Krypta-Fund: Noch eine Woche sind Experten auf Spurensuche

Nörten-Hardenberg. Sie ist der Traum eines jeden Archäologen: Bevor die freigelegte Krypta aus dem 12. Jahrhundert in wenigen Tagen wieder zugeschüttet wird, arbeiten die Forscher unter Hochdruck an deren Dokumentation.

Wie kostbar die Entdeckung ist, die in Nörten-Hardenberg gemacht wurde, konnten die an der Freilegung beteiligten Archäologen erst nach und nach erahnen. Die Krypta, die bei den Bauarbeiten für den Ausbau des Stiftsplatzes gefunden wurde, weist auf so manch dunkles Kapitel der Geschichte hin.

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Ein Schild am Zaun weist darauf hin, dass man die Archäologen nicht ansprechen solle. „Das klingt so unfreundlich“, bedauert Frank Wedekind, der mit seiner Kollegin das Göttinger Archäologen-Duo Streichardt und Wedekind bildet. Aber man müsse jetzt konzentriert die Zeit nutzen, die bis zur Zuschüttung in wenigen Tagen noch bliebe. Bevor die Krypta wieder für die Außenwelt unsichtbar gemacht wird, dokumentieren die Forscher alles in Wort und Bild.

Überall deuten kleine Nummern auf Funde hin. Im blauen Ordner, den Wedekind unter dem Arm trägt, werden die Informationen gesammelt. Student David Simoneit sitzt mit einem Zeichenbrett in einer Ecke der Krypta und zeichnet Stein für Stein ab. Mit Buntstiften werden diese im nächsten Schritt koloriert und bestimmt. Eine Untersuchung der Steine gab bereits Hinweise darauf, wann welcher Teil der Krypta gebaut wurde und wie die Oberkirche ausgesehen haben muss. Ist die Freilegung abgeschlossen, wird alles elektronisch ausgemessen - „damit wir die Krypta in 3D rekonstruieren können“, sagt Wedekind.

Er erzählt, man habe auf dem Boden der Krypta mehrere hundert Gegenstände gefunden, die bereits in Sicherheit gebracht wurden und nun beim Restaurator lägen. Eine verschossene Pistolenkugel aus Blei mit 0,9 Zentimeter Durchmesser zum Beispiel.

Kryptafund in Nörten-Hardenberg

Wedekind deutet auf ein Loch im Boden: „Hier haben wir einen sechseckigen eisernen Leuchter gefunden, der wohl vorher auf dem Altar gestanden hat.“ An dem aus einem gemauerten Block bestehenden Altar fehlt eine Ecke und dessen Tischplatte fand man wenige Zentimeter daneben. „Vermutlich wurde der Altar im Dreißigjährigen Krieg durch die Truppen unter Christian des Tollen mutwillig zerstört, um an eine im Altar eingemauerte Reliquie zu kommen“ - bei den Katholiken galt ein Altar erst dann als geweiht, wenn sich in ihm ein wertvoller Gegenstand befand. „Nach der Plünderung der Kirche durch die feindlichen Truppen haben diese mutmaßlich die Kirche mit ihrer wunderschönen Kuppel eingeäschert.“

Was damals wirklich passiert sei, dass wisse man natürlich nicht genau, gesteht Archäologe Wedekind, dazu sei die Quellenlage zu der Kirche zu schlecht. Doch die Archäologen geben ihr Bestes, um anhand präziser Untersuchung und Abgleichung die Ereignisse von vor hunderten von Jahren zu rekonstruieren. Die gefundene Krypta bietet sich dazu an - sie ist der Traum eines jeden Archäologen.

Von Anna Lischper

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