Online-Riese verzichtet überraschend auf Verteilzentrum

Paukenschlag im Industriegebiet-West: Amazon kommt nun doch nicht nach Northeim

Im Westen Northeims, im Bild neben und oberhalb der Betriebsgebäude der Energie-Netz Mitte des Energieversorgers EAM (Bildmitte) befinden sich die Grundstücke, auf dem das Amazon-Verteilzentrum entstehen soll.
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Hier sollte das Amazon-Verteilzentrum entstehen: Im geplanten neuen Industriegebiet West in Northeim war eine Fläche, die im Bild neben und oberhalb der Betriebsgebäude der Energie-Netz Mitte des Energieversorgers EAM (Bildmitte) zu sehen ist, für das Verteilzentrum gedacht.

Versandhändler Amazon kommt nun doch nicht nach Northeim. Aus dem geplanten Verteilzentrum, in dem 120 Mitarbeiter beschäftigt werden, wird nichts.

Northeim – Diese Bombe ließen die Vertreter der in Luxemburg beheimateten Firma „P3 urban Germany“ am Montagabend zu Beginn der Sitzung des Northeimer Finanzausschusses platzen. Sie sollte das Zentrum bauen, um es an Amazon zu vermieten. In der Sitzung sollte eigentlich der Kaufvertrag für das 5,4 Hektar große Gelände abgesegnet werden, den der Rat dann am 16. Dezember hätte beschließen sollen. Danach hätte die Stadt 1,32 Millionen Euro bekommen.

Die beiden per Videokonferenz zugeschalteten P3-Manager betonten, dass auch für sie die Absage von Amazon überraschend gekommen sei, nachdem jetzt der Bebauungsplan endlich unter Dach und Fach sei. Amazon habe die Entscheidung damit begründet, dass man statt eines Neubaus in Northeim lieber bestehende Verteilzentren in der Nähe, wie Salzgitter-Lengede, vergrößern wolle.

Amazon kommt nun doch nicht nach Northeim: Bürgermeister Hartmann bedauert Absage

Die P-3-Planer boten aber der Stadt an, das Gelände weiter für den genannten Preis kaufen und für den Neubau eines klassischen Logistikzentrums mit großen Lagerhallen erschließen zu wollen. P3-Planer Nicholas Haas: „Das entspricht auch unserem Kerngeschäft.“ Vorteil für Northeim wäre, dass 25 Prozent weniger Verkehr zu erwarten sei, wie bei einem Amazon-Verteilzentrum.

Bürgermeister Simon Hartmann bedauerte die Amazon-Absage. Man habe über zwei Jahre viel Herzblut und Kraft in die Planung gesteckt. „Wir müssen uns für die Zukunft fragen, ob so viel Zaudern und Zögern nötig war“, sagte er. Er plädierte dafür, die Fläche trotzdem an P3 zu veräußern. Dann brauche auch die Stromfreileitung auf dem Gelände nicht in die Erde verlegt werden, was 2,7 Millionen Euro kosten würde. Das sah auch Berthold Ernst (SPD) so, allerdings nicht Markus Krohn (Grüne) und Eckhard Ilsemann (FDP), die lieber eine Vermarktung an kleine und mittlere Unternehmen sähen.

Simon Hartmann, Bürgermeister der Stadt Northeim.

Amazon kommt nun doch nicht nach Northeim: Über eineinhalb Jahre Planung scheitern

Der Verkauf der Fläche wurde letztlich vertagt, der Erlös von 1,3 Millionen Euro vorsorglich nicht in den Etatentwurf 2022 der Stadt Northeim aufgenommen.

Vorgestellt hatte Amazon seine Pläne für ein Verteilzentrum im Industriegebiet-West Northeim erstmals im Mai 2020. Es sollten 120 Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich im Zentrum und 300 für selbstständige Auslieferer entstehen.

Die Planung verzögerte sich aber dann immer wieder. Erst fehlten Umwelt-Ausgleichsflächen, dann gab es Probleme mit eventuell zu hohen Erschließungskosten, die Amazon nicht zahlen wollte, dann war eine Erdverkabelung einer Stromleitung zu teuer. Erst im zuletzt im Oktober 2021 abgesegneten Bebauungsplan waren alle Probleme endlich gelöst. (Axel Gödecke)

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