Lange Schlange beim Impfen

1400 Menschen beim Impftermin am Wochenende in der Northeimer Stadthalle

Lange Schlange am Northeimer Impfzentrum: 1400 erhielten am Wochenende ihren Piks.
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Lange Schlange am Northeimer Impfzentrum: 1400 erhielten am Wochenende ihren Piks.

Im Northeimer Impfzentrum in der Stadthalle sind am Wochenende rund 1400 Menschen gegen eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus geimpft worden.

Northeim – Das Land Niedersachsen hatte zu der Aktion aufgerufen, um die Delle bei den Impfzahlen über Ostern auszugleichen und Fahrt in die Impfungen hineinzubringen. Das Land stellte dafür 1000 zusätzliche Impfdosen von Astrazeneca zur Verfügung.

Die Aktion führte in Northeim zu einer langen Schlange um die halbe Stadthalle bis zur Kreishaustreppe an der Medenheimer Straße. Das DRK hatte die Termine für die Impfberechtigten zwar passgenau gelegt, aber viele Frauen und Männer kamen zu ihrem Termin viel zu früh. Die Folge war ein langer Stau.

Bisher rund 23 000 Menschen gepikst

Im Northeimer Impfzentrum haben bislang rund 23 000 Frauen und Männer den vor dem Virus schützenden Piks erhalten. Zu den Glücklichen gehört der 79-jährige Manfred Sander aus Kalefeld-Oldershausen. „Ich bin froh, dass ich geimpft werde“, sagte der Ruheständler, bevor ihm Alexandra Fürsten aus Sudheim routiniert und mit einem aufmunternden Lächeln die Spritze in den linken Oberarm stach und ihm den Impfstoff von Astrazeneca injizierte.

Freut sich eine Impfung zu erhalten: Manfred Sander mit Alexandra Fürsten.

Nach den Worten des Impfzentrums-Leiters Frank Beckmann werden im Impfzentrum derzeit das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Vakzin von Astrazeneca sowie die Impfstoffe von Moderna und Biontech verwendet. „Rund zehn bis 15 Prozent lehnen Astrazeneca ab“, sagt Beckmann.

„Corona ist das höhere Risiko“

Doch längst nicht alle Kritiker halten starr an ihrer Meinungen. „Sieben bis acht Skeptiker von zehn lassen sich nach Beratungsgesprächen dann doch mit Astrazeneca impfen“, sagt Dr. Ralf Schiffner, der in seinem kleinen Raum im Impfzentrum Northeim mit den Menschen über mögliche Risiken spricht.

Schiffner führt die Skepsis unter anderem auf mangelnde Aufklärung zurück. „Corona ist das höhere Risiko“, sagt er mit Blick auf mögliche negative Folgen. Zu ihnen zählt das Robert-Koch-Institut (RKI) insbesondere seltene Hirnvenenthrombosen bei jüngeren Frauen.

Großes Problem für das Impfzentrum im täglichen Geschäft sei, so Frank Beckmann, dass immer wieder Menschen nicht zu ihren Terminen erschienen. Dann müssten die Mitarbeiter kurzfristig Ersatztermine organisieren. Das gelinge auch. Beckmann: „Keine einzige Impfdosis verfällt.“

Nicht notwendige Termine rechtzeitig absagen

Der Leiter des Northeimer DRK-Impfzentrums in der Stadthalle, Frank Beckmann, bittet die im Landkreis impfenden Hausärzte, ihre Impfungen an das Zentrum zu melden, um einen genauen Überblick zu behalten. Derzeit liege die Zahl der meldenden Ärzte bei nur etwa 30 Prozent, sagte Beckmann. „Das sind zu wenig.“

Der Vorsitzende des Northeimer Ärztevereins, Wolfgang Boldt, wies die Kritik zurück. „Ich hatte die ärztlichen Kolleginnen und Kollegen gebeten, dies zeitnah mit einer Mail an das Impfzentrum zu tun, als es noch keine Stornierungsmöglichkeit im Portal des Landes gab.“ Verpflichtet seien die Vertragsärzte nicht, Meldungen von in den Praxen geimpften Patienten mit Wartelistenplätzen durchzuführen.

Großer Verwaltungsaufwand

Boldt betonte, nicht immer werde von den Patienten in den Praxen erwähnt, dass sie einen Wartelistencode haben. Boldt: „Alles in allem sind die Bürger selbst in der Verantwortung, um Wartelistenplätze oder gar Termine zu stornieren.“ Das unterstreicht auch Frank Beckmann, der zugleich aber das große Interesse an den Zahlen für einen vollständigen Überblick deutlich macht.

Dass die Impfkampagne mit einem großen Verwaltungsaufwand verbunden, kritisiert der Präsident des DRK-Kreisverbandes Göttingen-Northeim, Prof. Dr. Carsten Hufenbach. „Für einen Piks sind drei Verwaltungskräfte erforderlich.“ Er wünscht sich ein pragmatischeres Vorgehen.

Für das Northeimer Impfzentrum sucht das DRK weitere haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Ab 1. Mai sind in dem Zentrum 66 Mitarbeiter beschäftigt, davon 18 in Vollzeit, 18 in Teilzeit und 30 auf geringfügiger Basis. Gesucht werden examinierte Pflegekräfte, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter, medizinische Fachangestellte sowie Verwaltungs- und Betreuungspersonal, sagt Petra Reußner, Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes. Seit Start des Impfzentrums Mitte Dezember 2020 haben zudem 65 Ehrenamtliche insgesamt knapp 1700 Stunden mitgearbeitet. (Hans-Peter Niesen)

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