Corona: Beten nur auf dem eigenen Teppich

Am Dienstag beginnt für Northeims 1000 Muslime der Ramadan

Zeki Iriz (links) und Mustafa Göksu von der Northeimer Ditib-Gemeinde
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Maske tragen, Abstand halten und den eigenen Gebetsteppich mitbringen: Die Northeimer Ditib-Gemeinde setzt auf strenge Auflagen, berichten Zeki Iriz (links) und Mustafa Göksu.

Gebete nur in kleinem Kreis, Koran-Rezitationen online und kein gemeinsames Fastenbrechen: Zum zweiten Mal begehen Northeims rund 1000 Muslime den Ramadan unter Corona-Bedingungen.

Northeim – Von Dienstag an frühstücken die Gläubigen bereits vor Morgengrauen. Von 4.30 Uhr an bis Sonnenuntergang essen und trinken sie dann nichts mehr. „Hunger und Durst wecken unser Mitgefühl mit den Armen“, erklärt Zeki Iriz, der Religionsbeauftragte der türkischen Ditib-Gemeinde.

Muslime spendeten während des Ramadans Geld für Notleidende etwa in Afrika oder Syrien. Das Fasten reinige Körper und Geist. Die Frommen bemühten sich um ein besonders gottgefälliges Leben, gingen in sich und beteten mehr als sonst. Im Laufe von 30 Tagen werde der Koran bei abendlichen Lesungen einmal komplett vorgetragen – auf Arabisch, auch wenn das viele Gläubige nicht verstehen würden.

„Es werden nicht viele Menschen in unsere Moschee kommen“, erwartet Mustafa Göksu, der Vorsitzende der 140 Mitglieder starken Gemeinde, die ihre Moschee am Mönchsgraben hat.

Zuhause waschen

Jeder Gast müsse seit Beginn der Pandemie die vor dem Gebet vorgeschriebenen Waschungen bereits zuhause vornehmen, einen eigenen Gebetsteppich mitbringen, sich beim Betreten des Gebäudes in eine Namensliste eintragen, beim Beten zwei Meter Abstand zu anderen halten und eine Maske tragen. „Wir verkürzen zudem die Gebete“, betont Imam Iriz. Mehr Platz kann die Moschee Al-Ithbat wa Tanzih maximal 25 Betenden bieten, sagt Sprecher Hamdin Omeirate.

Die Gemeinde ist Ende 2020 vom Schlachthausweg 5 ein paar Meter weiter an die Rhumestraße 2 umgezogen. Ein Dutzend Mitglieder zählt die Moschee. Zu den Freitagsgebeten kamen vor Beginn der Pandemie bis zu 100 Personen – Muslime aus arabischen Ländern, vom Balkan, aus dem Kaukasus und Südasien. Die Gemeinde steht dem Islamischen Verein für wohltätige Projekte (Berlin) nahe. Er hat seine Wurzeln im Libanon und grenzt sich von salafistischen Gruppen ab, „irregeleiteten Sekten“, wie Omeirate erklärt.

„Was sollen wir machen?“

Nur zweimal in der Woche treffen sich gegenwärtig die Schiiten des Northeimer Al-Huga-Vereins, berichtet ein Sprecher. Ein besonderes Ramadan-Programm gibt es in diesem Jahr in den 2014 bezogenen Räumen Am Schützenring 3 nicht. „Was sollen wir machen?“, fragt der Sprecher. Die Stimmung werde auch dadurch gedrückt, dass viele Mitglieder in Kurzarbeit sind.

„Wir halten unsere Versammlungen zur Zeit online ab“, berichtet Aijaz Ahmed von der Northeimer Ahmadiyya Muslim Gemeinde, die sich 2013 gebildet hat. Die Deutschland-Zentrale der Gemeinschaft in Frankfurt habe für den Ramadan ein Programm zusammengestellt, dem die knapp 40 Mitglieder nun zuhause am Bildschirm folgten. Die beiden Kellerräume in einer Privatwohnung, die sie sonst für ihre Treffen nutzten, seien derzeit verwaist, so Ahmed.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft, die ihren Gründer als Propheten verehrt, entstand 1889 in Indien. (Michael Caspar)

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