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Bartold Kastrop aus Nörten war vor 500 Jahren ein bedeutender Künstler

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Von: Michael Caspar

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In der Bühler St. Oswaldi-Kirche erinnern nur noch Schwarz-Weiß-Bilder, die hier die Kirchenvorstandsvorsitzende Elke Schmidt betrachtet, an die erhaltenen Teile des einst von Kastrop für die Kirche erschaffenen Passionsreliefs.
In der Bühler St. Oswaldi-Kirche erinnern nur noch Schwarz-Weiß-Bilder, die hier die Kirchenvorstandsvorsitzende Elke Schmidt betrachtet, an die erhaltenen Teile des einst von Kastrop für die Kirche erschaffenen Passionsreliefs. Die Stücke befinden sich in Museen in Göttingen und Hannover. © Olaf Weiss

Vor 500 Jahren stand Bildschnitzer Bartold Kastrop auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Was viele Menschen nicht wissen: Kastrop kommt aus Nörten-Hardenberg.

Nörten-Hardenberg – Wie der Nörtener Heimatforscher Hans-Hermann Hüter berichtet, residierte der seinerzeit bedeutende, heute weitestgehend vergessene Handwerker ab dem Jahr 1503 in der Göttinger Junkernschänke, einem prachtvollen Fachwerkgebäude an der Ecke Barfüßer-/ Jüdenstraße. Von dort aus versorgte er die Kirchen der heutigen Uni-Stadt und des Umlands mit spätgotischen Marien-Altären und Heiligenfiguren.

„Bartolds Arbeiten strahlen immer eine gewisse Ruhe aus“, sagt Hüter. Leidende Menschen stellte Kastrop – im Gegensatz zu seinem berühmten, in Osterode am Harz aufgewachsenen Zeitgenossen Tilmann Riemenschneider – nicht dar. Zu den Ausnahmen gehört das nur in Bruchstücken erhaltene Passionsrelief aus der Bühler Dorfkirche, die sich heute im Göttinger Stadtmuseum und im Landesmuseum in Hannover befinden.

Die berühmte Junkernschänke in Göttingen: Hier lebte der Bildschnitzer bis zu seinem Tod.
Die berühmte Junkernschänke in Göttingen: Hier lebte der Bildschnitzer bis zu seinem Tod. © Michael Caspar

Der Nörten-Hardenberger Künstler ließ seine Schnitzereien bemalen, zunächst von Hans Raphon, von 1520 an dann von seinem Schwager, Heinrich Heisen. Dessen ältere Schwester, Katharina, hatte der Handwerker geheiratet.

„Als eines der Meisterwerke des Nörtener Bildschnitzers gilt der Marienaltar der Kirche in Hetjershausen von 1509“, weiß Heimatforscher Hüter. In Hetjershausen und Nörten-Hardenberg sind Straßen nach dem Künstler benannt.

Im Jahr 1520 entstanden dann die Figuren für den Altar der Fredelsloher Chorherrenkirche St. Blasii, 1524 der Hauptaltar der Göttinger Marienkirche, die damals vom Deutsch-Ritterorden genutzt wurde.

Als die Reformation 1529 Göttingen erreichte, zerbrach das Geschäftsmodell des gebürtigen Nörteners. Die Lutheraner lehnten die Heiligenverehrung ab. Auch Maria erfuhr keine besondere Aufmerksamkeit mehr, weiß Hüter. Kastrop verstarb um 1531. Zur Welt gekommen ist der Nörtener etwa 1460.

Der Junge besuchte die Klosterschule des Petersstifts, lernte lesen und schreiben, was damals keine Selbstverständlichkeit war. Mit Mitte 20 erlebte er die Zerstörung seines Heimatorts.

Weil sich Heinrich von Hardenberg in einer Fehde auf die Seite des Bischofs von Hildesheim gestellt hatte, brannten Göttinger, Northeimer und Einbecker 1486 den Ort nieder. Kastrop erwarb laut Heimatforscher Hüter 1488 in Northeim das Bürger- und das Braurecht. Arbeiten aus dieser Zeit sind aber nicht bekannt.

Als Handwerker muss Kastrop allerdings gut verdient haben, denn im Jahr 1503 hatte er das nötige Geld, um in Göttingen, wo er seit 1499 lebte, die Junkernschänke zu kaufen, weiß Hüter. Nach seinem Tod verkaufte die Witwe das Gebäude an den Göttinger Bürgermeister Giselher Swanenvogel. Der ließ dort in den Jahren 1547 und 1548 die eindrucksvollen Schnitzereien an der Außenfassade anbringen, für die das Gebäude heute bekannt ist. (Michael Caspar)

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