Luisa hat nur fünf Prozent Sehkraft

17-Jährige aus Nörten-Hardenberg träumt von den Paralympics

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Eine sportbegeisterte Familie: Luisa Grube (17) und ihr Bruder Dennis (20) wurden gerade Deutsche Vizemeister im Slalom. Mutter Claudia und Vater Marko stehen voll hinter ihrer Tochter.

Nörten-Hardenberg. Die 17-jährige Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg ist begeisterte Skiläuferin und hat sich die Teilnahme an den Paralympics zum Ziel gesetzt. 

Das Skilaufen wurde ihr quasi in die Wiege gelegt, denn die ganze Familie Grube liebt diesen Wintersport. In der „Skischule Papa“ hat Luisa als Dreijährige ihre ersten Schritte auf Skiern unternommen. Heute ist die Nörtenerin 17 Jahre alt und ist gerade Deutsche Vizemeisterin im Slalom geworden.

Das Außergewöhnliche: Luisa ist von Geburt an stark sehbehindert. Sie hat nur eine Sehkraft von fünf Prozent und dazu ein stark eingeschränktes Blickfeld. Doch das hat die Nörtenerin noch nie davon abgehalten, das zu machen, was andere auch machen. „Ich bin sehr ehrgeizig“, kommt es ihr spontan über die Lippen.

Mit drei Jahren zum ersten Mal auf Skiern

Die Grubes fahren schon seit Jahrzehnten zum Wintersport in die Alpen. „Wir waren teilweise mit bis zu 40 Freunden und Bekannten aus Nörten und Umgebung in einem Ort und haben dort die Pisten erobert“, erzählt Vater Marko. Daran hat sich auch durch das Handicap von Luisa nicht geändert.

Als sie drei war, stand sie zum ersten Mal auf Brettern und hatte viel Spaß daran. Sie ist einfach ihrem Vater im dichten Abstand gefolgt. Luisa wollte mehr und sie wollte es immer besser machen. Im Lauf der Jahre ist sie immer schneller geworden.

Trotz ihrer starken Einschränkung hat sie sich auch in der heimischen Kooperativen Gesamtschule (KGS) nie vor dem Sport gedrückt, im Gegenteil. „Ich habe Fußball und auch Handball gespielt und Kraftsport gemacht, aber meine besondere Leidenschaft gehörte immer dem Skifahren“, erinnert sie sich. Inzwischen besucht die Teenagerin seit eineinhalb Jahren die Carl-Strehl-Schule in Marburg, auf der gehandicapte Schüler besonders gefördert werden – gerade im Sportbereich.

Kontakt zur deutschen Spitzenläuferin

Im Mai vergangenen Jahres hat die Nörtenerin Kontakt zu Noemi Ristau aufgenommen. Sie ist die deutsche Spitzenrennläuferin unter den Sehbehinderten und war bei den Paralympics in Korea am Start. „Natürlich ist sie mein Vorbild, sie ist eine tolle Läuferin und ein toller Mensch“, schwärmt Luisa Grube. Durch sie ist Luisa mit dem Bayerischen Landesverband und der Nachwuchsmannschaft Paraski Alpin in Kontakt gekommen.

Als sie von Uwe Naumann, dem Schwager ihres Vaters, ermutigt wurde, Rennen zu fahren, ging alles recht schnell. Um die entsprechende Lizenz zu bekommen, reiste sie mit Familie nach Holland. Dann folgte Ende Oktober ein Lehrgang im Stubaital und Anfang Dezember startete Luisa bereits bei den Deutschen und Internationalen Meisterschaften im Pitztal, wo sie überraschend Vizemeisterin wurde.

Mit ihr zusammen wurde auch Dennis Grube Deutscher Vizemeister. Der 20-Jährige ist nicht nur ihr Bruder, sondern auch ihr Guide auf der Piste. Der fährt bei den Rennen vor ihr her, ist mit einer auffällig grellen Jacke bekleidet, um Luisa die Orientierung zu erleichtern. Außerdem sind die beiden über Funk miteinander verbunden. Klar, dass die beiden gegenseitig aufeinander stolz sind.

Neuer Guide wird gesucht

Aktuell sucht sie dringend einen neuen Guide, denn ihr Bruder Dennis kann diese Aufgabe aus beruflichen Gründen nicht mehr übernehmen.

Zwei Kandidaten (Skilehrer) bieten sich an, es wird Tests geben. „Schön wäre es für Luisa, wenn sie nicht nur einen neue Guide, sondern auch einen Sponsor finden würde“, hoffen Marko und Claudia Grube, weil der Sport einiges kostet und schon etwas aufwendig ist.

Luisa wird sich auf ihrem Erfolg natürlich nicht ausruhen: Im Gegenteil: „Ich will mehr, bin risikofreudig und ich traue mir einiges zu“, sagt die 17-Jährige selbstbewusst, die von den Paralympics in drei Jahren in Peking träumt. Doch bis dahin ist es auch für eine so talentierte Rennläuferin wie Luisa noch ein weiter Weg. In den nächsten Tagen und Wochen stehen für sie weitere Lehrgänge und Wettbewerbe im In- und Ausland bevor. Ihr Ziel: „Ich will in den Nationalkader!“

Ihre Wünsche hat die 17-Jährige, die sich beim Sport noch nie ernsthaft verletzt hat, ganz klar auf ihren Sport und auch auf ihre berufliche Zukunft ausgerichtet. „Ich würde gern etwas im sozialen Bereich machen!“ Den Wunsch, ganz normal sehen zu können, hat die Nörtenerin nicht. „Es ist alles okay, so wie es ist!“ 

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