Erste Anlage in Holtershausen stillgelegt

Alte Windräder im Kreis Northeim vor dem Aus

Manfred Helmke vor einer Windkraftanlage
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Dass dieses Windrad auf dem Holtershäuser Berg als erste Anlage im Landkreis Northeim stillgelegt werden musste, ist für Manfred Helmke das Ergebnis einer verfehlten Energiepolitik.

Northeim – Im Landkreis Northeim stehen in den kommenden zwei Jahren drei von insgesamt 40 noch laufenden Windraftanlagen vor dem Aus. Ein weiteres Windrad, das bereits 1998 in der Einbecker Ortschaft Holtershausen in Betrieb genommen wurde, musste bereits Anfang dieses Jahres stillgelegt werden.

Hintergrund dafür ist, dass die Förderung solcher alten Anlagen über das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das einen Abnahmepreis von 9 Cent pro Kilowattstunde garantiert, nach 20 Jahren entfällt, sodass der Betrieb unwirtschaftlich wird.

„Daran ändert auch die Novellierung des EEG vom vergangenen Jahr nichts“, sagt Manfred Helmke aus Holtershausen, der als Mitglied der Betreibergemeinschaft mit einer „Todesanzeige“ für die Windkraftanlage Holtershäuser Berg für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Für die Art und Weise, wie er auf die aus seiner Sicht verfehlte Politik in Sachen Windenergie hingewiesen hat, musste der Einbecker Grünen-Ratsherr Kritik einstecken – auch von seinen Betreiber-Kollegen. Aber in der Sache geben sie ihm recht.

„Vor 20 Jahren haben wir die Idee, grünen Strom zu produzieren, euphorisch unterstützt“, sagt Udo Strohmeier, Sprecher der Betreibergemeinschaft Windraftanlage Holtershäuser Berg. Dass es jetzt für die Betreiber solcher alten Anlagen keine Möglichkeit mehr gebe, sie wirtschaftlich weiter zu betreiben, sei vor dem Hintergrund der propagierten Energiewende nicht zu verstehen.

Helmke wirft der Politik auf Bundes- und Landesebene vor, nicht in der Lage gewesen zu sein, eine Regelung zu finden, die es Betreibern erlaube, eine Anlage nach 20 Jahren weiter zu betreiben. Wie kompliziert die Angelegenheit inzwischen sei, könne man daran sehen, dass die Novellierung 2020 des EEG 178 Seiten habe, währen die Urfassung des Gesetzes im Jahr 2000 mit vier Seiten ausgekommen sei.

„Unser Windrad hat in den vergangenen 20 Jahren 15,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt“, erklärt Menfred Helmke. Bei einem Energiebedarf von rund 460 000 Kilowattstunden für die Produktion und den Betrieb der Anlagen bedeute das unter dem Strich eine CO2-freie Produktion von 15 Millionen Kilowattstunden, die so jetzt nicht mehr fortgesetzt werden könne.

Bundesweit gelte das in diesem Jahr für rund 6000 Windkraftanlagen, so Helmke und in den Folgejahren 2022 bis 2027 für jährlich etwa 1600 weitere.

Auch für eines der Windräder auf dem Heiligenberg bei Lichtenborn wäre eigentlich zum 31. Dezember Schluss gewesen, weil die Förderung über das EEG nach 20 Jahren ausgelaufen ist.

Auf dem Heiligenberg bei Lichtenborn produzieren derzeit drei Windkraftanlagen Strom.

„Wir haben uns aber bereits vor vier Jahren mit der Frage beschäftigt, was wir mit der Anlage machen, wenn die Förderung ausläuft“, sagt Betreiber Frank Ahrens. „Und wir haben uns entschieden, die Anlage weiterlaufen zu lassen und in die Direktvermarktung zu gehen, auch wenn das mit einem größeren Risiko verbunden ist, weil wir als Anbieter quasi heute den Strom von morgen verkaufen und dafür entsprechende Sicherheiten brauchen.“ Das gelte nicht nur für die Politik auf Bundes- und Landesebene, sondern auch direkt vor Ort, betont Ahrens und verweist darauf, dass in dem Bereich, in dem seine Windräder stehen, künftig keine neuen Anlagen errichtet werden können, weil das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises dort kein Vorranggebiet für Windkraft vorsieht.

Frank Ahrens

Die zweite kleinere Anlage in Lichtenborn kann noch für drei Jahre wie bisher betrieben werden, und die große Anlage, mit der vor vier Jahren drei weiter kleinere Anlagen im Rahmen eines sogenannten „Repowering“ ersetzt wurden, kann noch 16 Jahre lang laufen.

Insgesamt sieht auch Ahrens die Situation im Bereich der erneuerbaren Energie in Deutschland kritisch und verweist darauf, dass man in anderen Ländern in Bezug auf den Ausbau des Netzes für regenerative Energieformen viel weiter sei.

„Es ist noch gar nicht lange her, dass Friday-for-Future-Demonstationen in Deutschland von einem Großteil der Gesellschaft unterstützt wurden“, gibt er zu bedenken. Doch angesichts der Corona-Krise gerate das ebenso wichtige Thema Energiewende immer weiter in den Hintergrund.

Das ständige Stop-and-go bei der Energiewende sei für die Betreiber von Windenergieanlagen unbefriedigend.

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