"U-Boot-Christen" mag er nicht

Nörtener Wolfgang Ohlmann: 40 Jahre im Kirchenvorstand

In der Rolle fühlt er sich wohl: Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Wolfgang Ohlmann, liest in der Sterntalergruppe der Kita, zu der auch ein Hort gehört, aus einem Buch vor. „Der Nachwuchs ist unsere Zukunft“, lautet seine Überzeugung. Solange ich gesund bin und gewählt werde, mache ich gern weiter. Seine Amtsperiode läuft noch vier Jahre. Foto:  Oschmann

Nörten-Hardenberg. Nörtener Wolfgang Ohlmann ist 40 Jahre im Kirchenvorstand und hat noch eine Menge vor

Kirche lässt sich nicht an der Zahl der Gottesdienstbesucher messen, weil einfach sehr viel mehr dahinter steckt. „Aber die Akzeptanz könnte schon größer sein“, sagt Wolfgang Ohlmann. Der Nörtener weiß, wovon er spricht, denn er hat seit 40 Jahren einen ganz speziellen Blick auf das christliche Geschehen im Flecken und alles, was damit zusammenhängt.

Ein Dorn im Auge sind dem 68-Jährigen die „U-Boot-Christen“. Das sind die, die nur bei Hochzeiten, Geburten und Beerdigungen oder zu Weihnachten auftauchen, um die Dienste der Kirche in Anspruch zu nehmen. „Danach tauchen sie wieder ab.“

Unterstützung

„Dabei könnten wir jede Menge Unterstützung gebrauchen, sei es durch die Hilfe bei einem Projekt oder die Mitarbeit in einem Gremium“, sagt Wolfgang Ohlmann, der damit einen Wunsch auf Besserung verbindet. „Kirche ist ein Geben und ein Nehmen!“

Der 68-Jährige ist seit 40 Jahren im Kirchenvorstand der Emmaus-Gemeinde aktiv, davon die Hälfte als Vorsitzender. In diesem Amt ist er Chef von 21 Mitarbeitern im Kindergarten, Hort, im Familienzentrum und des Küsters – alles ehrenamtlich ohne einen Cent Lohn.

„Ich wünsche mir mehr Geld für die Diakonie und Seelsorge, damit mehr Menschen Halt finden.“

Das spielt für Ohlmann keine Rolle, denn er übt sein Amt mit großer Leidenschaft und gern aus und ist stolz auf die vielen verwirklichten Projekte in den zurückliegenden Jahren. Dabei hatte er es keineswegs leicht, vor allem nicht in den Anfangsjahren.

Zuhören und schweigen

Als er 1974 in den Kirchenvorstand, der eine Riege gestandener Männer war, berufen wurde, durfte er vor allem eins: zuhören und schweigen. „Da herrschte noch eine richtige Rangordnung“, erinnert sich der damals 28-Jährige, der mit Abstand der Jüngste war.

Im Lauf der Jahre hat sich vieles geändert im Kirchenvorstand, auch der Teamgeist und die Offenheit. „Wir haben sogar eine Gottesdienstreform auf den Weg gebracht. Das ist ein Thema, an das sich früher niemand herangetraut hätte,“ sagt Ohlmann. Der ist zwar Chef des Gremiums, entschieden wird aber im Kollektiv. „Ich bin nur der, der die Beschlüsse des siebenköpfigen Gremiums verkündet.“

Wenig Besucher

Um auf die Zahl der Gottesdienstbesucher zurückzukommen: Die liegt in Nörten bei zehn bis 15 Personen und unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Gemeinden. Früher war Wolfgang Ohlmann regelmäßig sonntags im Gottesdienst. Damals musste der ehemalige Physiotherapeut noch auf der Kirchenvorsteherbank Platz nehmen, während seine Frau bei den anderen Gottesdienstbesuchern saß.

Aufpasser

„Wir haben aufgepasst, dass niemand einschlief und sich die Konfirmanden gut benahmen“, erinnert er sich. Ansonsten gilt für ihn die Devise „Für meinen Glauben brauche ich keine Kirche.“ Das bedeutet, dass er den Gottesdiensten oft fern bleibt.

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