Landschaftspflegerin weidet dort ihre Tiere

Schafe beschützen Solarparks bei Nörten

Solarpark  bei Nörten-Hardenberg Schafe Landschaftspflegerin Anke Busch
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Solarpark an der Pappelbreite bei Nörten-Hardenberg: Die Schafe von Landschaftspflegerin Anke Busch weiden dort.

Solarparks können sich zu artenreichen Biotopen entwickeln, sagt die Bühler Schäferin Anke Busch. Sie beweidet mit ihren Tieren die Solarparks, die die AVU Serviceplus GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Gevelsberg in Nörten-Hardenberg betreibt.

Nörten-Hardenberg - Auf den insgesamt 17 Hektar großen Wiesen blühen zurzeit die Wildkräuter, nicht zuletzt weil aufgrund der Beweidung keine Pflanze die Überhand gewinnen kann. Überall zwitschern Singvögel. Falken und Bussarde lauern auf Beute. Auch Reiher suchen dort – ungestört durch Menschen – nach Nahrung.

Durch Schlupflöcher gelangen Kaninchen und Füchse aufs Gelände. Hunde und Wölfe hält der hohe, mit Stacheldraht bewährte Zaun dagegen zurück. „Das erleichtert die Arbeit sehr“, sagt Busch. Auf den Flächen, auf denen sie sonst mit ihren Tieren Landschaftspflege betreibt, hat sie viel mit dem Aufstellen und Umsetzen von Zäunen zu tun.

„In den Nörten-Hardenberger Solarparks werden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, weiß die Schäferin. Auch das sorgt für viele Pflanzen- und Insektenarten. Besonders artenreich ist das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik.

Im oberen Bereich der Industriebrache mit seinem trockenen, steinigen Boden herrschen fast mediterrane Bedingungen. Die untere Fläche ist feuchter.

Dort hat sich im Laufe der Jahre bei der Anlieferung der Rüben viel Sand und Lös abgelagert. Die Schafe haben den früher weichen und bei Regen matschigen Boden festgetreten.

„In den ersten Jahren nach Eröffnung der Solarparks im Sommer 2012 gab es ein Naturschutz-Monitoring“, erinnert sich AVU-Geschäftsführer Thorsten Coß. Damals gab es die Anregung, die Flächen beweiden zu lassen.

Aufgrund des Schotters der ehemaligen Gleisanlagen lassen sich zwischen den eng stehenden Modulreihen keine Elektrosensen einsetzen. Steine würden hochgeschleudert und können die aus Glas gefertigten Fotovoltaik-Module beschädigen.

2015 erhielt Schäferin Busch den Auftrag. Ganz ohne Maschinen geht es allerdings auch bei der Beweidung nicht. „Die Schafe meiden Brennnesseln“, weiß Busch. Damit diese hochwachsenden Pflanzen keinen Schatten auf die Solar-Module werfe, pflegt sie die Flächen zweimal im Jahr mit dem Balkenmäher nach. Der wirbelt keine Steine auf, nimmt aber selbst Schaden. Entsprechend hoch sind die Reparaturkosten. Die abgemähten Brennnesseln schmecken den Schafen dann übrigens doch.

Busch hält Leineschafe. Eine Stammzucht dieser alten Landrasse betrieb einst die Familie von Hardenberg, die den Gevelsbergern die Solarpark-Flächen verpachtet hat. „Die genügsamen Tiere haben ein gutes Herdenverhalten und können am Tag bis zu 15 Kilometer zurücklegen“, führt die Schäferin aus. So weit müssen sie in Nörten allerdings nicht laufen. Anke Busch treibt sie manchmal, unterstützt von Hütehunden, vom Standort an der alten Zuckerfabrik zum Solarpark an der Pappelbreite und wieder zurück. Sie nimmt dann die Route an der Kläranlage und den Kleingärten vorbei.

Mindestens 60, manchmal 200 Tiere weiden zwischen April und Oktober in den Solarparks. Den Schafen gefällt es dort. Wenn die Sonne brennt oder es regnet, suchen sie unter den Modulen Schutz. An den Kabeln, die dort hängen, vergreifen sie sich jedoch nie.

Die Schäferin schaut täglich bei ihren Tieren vorbei und schafft Trinkwasser herbei. Das gibt es im artenreichen Biotop nicht. (zmc)

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