Phosphat aus der Kläranlage Nörten-Hardenberg

Klärschlamm ist ein begehrter, aber auch umstrittener Dünger

Der bräunlich-graue Klärschlamm besteht hauptsächlich aus dem Pflanzennährstoff Phosphat. Gerald Marquardt (links) und Holger Dembeck arbeiten mit dem nährstoffreichen Material.
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Der bräunlich-graue Klärschlamm besteht hauptsächlich aus dem Pflanzennährstoff Phosphat. Gerald Marquardt (links) und Holger Dembeck arbeiten mit dem nährstoffreichen Material.

Aus der Kläranlage auf den Acker: Jährlich fallen in Nörten-Hardenberg 3000 Tonnen Klärschlamm an. Ihn nutzen ein gutes Dutzend Landwirte.

Nörten-Hardenberg – „Nörten-Hardenberg hat keine Probleme, die immer strengeren Grenzwerte beim Klärschlamm einzuhalten“, berichtet Holger Dembeck. Der Agraringenieur, der einen mittleren landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet, koordiniert seit 2018 für eine Handvoll Kommunen in Südniedersachsen die landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms.

„Klärschlamm fällt bei der Aufbereitung des Schmutzwassers an“, erläutert der Nörten-Hardenberger Klärwerksleiter Gerald Marquardt. Mikroorganismen zersetzen die Fäkalien. In die sogenannten Belebungsbecken wird Luft eingeleitet, damit den Lebewesen ausreichend Sauerstoff zur Verfügung steht. Den zurückbleibenden Schlamm pressen Marquardt und seine beiden Kollegen aus. Dadurch sinkt der Wassergehalt auf 30 Prozent.

Aus dem Wasser lässt sich durch Zugabe von Eisensalzen der Pflanzennährstoff Phosphor ausfällen. Zum Schlamm wird Brandkalk hinzugefügt. Es kommt zu einer chemischen Reaktion. Die Temperatur steigt so stark an, dass Krankheitserreger absterben.

„Klärschlamm besteht überwiegend aus Phosphat“, erklärt Koordinator Dembeck. Das macht die Masse für Landwirte interessant. Mineralischer Phosphatdünger, wie er etwa in Nordafrika gewonnen wird, ist deutlich teurer. Klärschlamm enthält auch Stickstoff sowie Humus – zersetztes Toilettenpapier. Nutzen Landwirte das Material, schließt das den Wertstoffkreislauf.

„Allerdings werden die Grenzwerte hinsichtlich des Gehalts an Schwermetallen wie Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink oder Thallium, aber auch organischer Schadstoffe wie Polychlorierte Biphenyle (PCB), Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Dioxine oder Furane immer strenger“, erläutert Dembeck.

Kleine, ländlich strukturierte Gemeinden haben in der Regel keine Probleme mit der Einhaltung der Vorgaben. In den Harzgemeinden ist das allerdings anders, da dort die Grundbelastung an Schwermetallen hoch ist. Auch Städte mit Industriebetrieben stehen unter Druck. Sie werden Ende des Jahrzehnts ihren Klärschlamm verbrennen müssen. Das Phosphat soll zurückgewonnen werden. Erfahrungen damit werden zum Beispiel in einem Forschungsprojekt gewonnen, das derzeit in der Northeimer Kläranlage läuft.

„Das Ausbringen von Klärschlamm auf dem Acker ist durch Gesetze und Verordnungen streng reguliert“, betont Dembeck. Landwirte müssen zunächst mit Bodenproben vom Acker einen Düngebedarf sowie die Einhaltung der Bodenvorsorgewerte belegen. Besondere Auflagen gibt es bei Flächen, die an Gewässer grenzen oder in Wasserschutzgebieten liegen. Strengere Regeln zur Herbstdüngung enthält die im Frühjahr in Kraft getretene neue Düngeverordnung. Die Landwirtschaftskammer prüft den Antrag des Landwirts auf Klärschlammnutzung.

Anschließend hat der Landkreis-Fachbereich Umwelt drei Wochen Zeit, Einspruch einzulegen. Erst wenn das nicht erfolgt, darf der Bauer den Klärschlamm aufbringen, allerdings maximal eine 1,3 Millimeter dicke Schicht. (Von Michael Caspar)

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