Naturschutzbeauftragter nennt Ursachen

Artenschwund in Flüssen des Landkreises Northeim

Wasserkraftwerk an der Rhume in Northeim
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Wasserkraftwerke stellen Hindernisse für Fische dar. Unser Foto zeigt die modernisierte Anlage an der Rhume in Northeim, die jetzt aber mit einer Fischtreppe ausgestattet ist.

Laut Gert Habermann tragen die Landwirtschaft und Wasserkraftwerke zum Artenschwund bei.

Northeim – Uferrandstreifen sollten in Form von artenreichem Grünland, Dauergrünbrachen oder Hecken als ökologische Vorrangflächen angelegt und als Agrar-Umwelt-Maßnahmen gefördert werden. Diese Forderung hat Gert Habermann, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Northeim, erhoben.

In einer Pressemitteilung weist er darauf hin, dass naturbelassene Fließgewässer zu den arten- und strukturreichsten Lebensräumen gehören und vielen Tieren Wanderkorridore und Nahrung bieten. In der offenen Landschaft seien solche Gewässer allerdings eine Seltenheit, weil blütenreiche Wiesentäler und artenreiche Auewälder im vergangenen Jahrhundert „unter den Pflug“ genommen worden seien.

„Häufig grenzen diese Äcker dann unmittelbar an die Gewässer“, sagt Habermann. Daher sei es kaum zu vermeiden, dass bei anhaltenden Niederschlägen Nitrate, diverse Pflanzenschutzmittel und Antibiotika in die Gewässer gelangen.

„Obwohl die EU-Wasserrahmenrichtlinie vorsieht, dass bis 2027 alle Oberflächengewässer einen guten ökologischen Zustand der Gewässergüteklasse II erreicht haben sollen, sind diesbezüglich nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz kaum Fortschritte erkennbar“, so Habermann.

Gert Habermann, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Northeim

Der sogenannte Niedersächsische Weg sehe zwar vor, dass an Gewässern erster Ordnung zehn Meter breite, an Gewässern zweiter Ordnung fünf Meter breite und an Bächen drei Meter breite Uferstreifen ausgewiesen werden, auf denen weder das Düngen noch das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln erlaubt sei, räumt der Naturschutzbeauftragte ein. Allerdings hält er eine Kontrolle für kaum realistisch und betont: „Vielerorts werden auf den Ackerflächen zum Gewässer hin Wasserableiter durchgestoßen, damit bei hohen Niederschlägen eine Entwässerung des Ackers erfolgt.“ Dadurch gelange mit Nährstoffen belasteter Feinboden, kontaminiert mit Pflanzenschutzmitteln, in die Gewässer.

Eine weitere Ursache des Artenverlustes in fast allen Fließgewässern seien die Kleinwasserkraftwerke mit unüberwindbaren Querbauwerken und Turbinen, „die jeden mit dem Wasser durchfließenden Fisch zerschreddern“. Diese Technik sei nach heutigem Stand die ineffizienteste Art der Stromerzeugung, werde aber nach wie vor staatlich subventioniert und „plakativ unter dem Deckmantel der grünen Energie“ beworben.

Als Beispiele nennt Habermann das Querbauwerk eines seit vielen Jahren nicht mehr betriebenen Kleinwasserkraftwerks am Krummen Wasser in Einbeck, das die Durchgängigkeit völlig unterbinde. Auch in der Ilme, die als potenzielles Laichgewässer für Bachforelle, Lachs und andere Arten gelte, werde die Durchgängigkeit nahezu unmöglich gemacht – und zwar durch fünf Querbauwerke und eine Fischzuchtanlage.

Abschließend verweist Habermann auf eine Aussage des Ökologen Ulrich Eichelmann. Demnach seien in Deutschlands Flüssen bereits 7700 Wasserkraftwerke in Betrieb, darunter 7300 Kleinanlagen. Ihr Anteil am gesamten Energiemix Deutschlands liege bei etwa 0,09 Prozent. „Die Zerstörung, die sie anrichten, steht dazu in keinem Verhältnis“, ist Habermann überzeugt. „Ihre Auswirkungen auf die Gewässerfauna sind verheerend.

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