Angst beim Blick aufs Smartphone

Cybermobbing beginnt schon in der Grundschule

Jasmin Roquemore und Gudrun Nixdorff (rechts) von der Polizeipuppenbühne klären über den Umgang im Internet auf.
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Jasmin Roquemore und Gudrun Nixdorff (rechts) von der Polizeipuppenbühne klären über den Umgang im Internet auf.

Cybermobbing ist laut aktueller Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse auf dem Vormarsch.

Landkreis Northeim - Demnach ist die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 21 Jahren seit 2017 um 36 Prozent gestiegen, von 12,7 Prozent auf 17,3 Prozent 2020. In absoluten Zahlen sind das fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche.

Thomas Sindram vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Northeim liegen keine eigenen Zahlen aus dem Landkreis Northeim vor, da Cybermobbing nicht eigens in den Daten der Polizei markiert ist. Was für ihn jedoch auffällig ist, dass die Opfer immer jünger werden. „Bereits in der Schultüte haben viele Kinder das Smartphone, ab der dritten Klasse gibt es kaum noch Kinder ohne“, so seine Erfahrung. Einher geht die Gefahr, dass Inhalte geteilt und veröffentlicht werden, die die Betroffenen leiden lassen. Die Folgen sind oft gravierend, das reicht von Tabletten- und Alkoholsucht bis zu Suizid. „Die Kinder verfolgt das Mobbing den ganzen Tag, bei jedem Blick auf das Handy“, so Sindram. Der psychische Druck sei immens. Viele betroffene Kinder werden dann zu Schulverweigerern.

Neben den Messenger-Diensten wie WhatsApp und SnapChat würde auch YouTube zum Forum für das Mobbing, erklärt Sindram die Bandbreite und betont, dass die Verbreitung von Gewaltdarstellungen, Bedrohungen und Bildaufnahmen, die den persönlichen Lebensbereich verletzen, Straftaten sind. Zivilrechtlich könnten zudem schon bei Kindern ab 7 Jahren Ansprüche der Opfer – zum Beispiel auf Schmerzensgeld, wenn Nacktfotos verbreitet wurden – geltend gemacht werden.

Ausleben von Macht

Mobbing, als Phänomen des Auslebens von Macht gibt es auch in der analogen Welt. Heute bieten digitale Möglichkeiten jedoch einen breiteren und anonymeren Wirkungsradius. Vielfach sei es für Betroffene nicht nachvollziehbar, wer mit den digitalen Mobbing-Aktionen begonnen oder diese weiter verbreitet hat, schildert auch Antonia Wloch, vom Erzieherischen Kinder- und Jugendschutz im Landkreis die Problematik.

Eltern in der Verantwortung

Thomas Sindram sieht auch die Eltern mit in der Verantwortung, ihre Kinder nicht in der Cyberwelt allein zu lassen. Sie hätten eine Fürsorgepflicht und sollten den Kindern die Gefahren im Netz zeigen und sich aktiv damit auseinandersetzen, wo ihre Kinder im Internet unterwegs sind, so Sindram.

An vielen Schulen im Landkreis wird zudem viel Präventionsarbeit geleistet. So informiert Sindram gemeinsam mit Antonia Wloch inzwischen schon Grundschüler über den Umgang und die Gefahren im World Wide Web. Darüber hinaus zeigen sie ihnen auch Möglichkeiten auf, wo sie Hilfe bekommenen können, wenn sie Opfer von Cybermobbing werden. Inzwischen gibt es auch an den Schulen oft schon sogenannte Mobbing-Interventionsteams, das sind Lehrer, die eigens von der Landesschulbehörde dafür ausgebildet werden. „Auch die Schulsozialarbeiter sind Gold wert“, so Sindram.

Hilfreich seien auch die Auftritte der Göttinger Polizeipuppenbühne. Im aktuellen Stück „Fit und fair im Netz“ werden die Gefahren auf spielerische Weise vorgestellt. Die Puppenbühne war in dieser Woche auch zwei Tage an der Burgbergschule in Katlenburg zu Gast. Unter coronakonformen Bedingungen wurde den ersten und zweiten Klassen das Stück gezeigt. Einher geht auch immer die Behandlung des Themas im Unterricht.

Digitalisierung der Schule setzt Medienkompetenz voraus

Schulleiter Matthias Hanke betont die Bedeutung, sich bereits in der Grundschule mit den Gefahren und Möglichkeiten des Internets zu befassen. „An unserer Schule haben die Kinder keine Smartphones, aber zuhause nutzen es schon einige Schüler“, so Hanke. Aber insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung der Schulen und dem Homeschooling müsse den Grundschülern auch der Umgang mit den Medien vermittelt werden. Zumal die Eltern nicht immer daneben säßen.

Hilfe bei Cybermobbing

Für weitere Informationen zu entsprechenden Präventionsangeboten des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes ist Antonia Wloch ansprechbar. Sie ist per E-Mail an awloch@landkreis-northeim.de oder telefonisch unter 0 55 51/70 2 95 zu erreichen.

Darüber hinaus gibt es Portale und Beratungsstellen, an die sich Betroffene wenden können: polizei-beratung.de, polizei-praevention.de, juuuport.de (Schülerscouts im Alter bis 24 Jahre geben hier einem Opfer innerhalb von 24 Stunden Rückmeldung auf Anfragen) sowie klicksafe.de (Hinweise für Eltern und Lehrer).  (Rosemarie Gerhardy)

Wie werden die Opfer gemobbt?

Es gibt verschiedene Formen des Cybermobbings: Beleidigungen oder Bedrohungen werden verschickt, Fotos und Videos werden heimlich aufgenommen und mit Kommentaren versehen, um Opfer zu diffamieren und zu verunsichern, nach dem Beenden von Freundschaften werden kompromittierende Bilder und Texte versandt, private Mitteilungen werden einfach veröffentlicht. Mit Fake-Profilen werden Hasskommentare gepostet oder Hass-Foren eröffnet. 

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