Krypta in Nörten-Hardenberg: Sicherung ist oberstes Gebot

Nörten-Hardenberg. An der geplanten Verfüllung der in Nörten-Hardenberg direkt vor der katholischen Kirche St. Martin freigelegten romanischen Krypta der ehemaligen Stiftskirche führt kein Weg vorbei. Und das, obwohl ihre Entdeckung als Sensationsfund gilt.

Norbert Kesseler, Diözesan- und Dombaumeister des Bistums Hildesheim, erläuterte der HNA, dass dieser Beschluss bei der Besprechung zwischen dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Bistum Hildesheim und der örtlichen Kirchengemeinde sowie Vertretern der politischen Gemeinde und den vor Ort tätigen Archäologen gefasst wurde.

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„Wegen des anstehenden Winters und des derzeitigen Zustands der Fundstätte ist ein denkmalgerechtes Verfüllen der Ausgrabung temporären Sicherungsmaßnahmen vorzuziehen“, erläutert Kesseler. Eine dauerhafte Zugänglichkeit der 900 Jahre alten Krypta sei sowohl aus konservatorischen als auch aus finanziellen Gründen nicht vertretbar. Entsprechend erforderliche Fördermittel könnten nicht kurzfristig beschafft werden.

„Eine dauerhafte Sicherung dieses herausragenden Zeitzeugnisses gelingt deshalb am zuverlässigsten durch die Verfüllung.“ Dadurch könne zudem ein jederzeit möglicher und unproblematischer Zugang zur Fundstätte gewährleistet werden, falls dieser in Betracht gezogen würde, sagt Kesseler. Die aktuellen Anstrengungen würden sich jetzt auf die Finanzierung der wissenschaftlichen Auswertung und Publikation der gewonnen Erkenntnisse zu diesem bisher völlig unbekannten Kirchengebäude konzentrieren, sagt der Dombaumeister.

Brutales Vorgehen 

Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann vom Niedersächsischen Amt für Denkmalpflege unterstreicht, dass die konservatorischen Gründe bei der Krypta ohne Frage im Mittelpunkt stünden. „Wenn mit der Verfüllung jetzt nicht sehr schnell gehandelt wird, ist die unglaubliche Qualität dieser Fundstätte in Gefahr“, lautet seine Einschätzung.

Kryptafund in Nörten-Hardenberg

Der offene Erhalt der Nörtener Krypta, unter der die Experten eine weitere Kirche aus der Zeit um 800 vermuten, würde kostenmäßig unvertretbar hoch ausfallen, sagt der Landesarchäologe.

Haßmann findet im Zusammenhang mit der Zerstörung des Gotteshauses (und weiterer Teile Nörten-Hardenbergs) während des 30-jährigen Kriegs anno 1626 vor allem die damals an den Tag gelegte äußerst brutale Vorgehensweise sehr spannend. Die herausgerissene Altarplatte, die jetzt ebenfalls sichtbar wurde, sei ein Zeugnis davon.

Von Hans-J. Oschmann

Rubriklistenbild: © HNA

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