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Northeimerin im Maisfeld erstochen: Angeklagter griff schon früher Frauen an

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Von: Heidi Niemann

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Der Tatort: In diesem, nur wenige Tage nach der Tat abgeernteten Maisfeld fanden Spaziergänger die Leiche des Opfers.
Der Tatort: In diesem nur wenige Tage nach der Tat abgeernteten Maisfeld fanden Spaziergänger die Leiche des Opfers. © Olaf Weiss

Ein halbes Jahr nach dem brutalen Mord an einer Frau in Northeim wird dem Angeklagten der Prozess gemacht. Ein Gutachter geht von verminderter Schuldfähigkeit aus.

Northeim – Sechs Monate nach dem Fund einer Frauenleiche in einem Maisfeld in Northeim hat die Staatsanwaltschaft Göttingen jetzt einen 58 Jahre alten Patienten des Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen (MRVZN) in Moringen wegen Totschlags angeklagt.

Ihm werde zur Last gelegt, am 25. September vergangenen Jahres eine ihm bis dahin unbekannte 64-jährige Walkerin aus Northeim mit einem Messer getötet zu haben, teilte Behördensprecher Andreas Buick am Freitag mit. Der 58-Jährige ist bereits seit mehr als 40 Jahren wegen verschiedener Gewaltdelikte im Maßregelvollzug untergebracht.

Auch bei den früheren Taten hatte er Frauen angegriffen und zum Teil lebensgefährlich verletzt. Zum Zeitpunkt des neuen Vorfalls war er in einer Außenwohngruppe des Maßregelvollzugszentrumsuntergebracht. Er wurde danach wieder in den geschlossenen Vollzug verlegt.

Prozess um Mord an Frau in Northeim: Spaziergänger entdecken Leiche

Spaziergänger hatten den Leichnam der 64-Jährigen in der Nähe der Northeimer Kläranlage entdeckt. Die Frau habe mehrere Messerstiche aufgewiesen, sagte Buick. Der 58-Jährige war bereits frühzeitig in Verdacht geraten und daraufhin am Sonntagmorgen in den gesondert gesicherten und verschlossenen Bereich des Maßregelvollzugszentrums verlegt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei ihm ein Messer mit einer zehn Zentimeter langen Klinge gefunden. Der Angeschuldigte habe bislang keine Angaben zur Sache gemacht, sagte Buick.

Der 58-Jährige ist im Landkreis Northeim aufgewachsen. Seit Januar 1981 befindet er sich im Maßregelvollzug. Damals hatte das Jugendschöffengericht Northeim seine Unterbringung angeordnet. Laut Staatsanwaltschaft hatte er im Frühjahr 1980 einer 22-jährigen Fahrradfahrerin am Ortsausgang von Bovenden mit einem Messer einen Stich in den Rücken versetzt. Einige Zeit später habe er eine ihm ebenfalls unbekannte 27-jährige Frau vom Fahrrad gestoßen und durch zwei Messerstiche in Brust und Rücken verletzt. Das Gericht ging aufgrund eines Sachverständigengutachtens davon aus, dass der Angeschuldigte zu den Tatzeiten eingeschränkt schuldfähig gewesen war.

Die nächste Tat beging er, als ihm im Rahmen der Unterbringung ein Familienurlaub gewährt worden war. Im Sommer 1986, so die Staatsanwaltschaft, stieß er eine ihm unbekannte 45-jährige Radfahrerin im Leinetal bei Bovenden vom Fahrrad und stach insgesamt viermal mit einem Messer auf ihren Oberkörper ein und verletzte sie lebensgefährlich. Das Landgericht Göttingen verurteilte ihn deshalb im Dezember 1987 wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und ordnete die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Prozess um Mord an Frau in Northeim: Angeklagter im geschlossenen Vollzug

Im November 2005 verurteilte ihn das Landgericht Göttingen wegen exhibitionistischer Handlungen gegenüber ihm unbekannten Frauen in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten. Zum Tatzeitpunkt im Juli 2004 waren ihm Lockerungen gewährt worden.

Seit Februar 2021 befand sich der Angeschuldigte, dem zuvor zahlreiche Lockerungen bewilligt worden waren, mit zwei weiteren Patienten in einer Außenwohngruppe des MRVZN. Laut eines Sprechers des Sozialministeriums war der 58-Jährige auf Grundlage eines psychiatrischen Gutachtens aus dem Jahr 2021 und im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft im offenen Maßregelvollzug untergebracht gewesen sei. Er habe die Einrichtung unter Auflagen verlassen dürfen.

Vier Tage nach dem Gewaltverbrechen erließ das Amtsgericht Northeim auf Antrag der Staatsanwaltschaft Göttingen einen einstweiligen Unterbringungsbefehl. Der Angeschuldigte befindet sich seither im geschlossenen Vollzug, teilte Buick mit. Außerdem beauftragte die Staatsanwaltschafteinen Sachverständigen mit der Erstellung eines neuen psychiatrischen Gutachtens. Dieser komme zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeschuldigten zur Tatzeit erheblich vermindert gewesen sei und aufgrund dessen auch von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit auszugehen sei. (Heidi Niemann)

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