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Tagestreff Oase: Ankerplatz zum Auftanken

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Von: Olaf Weiss

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Der Tagestreff Oase befindet sich in der Hagenstraße, in direkter Nachbarschaft zum Sixti-Gemeindehaus. Beate Wernicke (links) und Melanie Bogedain bieten dort als Sozialarbeiterinnen Hilfe und Unterstützung an.
Der Tagestreff Oase befindet sich in der Hagenstraße, in direkter Nachbarschaft zum Sixti-Gemeindehaus. Beate Wernicke (links) und Melanie Bogedain bieten dort als Sozialarbeiterinnen Hilfe und Unterstützung an. © Olaf Weiss

Ein Quelle zum Auftanken, das ist die Northeimer Oase. Dort wird niemand vor dem Verdursten gerettet, aber die Hilfestellungen, die es dort gibt, und die Menschen, die dort einfach auch nur zuhören können, werden von vielen seit Langem geschätzt.

Northeim – 25 Jahre gibt es in die Einrichtung in der Hagenstraße. Dieses Jubiläum wird am Sonntag mit einem Festgottesdienst und einem Festakt am Sonntag gefeiert.

„Viele empfinden das hier als Familie oder Heimat“, sagt Sozialarbeiterin Beate Wernicke. Zusammen mit ihrer Kollegin Melanie Bogedain leitet sie den Tagestreff.

Das tägliche Frühstück zum Selbstkostenpreis ist für viele ihre Klienten ein täglicher Anlaufpunkt. Dort finden sie einen Kreis von Bekannten und können sich unterhalten.

„Viele melden sich ab, beispielsweise wenn sie ins Krankenhaus müssen“, sagt sie über die Teilnehmer der Frühstücksrunde. Denn: „Es fällt auf, wenn jemand fehlt.“

„Es sind wenige, die nur einmal kommen“, sagt Bogedain. Häufig laufe es so, dass jemand erst ein paarmal zum Frühstück gekommen ist, ehe er Vertrauen gefasst hat, sich mit einem Problem an sie und ihre Kollegin zu wenden.

Die Unterstützung, die die beiden bieten, reicht von lebenspraktischen Tipps („Wie trenne ich meinen Müll richtig, damit es im Haus keinen Ärger gibt“) über die Online-Terminbuchung bei Ärzten oder der Online-Anmeldung eines Kindes in der Kita bis zur Kündigung von am Telefon abgeschlossenen Aboverträge. Vor allem Migranten tappten häufig in die Abofalle, weil sie nicht genau verstanden haben, was ihnen am Telefon erzählt wurde, erklärt Wernicke.

Dass vieles nicht mehr persönlich, sondern nur noch online im Internet funktioniert, „das hängt unsere Leute komplett ab“, sagt Bogedain. Ohne die Hilfe in der Oase würden sie an allem scheitern, was online gemacht werden muss. Auch beim Ausfüllen von Formularen helfen Wernicke und Bogedain, ebenso erklären sie den Inhalt von Verwaltungsschreiben.

An die 40 Menschen kommen nach ihren Worten täglich in die Oase: zum Frühstück, zum Mittagessen oder einfach, um sich zu unterhalten. Einzelne kommen nicht täglich, sondern nur dann, wenn sie ein Problem haben und Hilfe brauchen. So ist nach den Worten von Wernicke jüngst nach mehreren Jahren wieder ein junger Mann aufgetaucht, der früher häufig in der Oase war. Auch er habe wegen eines Problems um Rat gefragt.

Bei spezielleren Problemen verweisen Wernicke und Bogedain auf andere Beratungsstellen wie beispielsweise die Schuldnerberatung oder das Lukas-Werk und stellen entsprechende Kontakte her.

Auch Freizeitangebote, die nun wieder möglich sind, bietet die Oase an. Dazu gehören Wandertage, Minigolfspielen, aber auch Theaterbesuche. „Viele trauen sich so etwas nicht, weil sie glauben, als arme Menschen erkannt zu werden“, erklärt Bogedain, dass nicht nur ein knapper Geldbeutel für ihre Klienten ein Hinderungsgrund ist, so etwas selbstständig zu unternehmen.

Bei der Fahrt zu einer Aufführung im Jungen Theater habe ihr eine über 60-jährige Teilnehmerin ganz gespannt und aufgeregt erzählt, dass sie vorher noch nie in einem Theater gewesen sei, berichtet Wernicke: „Und genau dafür machen wir das.“ (Olaf Weiss)

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