Polizei kam ihnen über Telefondaten auf die Schliche

130.000 Euro ergaunert: Teppich-Betrüger in Northeim verurteilt

Zu Haftstrafen zwischen 14 und 21 Monaten auf Bewährung hat das Northeimer Amtsgericht vier Betrüger verurteilt, die von Januar bis September 2013 im Raum Northeim aktiv waren.

Das Quartett, dem in 28 Fällen bandenmäßiger Betrug nachgewiesen werden konnte, ging der Northeimer Polizei im vergangenen Jahr ins Netz.

Mit Anzeigen und Flyern hatten die Männer, die bei 45 Betroffenen insgesamt 130.000 Euro ergaunerten, für ihren Teppichreinigungs-Service geworben. Die Preise lagen mit 174 Euro pro Quadratmeter durchschnittlich bei mehr als dem Zehnfachen der ortsüblichen Preise (15 Euro pro Quadratmeter).

„Die Bande war mit ihrer Masche erfolgreich, weil sie am Telefon keinerlei konkrete Auskünfte gab, sondern stets bemüht war, in die Häuser und Wohnungen der Betroffenen zu gelangen“, sagt Frank Grube von der Polizeiinspektion Northeim-Osterode. Er hatte die zeitweise mit acht Beamten besetzte Einsatzgruppe „Teppich“ geleitet, der es schließlich gelang, die Betrügereien aufzudecken.

Die vorgezeigten Teppiche seien weit über Wert gelobt worden, sodass die Betroffenen davon überzeugt gewesen seien, dass sich jede Reinigung oder Reparatur lohne, berichtet Grube. Durch das massive Auftreten von zwei bis drei Tätern hätten dann insbesondere hilflose ältere Betroffene in die Reinigung eingewilligt und die überhöhten Preise gezahlt.

Ohne die Anzeige eines Betroffenen aus Einbeck wären die Machenschaften des Quartetts nicht aufgedeckt worden, ist sich Grube sicher, denn die anderen Geschädigten hätten sich aus Scham nicht von allein bei der Polizei gemeldet.

Die Aufklärung des Falls ist laut Grube nur möglich gewesen, weil man auf die Telefondaten der Täter zurückgreifen konnte.

Dass die Aufklärung dieses Falls nur dadurch möglich war, ist aus Sicht von Grube ein gutes Argument für die Vorratsdatenspeicherung, gegen die es in der Gesellschaft allerdings viele Vorbehalte gebe.

„Dabei ist die Nutzung von Telefondaten zur Aufklärung von Straftaten für die Polizei bei weitem nicht so einfach, wie man sich das in der Öffentlichkeit vorstellt“, ergänzt Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue aus Göttingen. Es sei keinesweg so, dass die Polizei nur auf einen Knopf drücken müsse, um solche Daten für ihre Ermittlungsarbeit zur Verfügung zu haben. Vielmehr seien dabei mit den ermittelnden Polizeibeamten, der Staatsanwaltschaft und einem Richter drei Ebenen eingebunden, die das Für und Wider einer solchen Maßnahme abwägen. Ausschlaggebend dabei sei zum Beispiel, ob eine konkrete Gefahrenlage vorliegt oder es sich um bandenmäßige Kriminalität handelt.

Die Tatsache, dass die von dem Geschädigten aus Einbeck angezeigte Firma aufwendige Werbeanzeigen geschaltet hatte, habe den Verdacht erhärtet, dass es sich um Betrügereien in größerem Stil und somit um Bandenkriminalität handeln könnte, berichtet Laue. „Insofern war für alle Beteiligten klar, dass eine Auswertung von Telefondaten gerechtfertigt war.“

Die ergab, dass die Täter Kontakt zu 450 Personen aus den Landkreisen Northeim und Osterode hatten. „Die haben wir alle angerufen“, sagt Grube. 45 davon seien schließlich als Zeugen gehört worden und hätten mit ihren Aussagen dazu beigetragen, dass die Gruppe verhaftet werden konnte.

Vor dem Hintergrund dieses Ermittlungserfolges appellieren Polizei und Staatsanwaltschaft an die Bürger, sich an die Polizei zu wenden, wenn der Verdacht besteht, dass jemand Opfer eines Betrugsdeliktes geworden ist. Dass die Polizei ja in solchen Fällen doch nichts machen könne, sei ein weit verbreiteter Irrtum, sagt Grube. Das habe das Northeimer Beispiel eindrucksvoll gezeigt.

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