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Northeim: Zugunglück vor 30 Jahren brachte viele Retter an ihre Grenzen

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Von: Kathrin Plikat

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Retter im Dauereinsatz: Mehr als 500 überwiegend ehrenamtliche Kräfte waren vor 30 Jahren beim Zugunglück am Northeimer Bahnhof dabei.
Retter im Dauereinsatz: Mehr als 500 überwiegend ehrenamtliche Kräfte waren vor 30 Jahren beim Zugunglück am Northeimer Bahnhof dabei. © Wolfgang Rink/Archiv

Das schwere Zugunglück am 15. November 1992 im Northeimer Bahnhof forderte elf Todesopfer und mehr als 50 teils Schwerverletzte. Einsatzkräfte aller Organisationen waren tagelang im Einsatz.

Northeim – Als am 15. November 1992 um kurz nach 1.30 Uhr überall im Landkreis Northeim plötzlich Funkmeldeempfänger piepten, Sirenen heulten und Notrufe bei Feuerwehr und Polizei eingingen, ahnte ganz bestimmt noch niemand, was die Einsatzkräfte in dieser November-Nacht vor 30 Jahren am Northeimer Bahnhof erwartete. Rückblickend steht fest: Das Zugunglück von Northeim, das elf Menschen das Leben kostete und bei dem über 50 Menschen teils schwer verletzt wurden, stellte Rettungskräfte, Mediziner, Bahn-Mitarbeiter, Polizeibeamte und viele andere Beteiligte vor eine riesige Herausforderung, für einige sicherlich vor die größte ihres bisherigen Lebens.

Und auch noch viele Jahre später ist das Datum 15. November 1992 eben ein Tag, der sich ins Gedächtnis gebrannt hat: Tote und schwer verletzte Menschen, Schreie, zerborstenes Metall, Bilder, die wohl von den meisten Beteiligten immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden können.

Trotz der schrecklichen Ereignisse dieser Nacht ist in Gesprächen mit Zeitzeugen auch noch Jahrzehnte später ein positiver Aspekt in Erinnerung: die gute und vor allem effektive Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen, egal ob Rettungsdienst, Feuerwehr, Technisches Hilfs-Werk oder Polizei beim Zugunglück.

Über 320 Feuerwehrleute, 100 Rettungssanitäter und Ärzte, 50 Angehörige des THW und 30 Polizeibeamte waren in dieser Nacht und den Tagen danach im Einsatz. Und diese gute Zusammenarbeit sollte auch später noch Früchte tragen: So wurde zum Beispiel im Landkreis Northeim unter Leitung von Dr. Gernot Maxisch eine Schnelleinsatzgruppe aufgebaut, die den Regelrettungsdienst bei Großschadenslagen und Katastrophen unterstützt. 1998 wurde zudem die Notfallseelsorge im Landkreis ins Leben gerufen, deren Mitglieder Opfer, Angehörige, aber vor allem auch Einsatzkräfte seelsorgerisch unterstützt.

Der Schlafwagen des Personenzugs war von den Gleisen auf die Bundesstraße gestürzt. Hier starben die meisten Passagiere.
Der Schlafwagen des Personenzugs war von den Gleisen auf die Bundesstraße gestürzt. Hier starben die meisten Passagiere. © Wolfgang Rink/Archiv

Doch was war in dieser Nacht zum 15. November 1992 überhaupt passiert? Im Nachhinein sprach man von „einer Verkettung unglücklicher Umstände“: Ein Waggon eines Güterzugs hatte um 1.30 Uhr einen Puffer verloren. Dieser blieb auf den Gleisen liegen und brachte 15 Güterwaggons zum Entgleisen.

Der zu diesem Zeitpunkt entgegenkommende Schnellzug mit Schlafwagen kollidierte mit einem der querstehenden Güterwaggons. Bei dem Zusammenstoß des 120 km/h schnellen Personenzugs mit dem Waggon des Güterzugs wurden mehrere Wagen des Personenzuges seitlich aufgeschlitzt.

Der Schlafwagen durchbrach dabei das Geländer der Bahnbrücke über die Bundesstraße 241 am Bahnhof in Richtung Sollingtor und stürzte ab. In diesem Waggon kamen schließlich die meisten der getöteten Passagiere ums Leben. Auch der 44 Jahre alte Lokführer des Schnellzuges überlebte den schweren Unfall nicht.

Der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder besuchte „am Tag danach“ den Unglücksort, vor allem, um den Einsatzkräften ein Lob auszusprechen. (kat)

Weitere Bilder vom Zugunglück

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