In zwei Zeiträumen sollen die Tiere zum Abschuss freigegeben werden

Jagd auf Wildschweine an der Geschiebesperre bei Hollenstedt soll erlaubt werden

Luftbild mit Blick auf die Geschiebesperre
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Die Geschiebesperre bei Hollensedt

In Randbereichen des Hochwasserrückehaltebeckens Salzderhelden soll die Jagd auf Wildschweine erlaubt werden.

Nörten-Hardenberg – Vorgesehen sind dafür die Zeitfenster vom 16. Juli bis 30. September sowie vom 1. Dezember bis 31. Januar. Gejagt werden soll insbesondere in den direkten Randbereichen des Polders I und der Geschiebesperre bei Hollenstedt in einem Streifen von 200 Metern ab Deichfuß.

Grüning sagte weiter, im vergangenen Jagdjahr seien bereits in den direkten Randbereichen des Polder I und der Geschiebesperre bei Hollenstedt insgesamt 30 Wildschweine zur Strecke gebracht worden. Unterhalb von Müllershausen direkt neben der Polder-I-Zone seien es neun Wildschweine, im Bereich Sülbeck weitere vier an der Polder-I-Zone und im Randbereich von Immensen nochmals sechs Tiere. „Das deutet auf große Bestände hin.“ Sie hielten sich gerne in der Kernzone des Schutzgebiets auf, dort, wo kein Mensch hinkomme. Grüning betonte, von den beiden Jagdfenstern seien weder die Brutzeit noch der Vogelzug betroffen.

Dafür votierte der Ausschuss für Bau, Umwelt und Regionalplanung einstimmig in seiner jüngsten Sitzung in der Aula der Außenstelle Nörten-Hardenberg der KGS Moringen auf Initiative seines Ausschussmitglieds Dirk Ebrecht (CDU, Stroit). Auch der Naturschutzbeauftragte des Landkreises, Ralf Sepan (Fredelsloh), äußerte zu der Jagdfreigabe keine Bedenken. Jetzt muss noch der Kreistag zustimmen.

Hintergrund ist die geforderte Reduzierung des Schwarzwildbestandes mit Blick auf die sich in Deutschland ausbreitende Viruskrankheit Afrikanische Schweinepest, die auch für Hausschweinbestände äußerst gefährlich ist.

Außerdem sollen die zum Teil hochgradig bestandsgefährdeten Vogelarten im Polder geschützt werden, deren Nester gerne von Wildschweinen geplündert werden.

Kreisjägermeister Dietmar Grüning (Einbeck) sagte in seiner Stellungnahme, laut Untersuchungen des Biologen Peter H. Barthel habe es 2019 nicht einen einzigen Bruterfolg des Wachtelkönigs gegeben. Der Bodenbrüter ist ein Symbol für das EU-Vogelschutzgebiet. Er besiedelt extensiv genutzte, sehr spät gemähte Feuchtwiesen, junge Brachen und Hochstaudensäume. Sein Schutz wird vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als von „nationaler Bedeutung“ bezeichnet.

Darüber hinaus sind die Tiere nach Auffassung der Kreisverwaltung eine Gefahr für den Verkehr auf der Bundesstraße 3, wenn sie zwischen Polder und der Umgebung von Vogelbeck hin- und herwandern. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) bezeichnete die Entscheidung als eine Frage der Güterabwägung. Der jetzt gefundene Weg sei ein Kompromiss, mit dem alle leben könnten.

Der Plan, die Wildschweinjagd in Randbereichen des Hochwasserrückhaltebeckens zwischen dem 16. Juli und dem 30. September zuzulassen, hat der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Northeim, Gert Habermann, scharf kritisiert.

In diese Zeitspanne falle die Brutzeit seltener Vogelarten wie Tüpfelsumpfhuhn und Wachtelkönig. Zudem würde die Bejagung eindeutig gegen das Verschlechterungsverbot der EU-Vogelschutz-Richtlinie verstoßen und, so Habermann, damit eine Verbandsklage zwangsläufig zur Folge haben.

„Sollte sich der Kreistag für die Freigabe der Bejagung im hochsensiblen Bereich des Natur- und Vogelschutzgebietes des Polders 1 aussprechen, würde der Artenschutz, insbesondere der Schutz der empfindlichen und seltenen Wiesenbrüter, der Wasser- und der Feuchtwiesenvögel sowie der wandernden und im Polder überwinternden Arten ad absurdum geführt“, sagt Habermann.

Die Begründungen, die Bejagung diene auch der Prävention vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest und der Minderung der Unfallgefahr auf der Bundesstraße 3, nannte Habermann fadenscheinig. Dabei zitiert er eine Stellungnahme des Veterinäramts: „Nach Abwägung unterschiedlicher Interessen erscheint es in der derzeitigen Situation nicht dringend erforderlich, aus Gründen der Schwarzwildreduktion eine vorbeugende Bejagung speziell im Naturschutzgebiet (NSG) Polder 1 anzuordnen.“ Auch eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde führt er an. Diese zitiert er mit den Worten: „Seitens des Naturschutzes besteht keine Notwendigkeit, eine weitere Bejagung im Bereich des Vogelschutzgebietes über das bereits erlaubte Maß hinaus zu ermöglichen. Für die Pflege und Entwicklung des Schutzgebietes sind die Wildschweine als Landschaftspfleger und -gestalter äußerst hilfreich und wertvoll.“

Außerdem kritisiert Habermann, dass die Kreisverwaltung weder den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (LWKN), der das Rückhaltebecken betreibt, noch die Stabsstelle des Naturschutzes in Niedersachsen zu der geplanten Wildschwein-Bejagung gehört habe. Auch dass es keine Verbandsbeteiligung gegeben habe, sei fragwürdig, urteilt Habermann.

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