Bagatellfälle blockieren Northeimer Notaufnahme: Patientenzahl steigt

Behandlung in der Northeimer Notaufnahme: Hier sind der chirurgische Leiter Thomas Polchau (rechts) sowie der internistische Leiter Robert Zölffel (Zweiter von rechts) und der pflegerische Leiter Matthias Peters mit einer Patientin zu sehen. Foto: Helios/nh

Northeim. Ob Erkältung, Rückenschmerzen oder eingewachsener Fußnagel: Immer mehr Patienten bevölkern die Notaufnahmen, obwohl das medizinisch gar nicht notwendig ist.

„Nicht selten handelt es sich sogar nur um Bagatellfälle, die eigentlich ein klarer Fall für den Hausarzt wären“, sagt Thomas Polchau, chirurgischer Leiter der Zentralen Notaufnahme der Helios-Klinik in Northeim. Zwar habe man Verständnis für jeden Patienten, der besorgt um seine Gesundheit sei, für den Betrieb der Notaufnahme bleibt der Ansturm jedoch nicht ohne Folgen. Zu Stoßzeiten müssen Patienten mit leichteren Beschwerden, die die Aufnahme eigenständig aufsuchen, bis zu zwei Stunden warten. Nicht alle haben dafür Verständnis, sagt Polchau. „Vor allem mittwochs und freitags ab 11.30 Uhr sowie am Wochenende spüren wir einen starken Anstieg der Patientenzahlen“.

Jedes Jahr kommen mehr Patienten in die Notaufnahme des Northeimer Krankenhauses. 2013 wurden dort 18.000 Patienten behandelt, 2014 waren es 19.200 und 2015 schon 19.800. Selbst nach dem Umzug in dezentrale Lage am Sultmer sei die Zahl weiter gestiegen, so der pflegerische Leiter Matthias Peters.

Thomas Polchau vermutet verschiedene Gründe für diese Entwicklung. Manchen Patienten sei die Wartezeit bis zu einem Facharzt-Termin zu lang, andere würden ihren eigenen Fall dramatischer einstufen, als er letztlich sei. Zudem habe sich die Anspruchshaltung verändert: „Viele Patienten erwarten ein Komplettpaket aus Labor, Röntgen und gegebenenfalls Überwachung über Nacht“, so Plochau. „Leider wird häufig vergessen, dass wir kein Ersatz für Praxen sind.“

Grundsätzlich gelte natürlich, dass jeder Patient behandelt werde. Wenn möglich verweisen die Ärzte jedoch auf die Ärztliche Notdienst Ambulanz, die sich ebenfalls im Klinik-Gebäude befindet.

Hintergrund: Die Ärztliche Notdienst Ambulanz

Die Ärztliche Notdienst Ambulanz (ÄNA) wurde 2004 als Verein gegründet, um die niedergelassenen Ärzte bei Notdiensten abends und am Wochenende zu entlasten. Knapp 60 Ärzte haben sich in dem Verein organisiert. Die ÄNA ist für Patienten zuständig, die normalerweise einen Hausarzt aufsuchen würden. Das Angebot umfasst neben der ambulanten Behandlung auch einen Fahrdienst für Hausbesuche. Pro Jahr werden rund 12.000 Patienten von den Ärzten der ÄNA versorgt. Die Praxis-Räume der Ärztlichen Notdienst Ambulanz befinden sich ebenfalls in der Northeimer Helios-Klinik.

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag: 19 bis 22 Uhr, Mittwoch und Freitag: 15 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 8 bis 22 Uhr.

Kontakt: Tel. 116 117

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