18-jährige Parasportlerin steckt gerade im Abitur 

Vorzeitiges Saison-Ende wegen Corona: Luisa Grube muss die Skier gegen das Rad tauschen

+
Training Zuhause: Luisa (links) ist jetzt oft mit dem Fahrrad unterwegs, um ihre Kondition zu halten. Hier wird sie von ihrer Mutter Claudia begleitet, denn ohne Guide geht es nicht. Foto: Hans-j. Oschmann

Nörten-Hardenberg – Normalerweise würde Luisa Grube jetzt noch auf ihren Brettern stehen und die Pisten hinuntersausen. Doch die Corona-Pandemie hat auch die junge Nörtener Parasportlerin abrupt ausgebremst.

Nach einigen erfolgreichen Rennen auf internationaler Ebene in diesem Winter kam für sie und ihre Mitstreiterinnen im Nachwuchskader der Nationalmannschaft für Sehbehinderte das frühzeitige Aus.

Luisa, 18 Jahre jung, ist von Geburt an sehbehindert, hat nur eine Sehkraft von fünf Prozent. Das hat sie aber noch nie davon abgehalten, das zu tun, was andere auch machen. Skifahren hat sie innerhalb ihrer Familie gelernt. Diese Sportart hat sich zu ihrer ganz großen Leidenschaft entwickelt. Allerdings braucht sie dabei Unterstützung von einer Person, die vor ihr die Piste herunterfährt und der sie folgt. Das haben anfangs ihre Eltern Marko und Claudia sowie ihr Bruder Dennis gemacht, mit dem sie im Vorjahr sogar Deutsche Vizemeisterin im Slalom geworden ist.

Jetzt hat Luisa eine Guidin, die 21-jährige Lucia Rispler, mit der sie seit November zusammen fährt. Nach den ersten Wettkämpfen und vielen Trainingseinheiten sagt die Nörtenerin: „Wir haben uns gut aufeinander eingespielt!“ Beim Europacup im kroatischen Zagreb, wo sie einzige deutsche sehbehinderte Starterin war, belegten die beiden in vier Rennen drei dritte Plätze. Bei der Deutschen Meisterschaft wurde sie im Slalom Dritte, im Riesenslalom klappe es nicht so gut: „In einem Rennen ging bei Lucia der Ski auf, im zweiten Durchgang bin ich dann gestürzt. So läuft das halt manchmal!“

Die Saison ist abgehakt: Mit dem Verlauf war Luisa (rechts) zufrieden. Mit ihrer Guidin Lucia hat sie sich eigenen Angeben zufolge weiter verbessert.

Entmutigen lässt sich die überaus ehrgeizige Luisa davon natürlich nicht, im Gegenteil. „Wir haben durch unsere neue Nachwuchstrainerin auf Nationalebene, die viel Werbung betrieben hat, jetzt doppelt so viele Skifahrerinnen als im Vorjahr“.

Für die 18-Jährige ist das Motivation pur, denn im Hinterkopf hat sie immer noch ihr großes Ziel, die Paralympics 2022 in Peking. Auf dem Weg dorthin wird sie seit einigen Monaten von der Kreis-Sparkasse Northeim und den Flippo-Spielhallen Katlenburg-Lindau finanziell unterstützt.

Anfang März kam für Luisa und ihre Mitstreiterinnen das Aus wegen Corona. Normalerweise hätte ihre Saison mit Trainingseinheiten und Rennen auf dem Gletscher bis in den Mai hinein gedauert. Jetzt ist alles anders. Sie ist zuhause bei ihren Eltern und genießt diese Zeit. Zuvor hat sie an ihrer Schule in Marburg bereits ihr schriftliches Abitur gemacht. „Jetzt bereite ich mich auf die mündlichen Prüfungen im Juni vor“, sagt sie.

Zuhause in Nörten ist sie natürlich nicht untätig. Wenn Skifahren schon nicht geht, Konditionstraining muss sein. Sie fährt oft Fahrrad, wieder mit Unterstützung ihrer Eltern. „Außerdem mache ich mir Gedanken, was ich studieren will. Pharmazie und Psychologie sind im engeren Kreis. Studieren will sie in Innsbruck, weil sie dort ideale Trainingsbedingungen hat und auch ihre Guidin Lucia nach Innsbruck geht.

„Das wird mich und Lucia mit Blick auf die Zukunft ein großes Stück voranbringen“, ist sich die 18-Jährige sicher. Deutliche Leistungsverbesserungen gegenüber dem Vorjahr stimmen sie jetzt schon zuversichtlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.