Reaktionen aus Einzelhandel und Gastronomie auf Notbremse

Im Landkreis Northeim setzen jetzt alle aufs Testen

Mann mit Corona-Maske steht vor einem Bekleidungsgeschäft und kontrolliert einen Impfpass
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„Gelbe Karte“ als Passierschein: Für Michael Böhnert vom Modehaus Magnus gehört ab sofort auch das Kontrollieren von Impfpässen zum Tagesgeschäft.

Die verschärften Corona-Regeln sind eine Herausforderung für den Einzelhandel und die Gastronomie im Landkreis Northeim.

„Wir können nur froh sein, dass es in Northeim genügend Möglichkeiten für Corona-Schnelltests gibt.“ So kommentierte Michael Böhnert, Leiter des Northeimer Modehauses Magnus, die seit heute geltenden verschärften Einschränkungen für den Einzelhandel durch die sogenannte Bundesnotbremse (wir berichteten).

Dank der Schnelltests sei es zwar möglich, Kunden per Click & Meet zu bedienen, die noch nicht zweimal geimpft sind oder noch keine Coronainfektion hatten, so Böhnert. Aber dass der Einzelhandel jetzt Impfpässe kontrollieren muss, sei schon irgendwie unfassbar – zumal ja noch vor ein paar Tagen ein schwacher Hoffnungsschimmer zu spüren gewesen sei.

Die anhaltenden Einschränkungen seien für die Bekleidungsbranche ein zunehmendes Problem, denn im Gegensatz zu vielen anderen Produkten seien Textilien Saisonware, die irgendwann überhaupt nicht mehr zu verkaufen sei, erklärt Böhnert. „Das, was wir jetzt in den Läden haben, mussten wir bereits vor sechs bis sieben Monaten bestellen, und da konnte noch keiner ahnen, dass sich die Kundenbedürfnisse derart verändern würden, weil die Menschen zum großen Teil weiterhin im Homeoffice arbeiten und auf Veranstaltungen und Familienfeiern verzichten müssen.“

Aus Sicht von Sam Ledderhose, Inhaber des Hotels und Restaurants Sachsenross in Lütgenrode, ist der Ausfall größerer Veranstaltungen das vordringlichste Problem. Er wünscht sich Maßnahmen, die solche Events möglich machen. Angesichts der zunehmenden Testkapazitäten schlägt er vor, für die Teilnahme an Veranstaltungen dieselben Kriterien zugrunde zu legen wie beim Einkauf im Einzelhandel.

Bezüglich der finanziellen Unterstützung vom Staat könne er sich nicht beklagen, betont Ledderhose. Damit die Gastronomie langfristiger planen könne, müsse die Politik aber den Betrieben eine Perspektive geben. „Wir hatten gerade die Außenkapazitäten verdoppelt und mussten zwei Tage später gleich wieder schließen“, sagt er. Das sei insbesondere Gästen aus dem Nachbarkreis Göttingen nur schwer zu vermitteln.

Als äußerst kompliziert bezeichnet Michel Burgion vom Uslarer Eiscafé San Marco die betriebliche Umsetzung der geltenden Notbremsen-Verordnung. Eigentlich wollte er seine seit Wochen vorbereitete Außenterrasse ab Montag öffnen. Gerade vor dem Hintergrund des sonnigen Wochenend-Wetters sei das eine Perspektive gewesen. Doch für zwei Tage die Außengastronomie öffen, um sie dann wegen der Notbremse auf unbestimmte Zeit wieder zu schließen, mache betriebswirtschaftlich keinen Sinn.

„Wir brauchen einen Vorlauf für die Bestellung von Milch und frischem Obst und auch die Eisproduktion dauert seine Zeit“, sagt Burgio. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum beklagt er bisher rund 40 Prozent Umsatzrückgang. Er hat bisher auch nur zwei statt sonst vier Mitarbeiter beschäftigt. Die kümmern sich jetzt zusammen mit ihm ausschließlich um den Mitnehm-Betrieb seines Eiskiosks an der Wiesenstraße und in der Eisdiele in der Innenstadt.

Einen Schnelltest vor der Eisbestellung hält er für unpraktikapel. Viele seiner Kunden seien sauer, weil keine richtig praktikablen Lösungen möglich sind. Burgio wünscht sich, dass er seine Kunden bald so wie vor einem Jahr mit Abstands- und Hygieneregeln zumindest auf seiner Außenterrasse begrüßen kann.

Auch Dominik Paris vom Café Ahrens in Northeim ist genervt vom ständigen Hin und Her der Corona-Auflagen. Es sei eine Herausforderung, die sich ständig ändernden Maßnahmen umzusetzen. „Es ist ja nicht so, dass man erst mittags in der Küche anfängt“, so Paris, sondern ein frisches Speisenangebot bedürfe einiges an Vorbereitung.

Er bedauert zudem, dass selbst wenn die Außengastronomie öffnen dürfte, es trotz Hygienekonzepts keine Ausweichmöglichkeit in den Innenraum für die Gäste geben würde, falls dann doch mal Regenwolken aufziehen würden. Er hätte sich gewünscht, dass wenigstens Geimpfte und Getestete jetzt wieder in seinem Restaurant essen dürften.

Dass nun die Notbremse gezogen werden musste sei schlimm, nicht nur für ihn, sondern auch für alle anderen Kollegen und Mitarbeiter in der Gastronomie.

Da habe man aufgrund der Öffnungsankündigungen gerade ein bisschen Licht am Ende des Tunnels gesehen und nun sei es schon wieder weg. Ihm bleibe somit vorerst weiterhin nur der Außerhausverkauf.

Trotz der frustrierenden Situation richtet er den Blick nach vorn: „Wir geben die Hoffnung nicht auf und wollen, sobald es geht, wieder richtig loslegen.“

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