Antrieb erlaubte es, gefilterte Frischluft von außen anzusaugen. Für den Druckausgleich sorgten mehrere Luftaustritte, Instrumente ermöglichten die Kontrolle der Außenbedingungen. Lebensmittelvorräte wurden, so erinnert sich Grundke, dort aber nie eingelagert.

Gürsan Aksel, der sich den Bunker Anfang der 90er Jahre nach Aufgabe des Postbetriebs anschauen durfte, erinnert sich an Wasser, das am Boden des Schachts stand. Noch immer hat er heute den Moder-Geruch in der Nase, der ihm nach Umlegen eines Hebels aus dem Schutzraum entgegenschlug.

Nach Grundkes Erinnerung wurde der Bunker 1973/74 eingebaut. Dias davon entdeckten seine Schwester und er im Nachlass des Vaters. Die Bilder zeigen, wie an einem verregneten Tag ein Tieflader den Bunker anlieferte und ein Kran das eiförmige Gebilde herunterhob. Der Bunker wurde dann in einem tiefen Erdloch versenkt.

„Damals waren die Ost-West-Beziehungen angespannt“, erinnert sich der pensionierte Nörten-Hardenberger Postbeamte Jürgen Beyes. Die Sowjetunion hatte in der nur wenige Kilometer entfernten DDR mehrere 100 000 Rotarmisten stationiert. Die Bundeswehr unterhielt nahe der innerdeutschen Grenze – etwa in Osterode, Northeim oder Göttingen – Kasernen. Bei regelmäßig stattfindenden Manövern mit den Alliierten setzten Pioniere über Weser und Leine über.

„Wir Postbeamten trugen damals Pistolen“, erzählt Beyes – allerdings nicht aus Angst vor den Sowjets, sondern weil die Mitarbeiter Geld für die Postbank transportierten.

Die Postboten zahlten damals Renten aus. Ihre Fahrzeuge waren mit Tresoren ausgestattet. „Wir mussten mindestens zweimal im Jahr zum Schießtraining“, erinnert sich Beyes. Es fand anfangs in einem Northeimer Polizei-Keller statt, später auf einem Schießstand in Gillersheim.

„Das 1928 von Maurermeister Louis Suthoff erbaute Postgebäude ist Anfang der 90er Jahre verkauft worden“, erzählt Andreas Tennstedt, der Vorsitzende des Geschichtsvereins Nörten-Hardenberg. Heute befindet sich dort eine Zahnarztpraxis.

Bei der Deutschen Post weiß man übrigens nichts mehr über den Bunker. „Archive mit entsprechenden Informationen führen wir nicht“, erklärt Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt auf HNA-Nachfrage. (Von Michael Caspar)

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