Weil das nötige Fachwissen, Geld und Zeit fehlen

Ehrenamtliche Retter schrecken vor Sanierung der Kapelle Lütgenrode zurück

Ernüchterung in Lütgenrode: Die Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt der historischen St.-Johannis-Kapelle wird die Sanierung des kleinen Gotteshauses an der Bundesstraße nicht stemmen können – trotz guter Aussichten auf eine Förderung von 73 Prozent der Kosten aus dem Programm Leineweber-Sechseck.

Lütgenrode - „Uns fehlt das Geld, die Zeit und auch das nötige Fachwissen“, bekennt Tabea Keunecke, die Vorsitzende des 2015 gegründeten Vereins. Vor einem Jahr waren die 21 Mitglieder noch zuversichtlich. Doch zwischenzeitlich hat der Vorstand viele Gespräche geführt und einen Kassensturz gemacht: 10 000 Euro, vielleicht sogar 15 000 Euro bekomme ihr Verein zusammen, sagt Keunecke.

„Wir könnten noch einmal so viel Geld dazugeben“, erklärt Christine Busch, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands der evangelisch-lutherischen Gemeinde Parensen/Lütgenrode. Doch dann fehlen der Arbeitsgemeinschaft bei geschätzten Gesamtkosten von 470 000 Euro immer noch rund 100 000 Euro.

Mit dem Rückzug der Arbeitsgemeinschaft richten sich nun wieder alle Augen auf den Kirchenkreis Göttingen. Dessen Pressesprecherin Jeanine Rudat „begrüßt das große Engagement“ der Lütgenroder. Sie haben vor Beginn der Pandemie mit vielen Aktionen – darunter Konzerten und Lesungen, Flohmärkten und Kuchenverkauf – Geld für die sehr dringende Sanierung gesammelt.

2018 musste die einsturzgefährdete Südmauer von innen und außen mit einem Gerüst abgestützt werden. Seither lässt sich ein Drittel des Altarraums nicht mehr nutzen. 2020 war ein Entwässerungsproblem zu beheben.

„Doch ist die Kapelle nur eines von 20 Gotteshäusern im Kirchenkreis, wo eine Sanierung ansteht“, gibt Peter Friele zu bedenken. Er leitet die Liegenschaftsabteilung des Kirchenkreisamts Göttingen-Münden. Aufgrund rückläufiger Mitgliederzahlen mustert er seit 2015 im Auftrag der Kirchenkreissynode den gesamten Gebäudebestand kritisch.

Derzeit sind die 80 Gotteshäuser des Kirchenkreises an der Reihe. Die Liegenschaftsabteilung bewertet sie anhand zahlreicher Kriterien, etwa Sanierungsbedarf, Unterhaltungskosten oder Auslastung. In einem zweiten Schritt überlegen die verschiedenen Regionen des Kirchenkreises, welche Gotteshäuser ihnen wichtig sind und welche sie gemeinsam nutzen wollen.

„Ein Drittel der Kirchen und Kapellen werden künftig nicht mehr benötigt“, erwartet Friele. Wie es mit ihnen weitergeht, sei noch offen. Einige lassen sich vielleicht verkaufen und künftig als Gaststätten, Wohnhäuser oder Kolumbarien (Gebäude zur Aufbewahrung von Graburnen) nutzen. Andere wird der Kirchenkreis vielleicht in eine Art Dornröschenschlaf versetzen, also auf absehbare Zeit schließen.

„Wir werden voraussichtlich noch im Juni Gespräche mit dem Kirchenvorstand von Parensen und Lütgenrode führen, bei denen es auch um die Kapelle in Lütgenrode gehen wird“, kündigt Göttingens kommissarische Superintendentin, Wiebke Vielhauer, an.

Wahrscheinlich im Oktober beginnen dann die Gespräche zum Kirchengebäudebedarf in der Region, die von Lütgenrode und Parensen, Gladebeck und Harste sowie Nörten-Hardenberg und Bishausen gebildet wird.

Eine weitere Herausforderung: Pastorin Anette Hilker-Lahman, die für die ersten vier Orte zuständig ist, geht im kommenden Jahr in Ruhestand. Die Göttinger Kirchenkreissynode könnte 2023 einen Beschluss fassen, welche Gotteshäuser aufgegeben werden. (zmc)

Die ehrenamtlichen Retter können die Kapelle in Lütgenrode, deren eine Seite abgestützt werden muss, nicht sanieren.

Rubriklistenbild: © Michael Caspar

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.