Schlichter im Hühner-Streit: Karl-Wilhelm Rorig ist Schiedsmann

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Schiedsmann Karl-Wilhelm Rorig: Dass ihm das Amt Freude macht, beweist die lange Zeit, in der er jetzt schon in dieser Funktion auftritt. Rorigs Vertretung ist Ines Stammnitz. 

Nörten-Hardenberg. Seit 20 Jahren schlichtet Karl-Wilhelm Rorig Streit. Im Flecken Nörten-Hardenberg agiert er als Schiedsmann.

„Ich möchte versuchen, zwischen den Menschen zu vermitteln, damit einvernehmliche Regelungen entstehen“, sagt der gebürtige Sudershäuser, der jetzt im Nachbardorf Bishausen lebt.

46 Jahre jung war Rorig, als er für das Schiedsamt ernannt wurde. In der Gemeinde wurde ein Vertreter gesucht. Mit der Vertretung sei nicht viel Arbeit verbunden, war seine Erwartung. Deshalb stimmte er zu und absolvierte die erforderliche Weiterbildung. Ein Jahr später habe er aus der Zeitung erfahren, dass er zum Schiedsmann aufgerückt war. Sein Vorgänger hatte sich nach dem Urlaub aus dem Amt verabschiedet. Die Unterlagen für die Vertretung hatte er Rorig schon vor der Reise übergeben.

Das gemeindliche Schiedswesen in Deutschland dient der Beilegung weniger bedeutsamer straf- und zivilrechtlicher Angelegenheiten. Als Nachbarschaftsstreitigkeiten benennt sie Rorig, Unfrieden wegen Bepflanzungen, Überhang von Baum- und Strauchwerk oder zu viel Rauch und Lärm. Grenzstreitigkeiten und Verletzungen der Ehre seien die Themen für einen Schiedsmann.

Genau sei im Gesetz geregelt, wann eine Schiedsperson gefragt werden muss, bevor zwei Streithähne vor Gericht gehen. Einer der beiden muss einen Antrag auf eine Schlichtungsverhandlung stellen. Der Termin ist nach drei Wochen anzusetzen. Die Parteien werden per Postzustellungsurkunde mit Dienststempel zur Schlichtung vorgeladen. Der Antragsteller muss einen Vorschuss von 50 Euro zur Deckung der Kosten leisten. Nicht selten, etwa zehnmal im Jahr, seien es sogenannte Tür- und Angelfälle, sagt Rorig. Dann komme es gar nicht erst zur Schlichtungsverhandlung.

Für eine solche gelten strenge Regeln, angefangen mit der Pflicht zu erscheinen. Zur Entschuldigung ist ein Attest vorzulegen. Als neutralen Ort nutzt Rorig das Rathaus. Nach dem Antragsteller hat auch der Gegner Rederecht. So kann jeder seine Belange darlegen. „Meine Aufgabe besteht dann darin zu vermitteln“, schildert Rorig. Von vier bis sechs Verhandlungen im Jahr verliefen gut zwei Drittel erfolgreich. „Es kommt immer auf beide Parteien an“, betont Rorig - Einsicht zähle.

Die blieb aus in einem Fall, in dem ein Fenster Grund des Zwists war. Während der eine Mieter eines Mehrparteienhauses gern für Luft im Treppenhaus sorgte, liebte der andere das Fenster geschlossen. Weil der Kontrahent die Verhandlung verließ, galt sie als gescheitert.

Rorig musste eine Bescheinigung über den Misserfolg ausstellen. In einem anderen Fall wollte ein Hausbesitzer nicht, dass die Hühner des Nachbarn auch in seinem Garten pickten. Weil die beiden sich nicht einigen konnten, musste der Streit vor Gericht verhandelt werden.

„Spaß macht es, wenn man beide Parteien in einem Streit zufriedenstellen konnte“, sagt Rorig.

Von Ute Lawrenz

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