Seltenes Jubiläum

60 Jahre Jäger im selben Revier in Fredelsloh

Vor der rot gestrichenen Fredelsloher Jagdhütte der Landesforsten: Karl-Heinz Borchers (Mitte) kann ein seltenes Ereignis feiern: Seit 60 Jahren jagt er im Revier Fredelsloh. Es gratulieren Forstamtsleiter Thomas Reulecke (links) und Revierförster Thorsten Möhlenhoff.
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Karl-Heinz Borchers (Mitte) jagt seit 60 Jahren im Revier Fredelsloh. Es gratulieren Forstamtsleiter Thomas Reulecke (links) und Revierförster Thorsten Möhlenhoff.

Karl-Heinz Borchers (82) aus Lutterbeck jagt seit 60 Jahren im Revier Fredelsloh der niedersächsischen Landesforsten.

Fredelsloh - In Südniedersachsen und vielleicht darüber hinaus dürfte eine so lange Zeit als Inhaber eines Jagderlaubnisscheins wohl einmalig sein. Darüber sind sich der Dasseler Forstamtsleiter Thomas Reulecke und der Pressesprecher der Landesforsten für den Südzipfel des Landes, Michael Rudolph, einig. „Leider führen wir über die Jagderlaubnisscheininhaber keine entsprechenden Statistiken“, bedauert Rudolph.

Der pensionierte Polizeibeamte Borchers kam durch einen Zufall ins Revier Fredelsloh. Als junger Polizist konnte er Anfang der 1960er-Jahre dem damals mit einem fast neuen Auto liegengebliebenen Revierförster Devient helfen, den Schadensverursacher festzustellen.

Aus der dienstlichen Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft. Borchers absolvierte die Jägerprüfung und stieg in den Jagdbetrieb des Reviers ein, dem er bis heute treu geblieben ist.

Inzwischen ist daraus eine Familienleidenschaft geworden. Sein Sohn Axel hat es inzwischen auf 31 Jahreserlaubnisscheine gebracht und sein Enkel Marius auf vier.

Eine besondere Beziehung verbindet Borchers mit dem langjährigen und seit 2009 pensionierten Revierförster Rolf Czarnowski.

Vielleicht lag es daran, dass beide gebürtig aus dem an der Leine gelegenen Gronau sind, vielleicht lag es auch einfach an der gleichen Wellenlänge. „Wir haben eine schöne Zeit verbracht.“

Leuchtende Augen bekommt Karl-Heinz Borchers, wenn er von der Erlegung des so genannten „Pensionshirschs“ von Rolf Czarnowski erzählt. Er half beim „Verhören“ des Hirschs mit, um den Standort des Tiers über sein Röhren herauszufinden. Die Erlegung gelang. Weil der Kopfschmuck des Hirschs ein wenig an einen Elch erinnert, wird der Erlegungsort heute Elchkante genannt.

Die offene Art, sein Können und seine Hilfsbereitschaft ließen Karl-Heinz Borchers mit allen Revier- und Forstamtsleiter gut klarkommen. Der jetzige Revierleiter Thorsten Möhlenhoff sagt klipp und klar: „Ich kann mir keine bessere Unterstützung vorstellen.“

Borchers möchte weiter im Revier Fredelsloh aktiv sein. „Fit wie ein Turnschuh“ dürften dem fesselnden Erzähler und passionierten Jäger noch etliche Jahre vergönnt sein. Jetzt überlegt er, mit welchem Hund er seine Brandl-Bracke ersetzen kann, die nach vielen Nachsuchen ihren jagdlichen Ruhestand genießen soll.

Erschüttert ist Borchers über das Ausmaß der Waldschäden nach den Stürmen, den Dürren und dem Borkenkäferbefall der vergangenen Jahre. „Es hat mich umgerissen“, sagt er. Von den 1960er-Jahren an hatte er miterlebt, mit welchem Aufwand Flächen aufgeforstet und der Wald nachgewachsen ist. „Was war das für eine Arbeit“, erinnert er sich.

Nach Darstellung von Landesforst-Pressesprecher Michael Rudolph sind allein in den vergangenen drei Jahren in den beiden Solling-Forstämtern Neuhaus und Dassel rund 1,2 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. (zhp)

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