Weniger Angebote und mehr Bewerber

Wegen Corona 12 Prozent weniger Lehrstellen im Kreis Northeim

Handwerks-Geschäftsführer
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Ausbildung im Handwerk: Die Betriebe halten sich mit der Meldung neuer Ausbildungsstellen zwar bislang noch etwas zurück, doch das wird sich ändern, heißt es von der Kreishandwerkerschaft. Hier ein Foto vom Northeimer Berufsfindungsmarkt 2019, bei dem sich auch das Friseurhandwerk präsentierte.

Die Corona-Pandemie und der zweite Komplett-Lockdown seit Mitte Dezember vorigen Jahres als Folge haben ihre Spuren auch auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen.

Northeim - Das Interesse der Arbeitgeber, Lehrstellen anzubieten, ist in Südniedersachsen und insbesondere auch im Kreis Northeim deutlich gesunken. So haben laut Arbeitsagentur im Kreis Northeim Wirtschaft und Verwaltung 561 Ausbildungsstellen bei der Agentur angemeldet. Das sind 12,3 Prozent oder 70 weniger als im Vorjahr, als es Corona noch nicht gab.

Dem steht eine enorm gewachsene Zahl von Lehrstellenbewerbern gegenüber. Möglicherweise schreckt Corona viele Jugendliche ab, ein Studium zu beginnen. Laut Arbeitsagentur-Sprecherin Christine Gudd haben sich bislang 545 Ausbildungsinteressierte bei der Agentur gemeldet. Das sind stolze 28 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit wird die Auswahl für die Bewerber deutlich kleiner werden als noch vor Jahresfrist.

Auch in der Region Südniedersachsen, die neben dem Kreis Northeim auch die Stadt und den Kreis Göttingen umfasst, ist die corona-bedingte Zurückhaltung der Firmen zu spüren. Seit Oktober haben Betriebe und Verwaltungen 2089 Ausbildungsplätze bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind 238 oder 10,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Demgegenüber haben sich 1521 Ausbildungsinteressierte gemeldet, 5,6 Prozent mehr.

Stefan Noort

Dass die Betriebe noch zurückhaltend seien in der Meldung von Ausbildungsstellen, sei wegen des Lockdowns insbesondere in der Gastronomie, Hotellerie und im Einzelhandel logisch. Das werde sich aber mit den jetzt eingeleiteten Lockerungen ändern, meint Stefan Noort von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover.

Eine IHK-Umfrage unter über 500 Betrieben in der Region habe ergeben, dass fast Zweidrittel 2021 zehn Prozent mehr Lehrstellen anbieten wollen. Mit der Meldung warteten aber viele noch.

Das meint auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkschef Northeim-Einbeck, Hans-Joachim Nüsse. Auch im Handwerk sei in den Betrieben noch eine abwartende Haltung ins Sachen Melden von Ausbildungsplätzen zu registrieren, sagt Nüsse. Aber auch er ist optimistisch, dass sich das schon bald ändern wird, denn Nachwuchs im Handwerk werde natürlich weiter gesucht.

Dass die Meldebereitschaft geringer ist als im Vorjahr, hänge mit den Corona-Einschränkungen zusammen. Nüsse: „Es ist doch logisch, dass sich zum Beispiel die Friseure noch zurückhalten. Schließlich waren ihre Salons ja noch bis vor Kurzem über Wochen zu.“ Dies treffe natürlich auch auf viele andere Berufszweige zum Beispiel in der Gastronomie oder auch im Kfz-Handel zu.

Kaum ein Handwerksbetrieb habe zudem in der Corona-Lockdownzeit die Gelegenheit gehabt, ein Schnupper-Praktikum für interessierte junge Leute anzubieten.

Und schließlich, so Nüsse weiter, gebe es Handwerksbetriebe, die ihre Lehrstellen nicht über die Arbeitsagentur ausschreiben würden.

Interesse an Ausbildung wächst

Aber der Northeimer Kreis-Handwerkschef sieht bei allem gesundheitlichen Leid und anderen negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft, die die Corona-Pandemie seit März vorigen Jahres hinterlassen habe, auch einen positiven Aspekt in der Krise. „Anscheinend ist das Interesse an der Handwerksausbildung gewachsen und das Studium tritt ein wenig in den Hintergrund.“

Vor dem Hintergrund des immer deutlicher werdenden Nachwuchsmangels im Handwerk sei der von der Arbeitsagentur gemeldet Bewerberanstieg für Ausbildungsplätze um 28 Prozent eine wirklich erfreuliche Nachricht.

Initiativ-Bewerbungen können Erfolg haben

Nüsse rät allen jungen Menschen, die sich für eine Handwerksausbildung interessieren, doch Initiativ-Bewerbungen herauszuschicken, auch wenn offiziell keine Lehrstelle ausgeschrieben sei. Dies könne sich mit einer guten Bewerbung vielleicht schnell ändern.

Auch bei der Kreis-Handwerkerschaft in Northeim könnten sich Interessenten jederzeit melden.

Kontakt: Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck, Tel. 05551/ 97970

(Axel Gödecke)

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