Bundesweit sind 18 "Wünschewagen" unterwegs

Im Wünschewagen: Arbeiter-Samariter-Bund erfüllt Todkranken letzte Reisewünsche

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Noch einmal den Hamburger Hafen sehen oder mit der Brockenbahn im Harz fahren: Das macht der Arbeiter-Samariter-Bund mit seinen Ehrenamtlichen und dem Wünschewagen möglich.

Northeim. Todkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen besonderen Reisewunsch erfüllen – möglich macht das der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

Die Ehrenamtlichen fahren Sterbenskranke gemeinsam mit ihren Familien und Freunden an einen Sehnsuchtsort.

„Als ich zum ersten Mal vom ASB-Wünschewagen gehört habe, war sofort klar, dass wir das Projekt in jedem Fall nach Kräften unterstützen möchten“, erklärt Iris Knecht, Kreisgeschäftsführerin des ASB Northeim/Osterode.

„Es ist unheimlich ergreifend, zu sehen, welche Freude diese sterbenskranken Menschen erleben und welchen Dienst die Ehrenamtlichen ihnen und ihren Familien erweisen“, so Knecht weiter.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Projekt und erklären, wie die Idee dazu entstanden ist.

Wer kann sich für eine Fahrt bewerben?

„Voraussetzung für eine Fahrt ist, dass sich der Reisende in seiner letzten Lebensphase befindet und aus Niedersachsen stammt“, erklärt Julia-Marie Meisenburg, Sprecherin des Wünschewagens Niedersachsen.

Alter und Religion spiele keine Rolle. Jüngster Fahrgast sei ein vierjähriges Mädchen aus Peine gewesen, der älteste Fahrgast eine 99-jährige Hannoveranerin. Sie wollte noch einmal ihr Geburtshaus im hessischen Marburg sehen.

Welche Reisewünsche haben die Kranken?

Im Landkreis Northeim gab es bisher zwei Fahrten mit dem Wunschmobil des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Ein krebskranker Mann wollte noch einmal in den Harz, mit der Brockenbahn auf den Berg fahren und den Ausblick genießen. Andere Kranke wollten beispielsweise zum Spiel des Lieblings-Fußballvereins, ans Meer oder den Hafen in Hamburg sehen.

Wer sorgt für die medizinische Betreuung während der Reise?

Das Projekt trägt sich in ganz Deutschland durch das Engagement von 1200 Ehrenamtlichen. Sie sind Fachkräfte mit einem qualifizierten medizinischen Hintergrund und können Schwerstkranke kontinuierlich versorgen. „In Niedersachsen unterstützen 86 Ehrenamtliche das Fahrzeug. Der Jüngste ist 18, der Älteste 68 Jahre alt“, erklärt Meisenburg.

Wie ist der Wünschewagen ausgestattet?

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen umgebauten Krankentransporter. Er hat eine spezielle Federung, angenehme Innenbeleuchtung, Musik und bietet auch bei langen Strecken eine komfortable Reise. „Eine verspiegelte Rundum-Verglasung erlaubt einen Panorama-Blick nach draußen, der Blick ins Innere ist ausgeschlossen. Auch medizinisches Equipment ist vorhanden, um im Notfall Hilfe leisten zu können“, erklärt Meisenburg.

Welche Kosten entstehen für die Reisenden?

Sowohl den Kranken als auch den Angehörigen entstehen keine Kosten. Selbst für die Aktivitäten am Lieblingsort kommt laut Meisenburg der ASB auf. Das Projekt selbst finanziert sich ausschließlich aus ASB-Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Wie viele Wunschfahrten wurden bisher in Niedersachsen erfüllt?

Bisher war der Wagen für 90 Reisen in Deutschland unterwegs. „Viele Anfragen können leider nicht mehr umgesetzt werden, weil sich der Gesundheitszustand der Reisenden manchmal rapide verschlechtert“, sagt Meisenburg. Man versuche, Wunschfahrten innerhalb von zwei Tagen umzusetzen, das sei aber nicht immer möglich.

Wie ist die Idee für den Wünschewagen entstanden?

Ursprünglich stammt das Konzept aus den benachbarten Niederlanden. Dort fuhr der erste Wünschewagen bereits im Jahr 2006. Den Weg nach Deutschland fand die Idee durch Ralph Steiner, stellvertretender Vorsitzender des ASB-Regionalverbands Ruhr. Er wurde im Jahr 2011 bei einer Reise nach Israel auf das Projekt aufmerksam.

Bei einer ASB-Tagung überzeugte er seine Kollegen von der Umsetzung des Projektes. Der erste Wünschewagen war in Deutschland 2014 in Essen unterwegs. Inzwischen haben insgesamt 18 Fahrzeuge bereits 1000 Wunschreisen von Todkranken in Deutschland erfüllt.

Wie kann ich mich für eine Reise bewerben?

Interessierte können im Internet unter www.wuenschewagen.de eine Anfrage für eine Fahrt mit dem Wunschmobil stellen.

Wie kann man das Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes finanziell unterstützen?

Unterstützer können eine Überweisung an den Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland tätigen. IBAN: DE07 5139 0000 0060 8253 51 BIC: VBMHDE5FXXX Stichwort: Wünschewagen.

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