Abschiedskonzert steht vor der Tür

1978 gastierten die Puhdys sensationell in Northeim

Puhdys von damals: So kennen die Fans die Formation noch aus den 1970er- und 1980er-Jahren und so ähnlich sahen sie auch aus, als sie in 1978 in Northeim auftraten. Foto: nh

Northeim. Das Abschiedskonzert der Kultband Puhdys aus der DDR am kommenden Samstag, 25. April, in der Northeimer Stadthalle ist ausverkauft.

Das zeigt die Beliebtheit der Formation auch im Landkreis Northeim. Im Jahr 1978 war die Band schon einmal in Northeim, in der damals erst ganz neuen, später abgerannten Stadthalle.

An die Sensation von damals erinnert sich der ehemalige Northeimer Kultusamtschef Harald März. Er schreibt:

„Vor 37 Jahren bröckelte der Eiserne Vorhang auch in Northeim! Die Ostzonen-Rock-Band „Puhdys“ gastierte im Westen. Die kleine Tour durch ausgewählte BRD-Städte erfolgte im Anschluss an einen spektakulären Auftritt in der Fernsehsendung „Musikladen“.

Mike Leckebusch und Manfred Sexauer taten ihr Bestes, um die Westkarriere der Band zu fördern.

Als damals junger Jugendpfleger der Stadt Northeim war ich begeistert, mit einem Konzert die „Zonengrenze“ ein bisschen öffnen zu können (später traten auch „City“ und „Karat“ in Northeim auf). In Northeim gab es sogar eine Puhdys-Cover-Band: „Antares“ nannten sich die Musiker um Martin Albrecht.

Mit der Konzertagentur Hansi Dobratz aus Braunschweig wurde der Vertrag für ein exklusives Konzert in der damals neuen Northeimer Stadthalle gechlossen, 900 Karten waren im Nu verkauft, War die Sensation perfekt? Klappt alles? Zittern bis zuletzt. Dann waren sie wirklich da: Maschine, Quaster, Harry Jeske, „Eingehängt“ Meyer und Drummer Wosylus.

Und dazu kam noch ein politischer Aufpasser, den wir „Ulbricht“ nannten. Während des Konzerts brannte die Luft. Die After-Show-Party in der Gaststätte Schere dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Das hat „Ulbricht“ nicht verkraftet, so erfuhr er auch nicht, dass die Puhdys im Interzonenhandel in Sachen Doppelstecker unterwegs waren. Am nächsten Tag gab es in Northein keine mehr.

Böses Erwachen auch am nächsten Morgen. Die 900 Konzertbesucher hatten in der 1976 neu erbauten (und 1986 abgebrannten) Northeimer Stadthalle Gebrauchsspuren hinterlassen.

Nach einer Besichtigung der Schäden durch den Verwaltungsausschuss wurde ein Rockverbot fur die gute Stube der Stadt erlassen. Und es gab noch eine Überraschung durch das Finanzamt: Für das Konzert der „Brüder aus der „Zone“ musste die Stadt Northeim Ausländersteuer bezahlen.

Denke ich an die Puhdys, dann fällt mir einiges ein. Mal sehen, wen man so trifft am 25. April beim Abschiedskonzert der Puhdys in Northeim.“ 

www.puhdys.com

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