Northeim: „Iffi Zenker“ aus der Lindenstraße tritt für CDU an

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Rebecca Siemoneit-Barum alias Iffi Zenker aus der Lindenstraße.

Northeim/Einbeck. Seit 21 Jahren spielt Rebecca Siemoneit-Barum in der ARD-Erfolgsserie „Lindenstraße“. Jetzt hat sich die Zirkustochter ein neues Ziel gesetzt: Am 11. September will sie bei den Kommunalwahlen in Northeim und Einbeck für die CDU antreten.

Als Schauspielerin ist Rebecca Siemoneit-Barum ein alter Hase. Seit 1990 mimt die 33-Jährige in der ARD-Vorabendserie „Lindenstraße“ die Iffi Beimer - geborene Zenker. Jetzt hat sich die Tochter des ehemaligen Zirkusdirektors Gerd Siemoneit-Barum ein neues Ziel gesetzt: Am 11. September will sie bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen für die CDU auf Stimmenfang gehen.

Video: Sehen Sie hier einen Ausschnitt aus Lindenstraße-Folge 1318 mit Iffi Zenker

Siemoneit-Barum kandidiert für den Kreistag in Northeim und den Stadtrat von Einbeck. Trotz ihrer Medienerfahrung vor den Fernsehkameras will sich Siemoneit-Barum derzeit aber nicht öffentlich über ihre politischen Ambitionen äußern. Stattdessen lässt sie ihre Parteifreunde - allen voran Dirk Ebrecht, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Einbeck - für sich sprechen.

Diese erklären die ungewöhnliche Scheu mit „jüngsten negativen Erfahrungen“, die Siemoneit-Barum gemacht habe. Näher erklären, können sie es aber nicht. „Ihre Zurückhaltung bestärkt mich in meinem Glauben, dass sie sehr pragmatisch mit ihrer Kandidatur umgeht“, betont Ebrecht. Auch die CDU, in Northeim und Einbeck hinter der SPD nur zweite Kraft, habe sich bewusst gegen eine offensive Wahlwerbung mit ihrer prominenten Parteifreundin entschieden. Zwar radelte die Schauspielerin kürzlich mit den Parteifreunden durch die Dörfer und auch bei einem Sängerfest zeigte sie sich den Wählern - Wahlkampfplakate mit ihrem Konterfei sucht man dagegen vergebens.

Lediglich auf einem Kreistagsflyer lacht Siemoneit-Barum den Wählern vom Listenplatz fünf entgegen. „Wir wollten ihre Kandidatur tief hängen und keine Polit-PR mit ihrer Person machen“, sagt Ebrecht. „Denn Rebecca meint es wirklich ernst mit ihrem Engagement.“ Dies zu betonen, wird auch Joachim Stünkel, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Northeim, nicht müde. „Es ist nicht nur so, dass die CDU mit ihr Stimmen sammeln will“, sagt Stünkel, der als kommunalpolitisches Urgestein bereits seit 1976 für die CDU aktiv ist. „Rebecca ist jetzt seit knapp einem Jahr Mitglied in der CDU und will etwas für ihre Heimat tun.“ Das sei ihr ganz persönlicher Anspruch. „Sie hat Herzblut für ihre Heimat. Ich glaube, sie will der Stadt etwas zurückgeben.“

Der Politikwissenschaftler Wichard Woyke von der Universität Münster sieht das Verhalten eher skeptisch: „Aufmerksamkeit durch Sich-bitten-lassen kann auch eine Strategie sein.“ Zudem gebe es bereits wegen des berühmten Namens einen Promi-Bonus. „Das ist doch vollkommen klar. Der Wähler entscheidet ja nicht nur rational nach einem Katalog von Problemen und den Kandidaten, die sie lösen könnten.“ Die Familie der Schauspielerin nennt sei Ende der 1970er Jahre einen Gutshof im südniedersächsischen Einbeck ihr Eigen. Nach dem Rückzug des Vaters aus der Zirkusmanege werden dort unter anderem Zirkuspferde ausgebildet.

Wenn Siemoneit-Barum nicht gerade in Köln vor der Kamera steht, lebt sie mit ihrem Mann, dem Artisten Pierre Bauer, und ihren Kindern Joshua und Rachel in dem 26 000-Einwohner-Städtchen. Die Idee für die Kandidatur sei auf einer CDU-Veranstaltung entstanden. „Sie hat mich dort angesprochen und gesagt, dass sie selbst was tun will“, erinnert sich Ebrecht. Daraufhin habe er sie gefragt, warum sie bei den Kommunalwahlen nicht ein Mandat anstrebe. „Wir freuen uns über jeden, der sich engagiert, auch gerade Jüngere und Frauen, die in der Kommunalpolitik noch immer Mangelware sind.“

Politisch werde sich Siemoneit-Barum im Falle einer erfolgreichen Kandidatur insbesondere für die Schulpolitik starkmachen. „Das ist sicherlich schon alleine wegen ihrer Kinder das Thema“, sagt Ebrecht. Als erfolgreiche Unternehmerin könne sie aber sicher auch wirtschaftspolitisch helfen. „Ich traue es ihr zu.“ Dies sieht Politikexperte Woyke ganz anders: „Promis sind für die Parteien als Kandidaten sehr viel wichtiger, als nachher als aktive Mitglieder in den politischen Gremien. Sie erregen Aufmerksamkeit, ein knappes Gut in unserer Gesellschaft.“ Später gebe es bei der Lösung von politischen Problemen jedoch keinen Promi-Bonus mehr. „Dann merken sie, wie mühsam Politik ist und schmeißen alles hin.“ (dpa)

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